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Fluoreszenzverfahren macht Hirnoperationen sicherer

12.08.2004 - (idw) Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Frankfurter Neurochirurgen entwickeln neues Verfahren

Eine neue Methode zur bildlichen Darstellung der Gehirngefäße (Angiographie) ohne Röntgenstrahlung während der Operation von Hirngefäßerkrankungen, insbesondere Hirngefäßaneurysmen, entwickelte Priv.-Doz. Andreas Raabe, Leitender Oberarzt an der Klinik für Neurochirugie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Für diese Forschungsarbeit wurde Dr. Raabe auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für Neurochirurgie in Orlando (Florida), dem weltweit größten neurochirurgischen Kongress, mit dem International Abstract Award ausgezeichnet. Raabe erhielt den Preis für seine Entwicklungsarbeit zur technischen Integration einer neuen Angiographiemethode direkt in das Operationsmikroskop. Neben dem Universitätsklinikum Frankfurt ist bislang das Barrow Neurological Institute in Phoenix (Arizona, USA) die einzige Einrichtung weltweit, die mit dem an der Klinik für Neurochirurgie in Frankfurt am Main (Direktor: Professor Dr. med. Volker Seifert) entwickelten Operationsmikroskop arbeiten.

Das neue Verfahren nutzt dabei die Technik der Indozyaninfluoreszenz. Dabei wird über spezielles Licht im nicht sichtbaren Bereich ein Fluoreszenzfarbstoff zum Leuchten angeregt. Die Neurochirurgen können somit den Blutfluss in den Gehirngefäßen erstmals direkt durch das Operationsmikroskop beobachten. "Damit ist eine sofortige Bildkontrolle des Operationsergebnisses möglich", sagt Priv.-Doz. Dr. Andreas Raabe.

Das neue Verfahren wird vor allem zur Behandlung von Aussackungen der Hirngefäße, sogenannten Aneurysmen, angewandt. Da Aneurysmen häufig platzen, müssen sie in den meisten Fällen mit einem Clip verschlossen werden, um eine Hirnblutung, die bei dieser Erkrankung ohne Behandlung wiederholt auftreten kann, zu vermeiden.

Zur Zeit werden etwa 70 Prozent der Aneurysmen über den Gefäßweg verschlossen, indem eine Platinspirale in das Aneurysma eingelegt wird (endovaskuläres Coiling). Bei 30 Prozent der Aneurysmen, darunter oft die komplizierten, gibt das Team der Neurochirurgen und Neuroradiologen der Behandlung durch einen operativen Verschluss des Aneurysmas den Vorzug (mikrochirurgische Klippung).

Für das bisherige eingesetzte bildgebende Verfahren, die Röntgenangiographie, musste die Operation für 20 Minuten unterbrochen werden. Wegen dieser zeitlichen Verzögerungen, der besonderen technischen Anforderungen und der Nebenwirkungen kam diese Methode nicht routinemäßig zum Einsatz. Durch die sofortige Bildkontrolle ist eine Korrektur des Gefäßclips jedoch unmittelbar möglich. Komplikationen wie Gefäßeinengungen oder -verschlüsse durch den Clip oder ein ungenügendes Abklippen des Aneurysmas werden so vermieden.

Professor Dr. Volker Seifert, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, und die Mediziner der Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. Raabe erhoffen sich von der routinemäßigen Anwendung der neuen Angiographiemethode eine weitere Verbesserung der Sicherheit des operativen Eingriffes. "Für den Patienten bedeutet das ein höheres Maß an Sicherheit, da wir jetzt bei allen Aneurysma-Operationen den Blutfluss sichtbar machen und das Ergebnis der Operation überprüfen können. Bei besonders komplizierten Fällen ist die intraoperative Röntgenangiographie aber weiterhin ein unersetzliches Verfahren", sagt Raabe.

Die Neurochirurgische Klinik am Klinikum der Johann-Wolfgang Goethe Universität Frankfurt ist zusammen mit dem Institut für Neuroradiologie ein führendes Zentrum der interdisziplinären Aneurysmatherapie. Eine weitere, bisher einzigartige Entwicklung aus der gleichen Klink ist die Verwendung der dreidimensionalen Angiographiebilder zur Navigation bei der Aneurysmaoperation. Dieses mittlerweile aus der Tumorchirurgie nicht mehr wegzudenkende Verfahren der computer- und bildgestützten Operation konnte bisher für Angiographiebilder nicht eingesetzt werden, da aus methodischen Gründen die Position des Kopfes während der Angiographie nicht genau bestimmt werden konnte. Auch dieses Problem hat die Arbeitsgruppe um und Professor Volker Seifert und Priv.-Doz. Dr. Raabe gelöst. Nun werden die Gefäßäste und das gefährliche Aneurysma für die Neurochirurgen schon vor der Freilegung sichtbar und die Operation kann schneller und schonender durchgeführt werden.


Für weitere Informationen:

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
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