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Jungen erheblich benachteiligt - Sozialkompetenz unabhängig von der Schulform

22.03.2002 - (idw) Freie Universität Berlin

NEUE PISA-Ergebnisse in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (ZfE), Heft 1/2002

Für die Erklärung von aggressiven, aber auch von prosozialen Verhaltenstendenzen kommt es weniger auf die Schulform an, sondern auf die individuelle Einschätzung der Schüler-Lehrer-Beziehung durch die Jugendlichen.

Dies ist der überraschende Befund eines Beitrags des PISA-Teams aus dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, der soeben in der "Zeitschrift für Erziehungswissenschaft" (Verlag Leske + Budrich, Heft 1/2002) veröffentlicht wurde. Der Aufsatz berichtet, welche Wirkungen die Schulform (z.B. das Gymnasium) auf die aggressive Orientierung der Jugendlichen hat bzw. auf die Bereitschaft, Mitschüler zu unterstützen. Ergebnis: Verglichen mit den Schulformunterschieden bei den Schulleistungen, sind die Differenzen im Bereich der Sozialkompetenz, der Kommunikation und Kooperation gering. Wichtiger sind dagegen Geschlecht, soziale Herkunft und die individuelle Einschätzung der Lehrer-Schüler-Beziehungen. So zeigen Mädchen positivere soziale Tendenzen als Jungen. Kinder mit höheren kognitiven Grundfähigkeiten haben eine niedrigere aggressive Tendenz. Ferner gehen ein höherer sozialer Status und bessere Kommunikation mit geringeren aggressiven Tendenzen einher. Und: Jugendliche, die ihre Beziehung zum Lehrer positiv bewerten, zeigen gleichfalls weniger aggressive Tendenzen. Übrigens spielt das Geburtsland der Eltern bei dieser Frage keine negative Rolle. Damit wird klar, dass es für bestimmte Schulformen (etwa Gesamtschule oder das dreigliedrige Schulsystem) keine politischen Argumente gibt, die aus empirischen Ergebnissen über besseres soziales Lernen abgeleitet werden könnten.

Zwei weitere Beiträge des PISA-Autorenteams beschäftigen sich außerdem mit der Lesekompetenz deutscher Schülerinnen und Schüler: Im ersten wird herausgearbeitet, wo die spezifischen Stärken und Schwächen der 15-jährigen Jugendlichen im internationalen Vergleich liegen, um endlich Ansatzpunkte für eine gezielte Verbesserung der Lesekompetenz aufzuzeigen. Die Autoren weisen nach, dass das Wissen von Schülern über geeignete Lernstrategien und das Leseinteresse von entscheidender Bedeutung für die Lesekompetenz sind. - Der zweite Beitrag zum Lesen berichtet von den geschlechterspezifischen Leistungsdifferenzen. Er analysiert den Vorsprung der Mädchen beim Lesen. Daraus ergibt sich eine erhebliche Benachteiligung von Jungen im Schulsystem, zumal die Lesekompetenz auch eine Voraussetzung für die Leistungen in anderen Fächern ist und die Deutschnote bei der Gymnasialempfehlung eine hervorragende Rolle spielt. Hier besteht ein dringender bildungspolitischer Handlungsbedarf.

Die "Zeitschrift für Erziehungswissenschaft" ist eine der führenden erziehungswissenschaftlichen Fachzeitschriften. Die Beiträge repräsentieren thematisch, methodisch und in der Darstellungsweise einen hohen Qualitätsanspruch, der durch anonymes peer review und das Herausgeberkollegium gesichert wird.

Auskunft: Univ.-Prof. Dr. Dieter Lenzen, Erster Vizepräsident der Freien Universität Berlin und geschäftsführende Schriftleiter der ZfE, Tel.: 030/838-73110, bzw. Frau Dr. Petra Stanat, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Lentzeallee 93, 14195 Berlin, Tel.: 030/82406-457.
Heft 1 erhalten interessierte Journalisten kostenlos direkt beim Verlag Leske + Budrich, z. Hd. Frau Sabine Rehorst, Postfach 300551. 51334 Leverkusen, Tel.: 0271/4907-0, Fax: 02171/4907-11, E-Mail: lbjournals@aol.com
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