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Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2002

15.03.2002 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Das Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt die Auswahl für den Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2002 bestätigt. Danach erhalten fünf junge deutsche Wissenschaftler und eine Wissenschaftlerin im Mai in Bonn den mit je 16 000 Euro dotierten Preis. Die Mittel für den Heinz Maier-Leibnitz-Preis werden der DFG vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt. Grundidee des seit 1977 jährlich verliehenen Preises ist, exzellente Forschungsleistungen von Wissenschaftlern auszuzeichnen, die nicht älter als 33 Jahre sein sollten. Der Preis ist nach dem im Jahr 2000 verstorbenen ehemaligen DFG-Präsidenten und Atomphysiker Heinz Maier-Leibnitz benannt.

Dr. Rainer Haag (33), Institut für Makromolekulare Chemie, Universität Freiburg

Der Chemiker Rainer Haag entwickelte an der Universität Freiburg ein Verfahren zur kostengünstigen Herstellung von dendritischen Polymeren. Mit diesen Molekülen kann man möglicherweise Medikamente im Körper gezielt dahin bringen, wo sie ihre Wirkung entfalten. Früher hatten Forscher dabei nur die Wahl zwischen den teuren "perfekten Dendrimeren" und preiswerteren, aber für eine Anwendung wenig geeigneten "hochverzweigten Polyglycerinen". Rainer Haag gelang es, hochverzweigte Polyglycerine herzustellen, die ein bestimmtes Molekülgewicht haben und sich daher für den Einsatz in der Medizin eignen könnten. Die Grundlagen für diese Entdeckung, die als Patent angemeldet ist, legte er mit einer Promotion an der Universität Göttingen und Forschungsaufenthalten an der britischen University of Cambridge, der Hebrew University in Israel und der Harvard University (USA). Das Arbeitsgebiet von Rainer Haag gilt als interdisziplinär und zukunftsträchtig.
(Kontakt unter: www.hyperpolymers.com/prodinf.html)


Dr. Guinevere Kauffmann (33), Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching

Die Astrophysikerin Guinevere Kauffmann entwickelt Modelle, die helfen, zentrale Aspekte der Astronomie besser zu verstehen: Galaxien, Schwarze Löcher, Dunkle Materie und Quasare. Nach ihrem Studium in Kapstadt (Südafrika) befasste sie sich im Rahmen ihrer Promotion an der britischen Cambridge University mit der Entstehung und Entwicklung von Galaxien. Ihr Modell ermöglicht es erstmals, die Bilder von jungen Galaxien, welche Großteleskope liefern, direkt mit einer Computersimulation der Galaxie-Entwicklung zu vergleichen. Am Max-Planck-Institut für Astrophysik entwickelt sie jetzt ähnliche Modelle für Schwarze Löcher, Dunkle Materie und Quasare. Zwischenzeitlich forschte die in den USA geborene Deutsch-Amerikanerin zwei Jahre an der University of California. Bis heute publizierte sie 27 Aufsätze in der Fachzeitschrift "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society". Im Jahr 2000 hielt sie einen Plenarvortrag vor der Jahresversammlung der American Astronomical Society.
(Kontakt unter: www.mpa-garching.mpg.de/HIGHLIGHT/2000/highlight0009_d.html)

Dr. Achim Kramer (33), Institut für Medizinische Immunologie, Charité Berlin

Der Biochemiker Achim Kramer entdeckte an der Harvard Medical School, dass ein bestimmter Botenstoff (TGF-a) an der Steuerung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist. TGF-a hemmt die Aktivität von Mäusen bei Anbruch des Tageslichtes, wenn es für sie Zeit zum Schlafen ist. Wie Achim Kramer im Fachblatt "Science" berichtete, sind Mäuse, deren Rezeptor für TGF-a defekt ist, nach Tagesanbruch lebendiger als ihre nachtaktiven Artgenossen. Im Rahmen seiner Promotion beschäftigte sich Achim Kramer mit einem ganz anderen Thema: Er erstellte an der Charité in Berlin eine Peptidbibliothek, mit deren Hilfe zu Autoimmunerkrankungen führende Antigen-Antikörper-Wechselwirkungen besser untersucht werden können. Parallel zu seinem Studium der Biochemie absolvierte Achim Kramer ein Klavierstudium an der Berliner Hochschule der Künste, das er als staatlich geprüfter Klavierlehrer abschloss.
(Kontakt unter: www.sciencemag.org/cgi/content/abstract/294/5551/2511)


