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Verschwundenes europäisches Delta sagt Zukunft derzeitiger Flüsse voraus

18.03.2002 - (idw) Niederländische Organisation für wissenschaftliche Forschung - NWO

Niederländische Geowissenschaftler aus Delft haben die Absatzmuster des größten Flusses, den Europa je hatte, festgelegt. Zum ersten Mal wurde der europäische Urfluss Eridanos insgesamt studiert. Die Untersuchung am Millionen Jahre alten Delta hilft bei der Vorhersage der Langfristdynamik der derzeitigen Flusse.

Vor zwölf Millionen Jahren floss der Eridanos durch die jetzige Ostsee Skandinavien, Nordpolen und Deutschland entlang, über Dänemark und die Niederlande bis in das jetzige Nordseebecken. Dort bildete sich ein riesiges Delta, das die ganze Nordsee in Anspruch nahm. Vor circa einer Millionen Jahre während der Eiszeiten zerstörte Landeis den Fluss und entstand die Nordsee und die Ostsee.

Geologen aus Delft rekonstruierten die Absatzmuster des Eridanos-Delta anhand seismischer Daten. Ab einem Schiff in der Nordsee schickten Geophysiker Schallwellen in den Boden. Hydrophone fingen den Wiederhall der Schallwellen auf. Mathematische Bearbeitung ergab seismische Linien, die zu Karten der Schichten interpoliert werden konnten, die der Eridanos abgesetzt hat. Die Karten verleihen Einblick in den Verlauf des Eridanos.

Als die Geologen die Kartendaten mit Klimadaten der vergangenen neun Millionen Jahre verglichen, entdeckten sie, dass das Klima den Fluss beeinflusst hat. In einem warmen, feuchten Klima landete relativ wenig Sediment im Fluss. In kalten und trockenen Klimas musste der Fluss viel Sediment verarbeiten. In solchen Perioden erodieren die Böschungen nämlich schnell, sodass Flussgraben verschlammen und sich das Flussmuster ändert.

Die Ergebnisse der Untersuchung bilden die Basis für die Entwicklung numerischer Modelle, die die Flussdynamik über Zeiträume von Hunderte von Jahren voraussagen. Die Modelle können bei der Beantwortung von Fragen wie "Wie entwickelt sich das niederländische Delta, wenn sich das Klima ändert?" und "Haben Klimaänderungen Folgen für Naturentwicklungsprojekte entlang den niederländischen großen Flüsse?" helfen.

Die Untersuchung fällt unter die NEESDI. Dies ist ein großes, von der niederländischen Organisation für wissenschaftliche Forschung (NWO) finanziertes Gemeinschaftsprojekt der niederländischen Fakultäten Geowissenschaften. NEESDI steht für Netherlands Environmental Earth System Dynamics Initiative. Das niederländische Institut für Angewandte Geowissenschaften (NITG-TNO) hat die Daten zur Verfügung gestellt.

Nähere Informationen bei Dr. Irina Overeem (Technische Universität Delft, Technische Geowissenschaften, inzwischen am Institute for Arctic and Alpine Research in Boulder, Colorado, USA tätig) Tel. 001 303 735 0376 (dort ist es acht Stunden früher als in Deutschland), Fax 001 303 492 6388, Email: i_overeem@yahoo.com oder irina.overeem@colorado.edu. Die Promotion fand am 18. März statt, Promotor war Prof. Dr. S.B. Kroonenberg
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