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Empowerment Through Language - 30. Internationales LAUD-Symposium in Landau

04.05.2004 - (idw) Universität Koblenz-Landau

Das Verhältnis einer Gesellschaft zur Sprache ist ein wichtiges Anzeichen für ihr Selbstverständnis. Sprache und Sprachen erhalten so zu Beginn des 21. Jahrhunderts in einer globalisierten Welt ein enormes Gewicht für die Identität von Menschen und kulturellen Gemeinschaften. Die Verwicklungen von Sprache und Politik, ihre Bedeutung für Minderheiten sowie für die Entstehung neuer Gemeinschaften beschäftigten 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 23 Nationen - von Sibirien über Sydney, Hong Kong, Hawaii und New York - beim 30. LAUD-Symposium an der Universität Koblenz-Landau am Campus Landau.

Das Parkhotel in Landau verwandelte sich für vier Tage zu einem Ort internationaler Forschung. Zu den Teilnehmern gehörten herausragende Forscherpersönlichkeiten wie der Begründer der Sprachsoziologie Joshua A. Fishman (Stanford) sowie Michael Clyne (Melbourne) und Ulrich Ammon (Duisburg). Das renommierte Symposium hat sich in den drei Jahrzehnten seit seiner Entstehung zu einem der weltweit wichtigsten Foren für linguistische Fragestellungen entwickelt. Benannt nach dem Ort seiner Entstehung - Linguistic Agency University of Duisburg - fand das Treffen der Sprachwissenschaftler nun bereits zum dritten Mal in Landau statt. Hauptsponsoren der Konferenz waren die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Universität Koblenz-Landau.

Zugleich konnte LAUD in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern. Verantwortlich für die Organisation des Symposiums war erneut der Anglist Prof. Dr. Martin Pütz, der am Institut für Fremdsprachliche Philologien in Landau forscht und lehrt. In den Beiträgen des Symposiums gerieten die sprachplanerischen Entwicklungen der Europäischen Union ebenso in den Blick, wie die Sprachenpolitik in Afrika oder Minderheitensprachen im Pazifik. Ulrich Ammon verwies auf die sich ausweitende Vorherrschaft des Englischen in den Institutionen der Europäischen Union. Besonders für die bevölkerungsreichen Länder wie Frankreich und Deutschland scheint damit ein Image-Verlust einherzugehen.

Zu den herausragenden Vorträgen gehörten die Ausführungen von Neville Alexander, der in Südafrika gemeinsam mit Nelson Mandela gegen die Apartheid kämpfte und an der Universität von Kapstadt lehrt. Er hob hervor, dass sich Südafrika nun erstmals seit den Bestrebungen zur Unabhängigkeit die Möglichkeit biete, aktiv eine demokratische Sprachenpolitik zu betreiben. So sind denn auch 11 offizielle (weiße und schwarze) Sprachen, u.a. Englisch, Afrikaans, Zulu und Khosa, in der südafrikanischen Verfassung verankert. Wie in vielen anderen afrikanischen Staaten herrscht jedoch auch in Südafrika die ehemalige Kolonialsprache Englisch gegenüber den Sprachen diverser ethnischer Minderheiten vor. Alexander betonte, dass trotz der Dominanz des Englischen im öffentlichen Leben jedoch nur 54 Prozent der Menschen in Südafrika die englische Sprache verstehen.

Große Teile der Bevölkerung werden so von der Teilhabe an ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen. Alexander plädierte eindringlich für eine mehrsprachige Ausbildung der Schüler. Sie sollen zumindest in drei Sprachen unterrichtet werden, denn nur so könne man die Teilnahme am öffentlichen Diskurs in einem so vielsprachigen Land wie Südafrika sicherstellen. Eine demokratische Sprachenpolitik müsse vor allem die benachteiligten Minderheiten einer Gemeinschaft in den Dialog mit einbeziehen.

Die globale Dominanz des Englischen beherrschte zahlreiche Beiträge des Symposiums. Grund genug für René Dirven (Mechelen) diesbezüglich die Grundlagen unseres Denkens zu hinterfragen. Dirven bezog sich auf die zumeist einander entgegengestellten Modelle von Rationalismus und Romantik. Sprache, so Dirven, sei den Rationalisten ein Werkzeug zur Kommunikation. Der Vorherrschaft des Englischen stehen sie gelassen gegenüber. Bildet die Sprache aus romantischer Perspektive die eigentliche Basis für den Ausdruck der eigenen Identität, scheint sie rationalistisch betrachtet, ein neutraler Zugang zur Welt, der keinerlei kulturelle Präferenzen ausdrücke.

Zwischen den zahlreichen Überlegungen zu einer ausgleichenden Sprachenpolitik bot der Vortrag von Joshua A. Fishman ein Pendant, in welchem er vor allem grundsätzliche Überlegungen zum Verhältnis von Sprache und Macht anstellte. Fishman hob hervor, wie vielfältig die Kräfte sind, die unser Handeln bestimmen. Die Macht der Sprache sei zwar groß, doch wie viel größer scheint die Macht der Liebe oder die Macht des Lächelns. Er mahnte zur Geduld und plädierte zugleich für einen weiten Blick, der die Grenzen der eigenen Wissenschaft überschreite, um den Bezug zur Gesellschaft aufrecht zu erhalten. Sprache ist an eine Lebensform gebunden. Sie vollzieht sich im Leben als Handlung unter vielfältigen anderen Handlungen. Bemächtigung durch Sprache sei dabei nur ein Aspekt.

Eine Auswahl der Beiträge wird bei dem Verlag Mouton de Gruyter (Berlin/New York) unter der Herausgeberschaft Fishman/Pütz und Smieja (Landau) / Weideman (Pretoria) publiziert werden.

Die Zeichen für das LAUD Symposium 2006 sind bereits gesetzt, wenn die Referate sich dann mit der Thematik "Intercultural Pragmatics and Cognition" befassen werden.

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