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Dem Schmerz den Zahn ziehen

06.03.2002 - (idw) Fraunhofer-Gesellschaft

Wer überempfindliche Zahnhälse hat, kennt den Schmerz, den ein kalter Eisbecher oder saure Gurken auslösen können. Erleichterung bringen spezielle fluoridhaltige Zahnpasten und Spüllösungen. Warum und wie sie wirken, untersuchen Wissenschaftler in Halle.


Oberfläche eines Zahnhalses im Elektronenmikroskop: Der Kanal, durch den reizende Substanzen bis zum Nerv gelangen können, wird hier von Partikeln aus Kalziumfluorid verstopft (Breite des Bildfelds: 12 Mikrometer). ©Fraunhofer IWM "Autsch", jammert die nette junge Dame in der Fernsehwerbung und verzieht das Gesicht. "Wenn Saures, Süßes, Heißes oder Kaltes an den Zähnen schmerzt, nehmen Sie Zahnpasta XY!", so die frohe Botschaft. Zahnärzte wissen: Überempfindliche Zahnhälse stellen bei Erwachsenen ein zunehmendes Problem dar - immerhin ist etwa jeder Fünfte davon betroffen. In der Tat können speziell dafür entwickelte fluoridhaltige Zahnpasten und Spüllösungen die Schmerzen beseitigen. Doch wie dies im Einzelnen geschieht, darüber gab es bisher nur Annahmen. Hersteller von Zahnpflegemitteln wollten jedoch Genaueres wissen, um ihre Produkte zu optimieren.

Solchen Fragen widmen sich seit fünf Jahren Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM. Sie behandeln gezogene Weisheitszähne unter definierten Bedingungen mit fluoridhaltigen Lösungen und kommerziellen Zahnpflegemitteln. Anschließend begutachteten sie elektronenmikroskopisch Oberflächen und Querschnitte der Zähne. "Bei hoher Vergrößerung sehen wir, dass das Zahnbein - also das weiche Material am freiliegenden Zahnhals - von vielen winzigen Kanälchen durchzogen wird", erläutert Dr. Matthias Petzold vom Institutsteil in Halle. "Durch diese Tubuli werden mechanische oder chemische Reize von der Mundhöhle an den Nerv weitergeleitet. Nach der Behandlung mit fluoridhaltigen Präparaten ist die Zahnoberfläche mit vielen winzigen Partikeln belegt, die je nach ihrer Größe und Anzahl die Tubuli verschließen können." Die Forscher analysieren auch die chemische Zusammensetzung ihrer Proben: Die Partikelchen bestehen im Wesentlichen aus schwerlöslichem Kalziumfluorid. Gebildet haben sie sich aus mineralischen Bestandteilen des Zahnbeins und dem zugegebenen Fluorid.

"Neben den Produzenten wollen natürlich auch die Anwender Empfehlungen für den Gebrauch der Präparate", ergänzt Petzold. "Selbst bei geringen Fluoridkonzentrationen und kurzen Kontaktzeiten von wenigen Minuten bilden sich die Partikel bereits. Dabei reduzieren sie nicht nur die Sensibilität der Zähne, sondern stellen auch ein Depot für Fluorid dar. Neben Ernährungsweise und Putztechnik vermindert dies die Gefahr, dass sich Karies bilden kann." Wer mehr über zahnmedizinische und andere Untersuchungen wissen möchte, hat dazu am 21. März Gelegenheit. An diesem Tag findet ein Symposium mit Pressekonferenz statt. Der Anlass: Das IWM in Halle feiert in diesem Jahr - wie viele andere Institute in den neuen Ländern auch - seine zehnjährige Zugehörigkeit zur Fraunhofer-Gesellschaft.

Ansprechpartner:
Dr. Matthias Petzold
Telefon 03 45 / 55 89-1 30, Fax 03 45 / 55 89-1 01, pe@iwmh.fraunhofer.de
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