Studium, Ausbildung und Beruf

web uni-protokolle.de
 powered by
NachrichtenLexikonProtokolleBücherForenFreitag, 21. November 2014 

Der Sonnenbrand des Ozeans

18.03.2002 - (idw) Niederländische Organisation für wissenschaftliche Forschung - NWO

Sonnenstrahlung hat einen viel größeren Einfluss auf das Leben im Ozean als gedacht wurde. Aus Forschungen des niederländischen Instituts für Meeresforschung (NIOZ) hat sich erwiesen, dass UV-Strahlung acht Mal mehr organischen Kohlenstoff zu Kohlendioxid verbrennt als Plankton. Bis jetzt gingen Wissenschaftler davon aus, dass gerade Plankton der größte Produzent von Kohlendioxid ist.

Es war zum ersten Mal, dass auf offener See die Menge an organischem Kohlenstoff bestimmt wurde, die von UV-Strahlung zu Kohlendioxid verbrannt wird. Die Forscher gelangten zu der Schlussfolgerung, dass UV-Strahlung jährlich zwei bis drei Prozent des organischen Kohlenstoffs zu Kohlendioxid verbrennt. Dies scheint wenig, ist aber immer noch acht Mal mehr als der Anteil des Planktons in den oberen zehn Metern Wasser. Es ist auch zwei Mal mehr als die Flüsse an Kohlenstoff zuführen. Die Forscher machen ihre Aussagen auf der Grundlage von Messungen, die sie auf dem Schiff Tydeman im Atlantik durchgeführt haben.

Aus Messungen der Temperatur der oberen hundert Meter des Ozeans hat sich erwiesen, dass die oberen zwanzig bis vierzig Meter aus Schichten bestehen, die sich tagsüber nicht vermischen. Diese Schichtung bewirkt, dass das Plankton, aber auch der organische Kohlenstoff den ganzen Tag über Sonnenlicht ausgesetzt ist.

Laut der Biologen ist das Plankton wohl noch gegen die große Dosis Sonnenlicht beständig. Dies kann mit dem Verbrennen der Haut durch die Sonne verglichen werden. Wenn der Sonnenbader sich wieder aus der Sonne zurückzieht, kann die Haut sich wieder größtenteils erholen. Wenn das Plankton jedoch zu viel und zu oft UV-Strahlung verarbeiten muss, können die Organismen das nicht mehr verkraften und sterben sie. Übrigens nehmen dann wahrscheinlich neue Arten ihre Stelle ein. Wie diese Artenverschiebung die Nahrungskette beeinflusst, können die Wissenschaftler noch nicht sagen.

Kohlenstoff im Ozean bildet nach Kohlenstoff im Boden den größten Vorrat an organischem Kohlenstoff in der Biosphäre. Heterotrophes Plankton nimmt diesen Kohlenstoff aus dem Ozean auf und verwendet ihn teilweise für das Wachstum und teilweise für den Stoffwechsel. Diese Umwandlung organischen Kohlenstoffs zu Kohlendioxid liefert dem Plankton Energie. Das Kohlendioxid verlässt den Ozean und gelangt in die Atmosphäre. Dort trägt es zum Treibhauseffekt bei.

Nähere Informationen bei Prof. Dr. Gerhard Herndl (Niederländisches Institut für Meeresforschung), Tel. +31 (0) 222 369507 (Büro) oder +31 (0)6 51260745 (Handy), Fax +31 (0) 222 319674, Email: herndl@nioz.nl. Die Befunde wurden gerade veröffentlicht: Herndl, G.J., I. Obernosterer, 2002: UV radiation and pelagic bacteria. In: Ecological Studies. Vol 153. UV-radiation and arctic ecosystems. [Ed] D.O. Hessen, Springer Verlag, Berlin, Heidelberg, 245-259. Im Frühling erscheint ein Kapitel in einem Buch über Plankton und seine Rolle in der Nahrungskette.
uniprotokolle > Nachrichten > Der Sonnenbrand des Ozeans

ImpressumLesezeichen setzenSeite versendenDruckansicht

HTML-Code zum Verweis auf diese Seite:
<a href="http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/84059/">Der Sonnenbrand des Ozeans </a>