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Integration türkischer Jugendlicher in Deutschland

14.03.2002 - (idw) Universität zu Köln

Junge Türken sind in ihrer Identifikation mit Deutschland größeren Hindernissen ausgesetzt als in ihrer sozialen Assimilation. Dieser Zustand resultiert sowohl aus einer intensiven nationalen Prägung seitens der Eltern als auch aus der mangelnden Akzeptanz der Einheimischen. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Robert Kecskes in seiner empirischen Studie des soziologischen Forschungsinstituts der Universität zu Köln, die auf einer Befragung von türkischen Schülern als auch Schulabgängern basiert.

44/2002

Identität schwieriger als Assimilation
Integration türkischer Jugendlicher in Deutschland

Junge Türken sind in ihrer Identifikation mit Deutschland größeren Hindernissen ausgesetzt als in ihrer sozialen Assimilation. Dieser Zustand resultiert sowohl aus einer intensiven nationalen Prägung seitens der Eltern als auch aus der mangelnden Akzeptanz der Einheimischen. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Robert Kecskes in seiner empirischen Studie des soziologischen Forschungsinstituts der Universität zu Köln, die auf einer Befragung von türkischen Schülern als auch Schulabgängern basiert.

Das Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen in Deutschland ist im Zuge der fortschreitenden Globalisierung notwendig und unvermeidlich. Trotzdem sind kritische Stimmen laut geworden, die ein düsteres Bild vom Kampf der Kulturen malen oder von nahenden ethnisch-kulturellen Konflikten reden. Diese Ängste werden von der Annahme geschürt, Migranten betrieben eine in sich geschlossene Identitätspolitik, die einer Annäherung an die einheimische Gesellschaft und deren Werte prinzipiell im Wege stehe.

Die familiären Wertvorstellungen haben einen großen Einfluß auf die Identifikation der Jugendlichen. Ein Beispiel dafür ist, daß mehr als die Hälfte der Eltern der Befragten es für wichtig halten, daß sie anders leben als deutsche Jugendliche. Solche Prägungen lassen sich kaum durch Maßnahmen seitens der einheimischen Aufnahmegesellschaft und ihren Institutionen, wie beispielsweise die Schule, beeinflussen. Dies hat zur Folge, daß auch die kommenden Generationen sich weiter mit den kulturellen Wurzeln ihrer Vorfahren identifizieren werden und sich weniger als Deutsche fühlen. Obwohl fast alle Befragten in Deutschland geboren wurden, erklärten immerhin sechzig Prozent der Jugendlichen die Türkei als ihre Heimat.

Laut Dr. Kecskes schließt diese Tatsache eine Zuwendung zu den kulturellen Wertvorstellungen der einheimischen Gesellschaft aber nicht gezwungenermaßen aus. Wenn die türkischen Jugendlichen von der einheimischen Gesellschaft nicht lediglich toleriert, sondern gänzlich akzeptiert werden, kann eine Zuwendung gefördert werden. Den Migrantenkindern dürfen hinsichtlich der Integration keinerlei Hindernisse in den Weg gelegt werden. Somit stellt sich die doppelte Staatsbürgerschaft als Symbol der Identifikation mit zwei Nationalstaaten als sinnvoll heraus. Sie drückt eine Verbindung des Jugendlichen an beide Länder aus.

Die türkischen Jugendlichen stellen eine heterogene Bevölkerungsgruppe dar. Sie ist durch ihre traditionellen und kulturellen Wurzeln geprägt, öffnet sich aber auch dem Land, in dem sie lebt und ist oft bereit zur Assimilation. Die für die Jugendlichen auffällige Heterogenität bezieht übertriebenes Bewahren von Traditionen und auch Radikalismus mit ein. Doch solche negativen Aspekte werden vor allem - so Dr. Kecskes- durch die Medien überbewertet und dramatisiert. Das Resultat ist, daß die einheimische Bevölkerung dem türkischen Mitbürger oft zu Unrecht ein negatives Bild anhaftet.

Hinsichtlich der sozialen Assimilation stellt der Kölner Soziologe fest, daß Faktoren wie "Nachbarschaft" und "Ausbildungsstätte" eine besonders prägnante Rolle spielen. Die meisten türkischen Jugendlichen haben überwiegend Freunde türkischer Herkunft. Es fällt aber auf, daß insbesondere diejenigen, die in einer Nachbarschaft mit sehr wenigen Türken leben und ein Gymnasium, eine Gesamtschule oder eine Universität besucht haben, wesentlich mehr Menschen anderer Herkunftsländer zu ihrem Freundeskreis zählen. Im Gegensatz dazu haben türkische Jugendliche, die keine oder eine niedrige Ausbildung haben und die in einer Nachbarschaft mit sehr vielen türkischen Familien wohnen, wenig Freunde anderer Nationalitäten. Für die Integration türkischer Jugendlicher ist demnach allgemein eine höhere Schulausbildung sinnvoll. Doch sobald der Faktor Schule oder Universität wegfällt, kommt es oft zum Abbruch von Freundschaften mit nicht-türkischen Jugendlichen. Für eine soziale Assimilation ist es besonders wichtig, eine "Ghettobildung" in jeder Hinsicht zu verhindern. Umzüge türkischer Familien in Wohnviertel mit einem hohen Anteil an deutschen bzw. nicht-türkischen Familien tragen dazu bei. Unverzichtbar für eine funktionierende Integration ist es, den sozialen Aufstieg der gesamten türkischen Bevölkerung in Deutschland zu erleichtern. In den Köpfen der Einheimischen muß das Bild des Türken als einfachen Gastarbeiter verabschiedet werden. Dies kann vor allem durch sozial-, bildungs- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen seitens der Einheimischen unterstützt werden.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Robert Kecskes unter der Telefonnummer 0221-470 2341, der Faxnummer 0221-470 5180 und der E-Mail Adresse Kecskes@wiso.uni-koeln.de zur Verfügung.

Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web
(http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).
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