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Die Vermittlung von Fachwissen ist nicht genug

05.11.2002 - (idw) Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Was können und müssen die Universitäten tun, um ihre Absolventen besser auf die Arbeitswelt vorzubereiten? - Ein Symposium an der Universität Heidelberg gab Antworten

Was können und müssen die Universitäten tun, um ihre Absolventen besser auf die Arbeitswelt vorzubereiten? Diese Frage war am 30. Oktober 2002 Gegenstand eines Symposiums an der Universität Heidelberg. Die Zentrale Studienberatung und Weiterbildung (ZSW) und die Initiative "Magister in den Beruf" (MiB) hatten Vertreter der Wirtschaft und Vertreter verschiedener Universitäten eingeladen, um einen Tag lang miteinander zu diskutieren. Anlass war das zehnjährige Bestehen von MiB. "Magister in den Beruf" wurde 1992 von Professor Dr. Arnold Rothe am Romanischen Seminar gegründet. Seit dieser Zeit ruht MiB auf drei Säulen: Informationsveranstaltungen über den Arbeitsmarkt für Sozial- und Geisteswissenschaftler, Vermittlung von Praktikumsplätzen in den Firmen der Region und schließlich - in Kooperation mit dem ZSW - ein breites arbeitsmarktqualifizierendes Workshop-Angebot.

Festredner der Veranstaltung war der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Professor Dr. Klaus Landfried. "Hochschulen müssen also mehr als nur Wissen erzeugen und verbreiten. Denn da heutzutage Spezialwissen rasch veraltet, hilft es nichts, nur diese speziellen Wissensbestände zu lernen", betonte er. Vielmehr gelte es, die Methodik des Lernens zu vermitteln und auch Sozialkompetenzen zu trainieren oder aber auch elementare betriebswirtschaftliche, organisatorische und kommunikative Fähigkeiten zu vermitteln.

Er bemängelte, dass man an vielen, wenn auch nicht allen geisteswissenschaftlichen Fakultäten noch immer eine Ausbildung vorfinde, die beinahe ausschließlich darauf gerichtet sei, wissenschaftlichen Nachwuchs für die Forschung zu qualifizieren. "Dabei wissen wir doch alle, dass die meisten Studierenden nicht in die Wissenschaft gehen können oder wollen", so Landfried weiter. Für die Berufsvorbereitung von Studierenden und Absolventen habe jede Universität eine besondere Verantwortung.

"Die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, aber auch die Beratung über berufliche Perspektiven sollte in jeder Hochschule angeboten werden," forderte er. Die Hochschulrektorenkonferenz unterstütze hochschulpolitisch Einrichtungen wie zum Beispiel Career Services schon lange. Angesichts der Knappheit der Mittel sei eine Zusammenarbeit mit Arbeitsämtern, mit der Wirtschaft und den Studentenwerken unverzichtbar. Die Fäden müsse jedoch die Hochschule in der Hand behalten: "Erste Ansprechpartner der Studierenden sind natürlich die Hochschulen, das wissen auch alle, die sonst in dem Geschäft tätig sind."

Dass das Thema des Übergangs vom Studium in den Beruf offenbar nicht nur bei Professoren, Vertretern der Universitätsverwaltungen und Studierenden auf anhaltendes Interesse trifft, belegt die Zusammensetzung des Symposiums: Zahlreich vertreten waren auch die Repräsentanten der Wirtschaft. Zu dem Teilnehmerkreis zählten zum Beispiel Vertreter von SAP, Bertelsmann, MLP, der Mannheimer Versicherung, der IHK Rhein-Neckar, aber auch Personalberatungen wie Korn/Ferry und Kienbaum.

An einer Reihe von Universitäten gibt es bereits Career Services, also Einrichtungen, die die Aufgabe haben, den Studierenden den Weg in den Beruf zu ebnen. Zu diesen Universitäten zählen beispielsweise die FU Berlin sowie die Universitäten Bochum, Göttingen, Hohenheim und Hannover. Die Leiter der dortigen Career Services zeigten im Rahmen des Symposiums auf, welches Angebot sie den Studierenden ihrer Universitäten bereitstellen. Das Spektrum ist groß: Es reicht von Beratung, berufsorientierenden Vorträgen, Praktikumsvermittlung bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen wie Seminaren zur Vermittlung von Schlüsselkompetenzen oder aber gar zur Stellenvermittlung. Auch die Schwerpunkte unterscheiden sich: Beratung und/oder Vermittlung, so lassen sich die in Heidelberg präsentierten Modelle schlagwortartig umreißen.

