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Die Erde als Modell

29.05.2002 - (idw) Koordinierungsbüro Geotechnologien

Vom 03. bis zum 05. Juni 2002 veranstalten Lehrer und Forscher an der Ruhr-Universität Bochum ein ungewöhnliches Treffen: Gemeinsam sollen neue Formen naturwissenschaftlichen Unterrichts erarbeitet werden. Natürliche Prozesse auf der Erde werden dabei an Modellen ihrer "großen Geschwister" nachvollzogen - und zwar fachübergreifend als "naturwissenschaftlicher Unterricht". Damit soll das Verständnis für das komplexe System Erde und die naturwissenschaftliche Kompetenz gestärkt werden.

"Nicht allein das A-B-C bringt den Menschen in die Höh'" wusste schon Wilhelm Busch. Vielmehr sind das Verständnis für Naturwissenschaften und natürliche Prozesse heutzutage eine der wesentlichen Voraussetzungen für beruflichen Erfolg. Dass es damit aber nicht immer zum besten steht, ist nicht erst seit der vielzitierten PISA-Studie bekannt.
Um an diesem Zustand etwas zu ändern, treffen sich vom 3. bis zum 5. Juni 2002 Forscher und Gymnasiallehrer aus Nordrhein-Westfalen an der Ruhr-Universität in Bochum. Dort sollen neue Formen des naturwissenschaftlichen Schulunterrichts erarbeitet werden. Veranstalter sind das dortige Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik, das Koordinierungsbüro GEOTECHNOLOGIEN und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel.

Grundidee ist der Ersatz des klassischen Spartenunterrichts - Physik, Chemie, Mathematik, Biologie und Geographie werden getrennt unterrichtet - durch einen neuen naturwissenschaftlichen Unterricht. "Natürliche Prozesse auf der Erde beschränken sich auch nicht auf eines der klassischen Schulfächer", so Prof. Hans-Peter Harjes, Mitveranstalter des Treffens. "Prozesse wie der globale Kohlenstoffkreislauf oder die Klimaerwärmung lassen sich nur durch das Zusammenwirken aller klassischen Fächer erklären und verstehen". Durch den neuen, "ganzheitlichen" Unterricht in den Naturwissenschaften soll das Verständnis der Schüler für die Dynamik der Erde gestärkt und verbessert werden, so die Hoffnung der Veranstalter.

Erarbeitet hat das neue Programm eine Gruppe von Wissenschaftlern am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften in Kiel. Die Kieler Forscher bieten kostenlos Unterrichtsmodule für alle Altersstufen an. In einfach aufzubauenden Experimenten werden so plötzlich komplexe Phänomene wie der Golfstrom oder ein Wirbelwind anschaulich und verständlich. "Mehr als 80% der erforderlichen Zutaten findet man in der eigenen Küche", meint Dr. Frank Siemer von der Kieler Forschungsgruppe.

Die Kinder sind, so zeigen erste Erfahrungen, von dem neuartigen Unterricht begeistert. Den Lehrern sollen nun konkrete Unterrichtsmaterialien an die Hand gegeben werden, die zukünftig einen fächerübergreifenden Unterricht erleichtern "Ausgebildet in den klassischen Schulfächern sind viele Lehrer noch unsicher, sich über die Grenzen des eigenen Faches hinaus auf neues Terrain zu wagen", so Dr. Ludwig Stroink, Leiter des Koordinierungsbüros GEOTECHNOLOGIEN in Potsdam. "Daher bietet das Forschungsprogramm GEOTECHNOLOGIEN, das neben der eigentlichen Forschungsarbeit auch die Verbreitung der Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit fördert, Veranstaltungen wie die jetzt in Bochum stattfindende Lehrerfortbildung an".

In den angelsächsischen Ländern ist die Zusammenarbeit zwischen Forschern und Schulen wesentlich weiter fortgeschritten als in Deutschland. Erste Ansätze, wie etwa die Teilnahme von Schülern aus Niedersachsen an einer Expedition mit dem Forschungsschiff "Polarstern" in das Südpolarmeer, gibt es aber auch in Deutschland. Das jetzt begonnene Projekt wird diese Tendenz weiter stärken. Den Erfolg wird dann frühestens die nächste PISA-Studie belegen können.

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