Dr. Frank Lyko (31), Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg

Der Biologe Frank Lyko befasst sich seit seiner Promotion an der Universität Heidelberg mit dem Abschalten von Genen durch chemische Veränderungen des Erbguts (Epigenetik). Bereits seine Promotion veröffentlichte er in den Fachjournalen "Nature Genetics" und "Proceedings of the National Academy of Sciences". Am amerikanischen Whitehead Institute entdeckte er dann, was bis dahin niemand für möglich gehalten hätte: Auch die Fruchtfliege Drosophila melanogaster schaltet ihre Gene durch chemische Veränderungen aus. Der Schaltvorgang ist bei Fliegen und Menschen eine chemische Reaktion, die man als Methylierung bezeichnet. Jetzt versucht Frank Lyko zusammen mit seiner Arbeitsgruppe am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), diese Entdeckung für die Krebsbekämpfung nutzbar zu machen. Da eine überschießende Methylierung von Genen zum Tumorwachstum beitragen kann, testet er an der Fruchtfliege Substanzen, welche die Methylierung hemmen. Seine Arbeit am DKFZ wird durch das Emmy Noether-Programm der DFG unterstützt.
(Kontakt unter: www.dkfz.de/epigenetik)

Dr. Robert Schober (30), Department of Electrical and Computer Engineering, University of Toronto (Kanada)

Der Elektrotechniker Robert Schober entwickelte im Rahmen seiner Promotion an der Universität Erlangen-Nürnberg eine Technik, mit der Gleichkanalstörungen beim Mobiltelefonieren vermindert werden können. Gleichkanalstörungen treten auf, wenn ein Handy an den Rand einer Funkzelle kommt und dadurch zwischen zwei Basisstationen gerät, die auf derselben Frequenz senden. Dabei verschlechtern sich die Datenübertragung und die Gesprächsqualität. Die von Robert Schober entwickelte Technik beruht auf einem so genannten inkohärenten Übertragungsverfahren. Seit April 2001 erforscht er an der kanadischen University of British Columbia, wie mit diesem Übertragungsverfahren die Mobilkommunikation weiter verbessert werden kann. Robert Schober publizierte bereits zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten. Allein elf seiner Beiträge veröffentlichte das Magazin des Institute of Electrical and Electronics Engineers, "Transactions on Communications".
(Kontakt unter: www.lnt.de/~schober/publicat.html)

Dr. Volker Zimmermann (33), Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Düsseldorf

Der Historiker Volker Zimmermann befasste sich in seiner Promotion an der Universität Düsseldorf mit der Stimmung und der Politik der Sudetendeutschen nach dem Anschluss der tschechoslowakischen Randgebiete an Deutschland im Jahr 1938. Er stellte fest, dass sich nach der anfänglichen Freude darüber, "heim ins Reich" gekommen zu sein, bald Ernüchterung bei den Sudetendeutschen breit machte. Eine von den Außenministern der Bundesrepublik Deutschland und der Tschechischen Republik eingesetzte Historikerkommission nahm die Untersuchung in ihre Schriftenreihe auf, so dass das Buch 2001 auch in tschechischer Sprache erschien. Zimmermanns Forschung könnte auf diese Weise ein Stück Versöhnungsarbeit leisten. Heute untersucht Volker Zimmermann an der Universität Düsseldorf die Beziehungen zwischen der DDR und der Tschechoslowakei in den Jahren 1945 bis 1969. Zuvor unterrichtete er an der Karls-Universität in Prag. Mit zwei Schriften über Düsseldorf in der NS-Zeit brachte er historische Themen auch der breiten Öffentlichkeit nahe.

(Kontakt unter: www.perlentaucher.de/apages/buch/showbuch.php4?bid=2704)


Die Verleihung der Heinz Maier-Leibnitz-Preise durch die Bundesministerin für Bildung und Forschung Edelgard Bulmahn und den DFG-Präsidenten Ernst-Ludwig Winnacker findet am 2. Mai 2002 um 15 Uhr im Deutschen Museum in Bonn statt. Journalisten sind herzlich eingeladen.
Mehr über den Heinz Maier-Leibnitz-Preis: www.dfg.de/aktuell/preise.html.
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