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Was passiert, wenn ein Badesee "umkippt"?

10.08.2004 - (idw) Europa Fachhochschule Fresenius

Getrübte Badefreuden: Die lang ersehnte Badesaison birgt so manche Tücken

Idstein. Im Vergleich zum Vorjahr wollte der Sommer 2004 nicht so richtig in die Gänge kommen. Doch wenn es heiß wird, kommt es nicht nur auf ausreichenden Sonnenschutz an. Wen die Sehnsucht nach dem kühlen Nass in der Natur packt, sollte sich über mögliche Gesundheitsrisiken im Klaren sein. Glasscherben, stechwütige Insekten oder unbeaufsichtigte Uferabschnitte sind nur ein Teil der Ärgernisse und Gefahren, die einem den Badespaß verderben können.

Die Wasserqualität, vor allem von stehenden Gewässern, kann sich im Laufe des Sommers erheblich verschlechtern. Anhaltend hohe Lichtintensitäten, hohe Temperaturen und wenig Wind können dazu führen, dass ein Badesee "umkippt". Denn was für Sonnenanbeter paradiesisch ist, setzt im Wasser einen biologischen Prozess in Gang: Die Algen im Gewässer finden ideale Wachstumsbedingungen und vermehren sich daher rasant - die Biomasse nimmt zu. Durch die intensive Sonneneinstrahlung und den fehlenden Wind kommt es gleichzeitig zu einer Temperaturschichtung des Gewässers: mit einer warmen Oberflächen- und einer kalten Tiefenschicht, zwischen denen es kaum Austausch gibt.

Dadurch gelangt nur wenig Sauerstoff ins Tiefenwasser, wo er aber dringend benötigt wird. Denn dort fällt besonders im Sommer reichlich abgestorbene Biomasse an, deren Abbau viel Sauerstoff verbraucht. Die Folge: Am Gewässergrund entsteht ein Sauerstoffmangel, die Biomasse beginnt zu faulen und setzt entsprechende Gase frei. Bleibt die Temperaturschichtung lange genug bestehen, wird der Sauerstoffmangel immer größer, und die Fäulnisprozesse können im ungünstigsten Fall bis unter die Wasseroberfläche reichen. Was vorher für Augen und Nase verborgen in der Tiefe ablief, wird jetzt seh- und vor allem riechbar. Der Fachmann spricht nun vom umgekippten Gewässer. Aber auch bevor ein See umkippt, kann der Badespaß bereits deutlich getrübt sein. Ursache hierfür sind neben Bakterien, wie z. B. Salmonellen, nicht selten mikroskopisch kleine, giftige Blaualgen. Sie finden bei den sommerlichen Licht-, Temperatur- und Nährstoffverhältnissen optimale Bedingungen vor und können sich daher massenhaft vermehren. Durchfall und sogar Leberschädigungen riskiert, wer in einem derart belasteten Gewässer badet.

Informationen über Wasserqualität

Die Qualität der deutschen Badegewässer hat sich insgesamt in den letzten Jahren stets verbessert, der EU-Umweltrat hat am 28. Juni 2004 strengere Grenzwerte beschlossen. Ob sich der örtliche See zum Baden eignet, können Laien oft nur schwer beurteilen. Es empfiehlt sich, nur ausgewiesene Badegewässer aufzusuchen und Verbotsschilder unbedingt zu beachten. Als Indikator für die Wasserqualität gilt unter anderem die Sichttiefe: Nach EU-Richtlinien sollte sie nicht unter einem Meter liegen. Nähere Auskünfte erteilen die Gesundheitsämter.

Übrigens: Wer zur Wasserqualität beitragen will, sollte die mitgebrachte Verpflegung nicht achtlos zurücklassen oder sie aus vermeintlicher Tierliebe den Enten verfüttern. Den Nährstoffeintrag erhöht auch, wer seine Notdurft im Wasser statt in den dafür vorgesehenen Örtlichkeiten verrichtet und damit die Voraussetzungen für einen Anstieg der Biomasse mit allen beschriebenen negativen Folgen schafft.
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