Die Berufsvorbereitung der Studenten muss so früh wie möglich beginnen und nicht erst am Ende des Studiums. Darüber waren sich die Vertreter der Universitäten mit denen der Wirtschaft einig. Übereinstimmung bestand auch darin, dass die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen wie beispielsweise Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, übergreifendes, vernetztes Denken und Zielorientierung eine zentrale Rolle spielt.

"Ein Career Service sollte den Studenten helfen, ihre berufliche Biografie zielgerichtet zu gestalten, und zwar nicht erst im siebten bis neunten Semester", so Susan Bauer, Personalberaterin bei Kienbaum. "Die Persönlichkeit eines Bewerbers ist ausschlaggebend für seine Wahl. Sie muss zu der ausgeschriebenen Stelle passen", betonte Frank Riebling, Headhunter bei Korn/Ferry Hofmann Herbold International. Thomas Emmert, Personalleiter der Mannheimer Versicherung, wies darauf hin, dass die Examensnoten nur für die erste Sichtung möglicher Kandidaten entscheiden. Danach aber seien es die Schlüsselkompetenzen, die zählten.

Katrin Enaux von der Bertelsmann AG forderte die Career Services auf, für die Studenten eine Coaching-Funktion zu übernehmen und sich nicht nur auf Hilfestellung bei Bewerbungen zu beschränken. "Warum geben die Universitäten so wichtige Themenfelder aus der Hand wie die Vermittlung von Schlüsselkompetenzen?", fragte Dr. Margret Ammann, SAP AG. Sie bezeichnete es als wichtige Funktion der Career Services, gegenüber den Unternehmen und gegenüber den Studenten als Filter zu wirken.

Diskutiert wurde auch die Frage, wie ein Career Service zu finanzieren und organisatorisch zu gestalten ist. Susanne Richter von der Koordinationsstelle Career Service der Universität Hannover betonte nachdrücklich, dass es nicht möglich sei, einen Career Service ausschließlich aus Fremdmitteln zu finanzieren. "Die Erwartungen sind hoch, dass wir selbst Mittel einwerben. Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass Unternehmen nur für konkrete Projekte zahlen", fügte Susanne Jörns vom Büro für Studium und Beruf an der Universität Göttingen hinzu. Dr. Dieter Grühn, Leiter des Career Service der Freien Universität Berlin, plädierte dafür, die berufsvorbereitenden Angebote der Universitäten in die Studiengänge zu integrieren. "Career Services verkürzen die Studienzeit", so seine zentrale These.

Heidelberg geht bereits einen solchen Weg. Hier versteht sich das Zentrum für Studienberatung und Weiterbildung als zentraler Dienstleister, der einen Bogen von der Schule über die Universität hin zum Arbeitsmarkt spannt. "Das Symposium zeigt, wir befinden uns in guter Gesellschaft. Und: Wir stehen nicht am Anfang. Mit dem Tutorienprogramm zur Vermittlung von Schlüsselkompetenzen, dem 'Ausbildungsprogramm Berufsvorbereitung' und der Praktikumsvermittlung von 'Magister in den Beruf' verfügen wir über ein solides Fundament, auf dem wir hier in Heidelberg den Career Service errichten können", sagt Dr. Andreas Barz, Direktor des Zentrums für Studienberatung und Weiterbildung der Universität Heidelberg.

Ansprechpartner:

Dr. Andreas Barz
Tel. 06221 542451, Fax 543850
andreas.barz@urz.uni-heidelberg.de

Dr. Michael Schwarz
Pressesprecher der Universität Heidelberg
Tel. 06221 542310, Fax 542317
michael.schwarz@rektorat.uni-heidelberg.de
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