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Oberfranken und die EU-Osterweiterung: Zwischen Aufbruch und Skepsis (Uni Bamberg)

13.09.2004 - (idw) Otto-Friedrich-Universität Bamberg

In Oberfranken sieht rund jeder Zweite der Zukunft angesichts der EU-Osterweiterung "eher mit Befürchtungen" entgegen. Das ist das Ergebnis einer Studie des
Bamberger Zentrum für Europäische Studien (BACES).



Über Jahrzehnte hinweg schränkten die Grenzen zur DDR und zur Tschechoslowakei die Bewegungsfreiheit der Bürger und die Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung in Oberfranken stark ein. Nach der Wiedervereinigung und der Öffnung der Europäischen Union nach Osten hat Oberfranken seine Randlage in der EU endgültig verloren. Wie empfinden die Menschen in dieser Region diese Veränderungen? Wie schätzen sie die Auswirkungen der Osterweiterung der Europäischen Union ein, von denen sie stärker betroffen sind als andere Gegenden Deutschlands?

Anlässlich der Europawahl in diesem Jahr führte das Bamberger Zentrum für Europäische Studien (BACES) zusammen mit dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft II der Universität Bamberg eine Studie durch, die diese Fragen beantwortet. Insgesamt wurden 504 Personen über 18 Jahren telefonisch befragt. Dabei differenziert die Studie zwischen grenznahen Bewohnern (Landkreise Hof und Wunsiedel) und den weiter westlich gelegenen Regionen Oberfrankens (Stadt und Landkreis Bamberg).


Verhaltene Stimmungslage

Die Ergebnisse zeigen für Oberfranken eine insgesamt verhaltene Stimmungslage. Rund jeder Zweite sieht der Zukunft "eher mit Befürchtungen" entgegen (Schaubild 1). Festzuhalten ist jedoch, dass die grenznahe Bevölkerung nicht zuletzt aufgrund der EU-Osterweiterung besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Entsprechend sind sie deutlich weniger zuversichtlich als die Bürger aus dem westlicheren Teil Oberfrankens. Die schwierigere ökonomische Lage vor Ort führt hier auch zu einer deutlich schlechteren Bewertung und pessimistischeren Erwartung bezüglich der allgemeinen Wirtschaftslage.


Wunsch nach regionaler Selbständigkeit

Dabei macht die große Mehrheit der Oberfranken nicht die Mitgliedschaft Deutschlands in der EU für die momentan schlechte Wirtschaftslage verantwortlich (Schaubild 2). Die Menschen im Grenzgebiet beurteilen die deutsche EU-Mitgliedschaft zwar etwas zurückhaltender, doch auch zwei Drittel dieser Gruppe sehen in ihr eine "gute Sache". Jedoch ist der Wunsch nach regionaler Eigenständigkeit und nach Stärkung der direkten Mitbestimmung der Bürger bei wichtigen EU-Entscheidungen hier größer als in den westlicheren Gebieten Oberfrankens.


Osterweiterung und Sorgen um die Arbeitsplätze

Die Bewohner der Grenzregion sehen in der Osterweiterung der EU für ihre eigene Region zudem deutlich mehr Nachteile als Vorteile. Besonders sorgen sie sich um die Arbeitsplätze aufgrund der tschechischen Konkurrenz. Auch ein Anstieg der Kriminalität durch die Abschaffung der Grenzkontrollen wird befürchtet. Dass die Erweiterung der Europäischen Union nach Osten zu einer Belebung der regionalen Wirtschaft führen könnte, daran glauben nur wenige Bürger im östlichen Teil Oberfrankens.


Bedenklich: fehlender Glaube an neue Chancen

Zwar werden der europäische Einigungsprozess und seine Fortführung nicht grundsätzlich abgelehnt. Aber besonders die Befragten in Wunsiedel und Hof glauben nur zu einem geringen Prozentsatz an neue Chancen, die sich aus der Osterweiterung ergeben. Hier sei es an der Politik, die positiven Seiten der europäischen Einigung noch deutlicher aufzuzeigen, so Dr. Zoltán Juhász und Professor Dr. Hans Rattinger, die Verfasser der Studie. Auch eine stärkere Betonung der aktiven Mitsprachemöglichkeiten der Bevölkerung bei der Bewältigung der Schwierigkeiten könnte der drohenden weiteren Abwanderung insbesondere der Jugend aus den grenznahen Gebieten Oberfrankens und der Schwächung der regionalen Wirtschaft gegensteuern.


Ergebnisse übertragbar

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen eine Differenzierung der Problem- und Stimmungslagen in den grenznahen und grenzfernen Gebieten Oberfrankens. Die Urheber der Studie weisen darauf hin, dass dieses Resultat vermutlich auch auf andere Gebiete Bayerns, insbesondere die Oberpfalz und Niederbayern mit ihrer Nähe zur Ostgrenze Deutschlands, übertragbar sind.

Die gesamte Studie ist nachzulesen unter
http://www.baces.uni-bamberg.de/Texte/CATI-Oberfranken.pdf

Bitte kennzeichnen Sie bei Verwendung der Schaubilder den Abdruck mit © BACES.
Herzlichen Dank.
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