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FH-Düsseldorf: Studie zur Arbeitslosigkeit bei älteren Menschen

15.09.2004 - (idw) Fachhochschule Düsseldorf

Arbeitslosigkeit: "Offensive für Ältere"
Eine Untersuchung aus dem Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften

Arbeitslos und das vielleicht schon seit mindestens zwei Jahren und dazu noch über 35 Jahre alt? Ein Worst-Case-Szenarium, das für viele jedoch traumatisch-zermürbende Realität geworden ist. Vor diesem sowie vor dem Hintergrund der konjunkturellen Entwicklungen hat die DIFA, Forschungsstelle "Düsseldorfer Integrationsförderung in Ausbildung und Arbeit", ein Forschungsschwerpunkt im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Fachhochschule Düsseldorf, einen Forschungsbericht über neue Chancen für ältere Arbeitslose vorgelegt. Der Abschlussbericht dokumentiert die Evaluationsarbeiten der Forschungsstelle, die innerhalb der EQUAL-Entwicklungspartnerschaft "Offensive für Ältere" durchgeführt wurden.

Die Gemeinschaftsinitiative EQUAL wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit sowie aus den Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert, so dass europaweit Entwicklungspartnerschaften geschlossen werden konnten, in denen in arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen innovative Ansätze erprobt werden sollen, um Diskriminierung und Ungleichbehandlung von bestimmten Personengruppen auf dem Arbeitsmarkt zu bekämpfen. Die Ergebnisse dieses europäischen Förderprogramms sollen in die Arbeitsmarktpolitik von Bund und Ländern einfließen.

Unter Leitung von Prof. Dr. Ruth Enggruber, Dekanin des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften, und wissenschaftlicher Mitarbeit von Christian Blech hat die DIFA die Schwierigkeiten älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt analysiert. Die Ergebnisse basieren auf sieben Modellprojekten, wonach sieben Wohlfahrtsverbände versucht haben, ein Förderangebot für "ältere" Arbeitslose zu entwickeln, die zwischen ein bis zehn Jahre arbeitslos sind. Der Altersdurchschnitt der 105 befragten TeilnehmerInnen betrug zum Zeitpunkt der Untersuchung 52,4 Jahre.

Zwar wurden die einzelnen Förderprogramme von den TeilnehmerInnen sehr begrüßt, da sie wieder einen strukturierten Tagesablauf hatten, die eigenen Kompetenzen erleben und wieder ein Stück weit soziale Anerkennung erfahren konnten, was sich vor allem positiv auf das Selbstwertgefühl der Betroffenen auswirkte. Doch ermöglichten die rein psychosozialen Erfolge keine beruflichen Veränderungen. Denn: Eine anschließende Vermittlung ist laut Studie insofern nicht gelungen, da sich viele Betriebe nach wie vor schwer tun, ältere Arbeitslose einzustellen.

Der Abschlussbericht zeigt zugleich auf, welchen großen Herausforderungen sich die Politik gestellt hat, um gerade "ältere" Menschen wieder in das Arbeitsleben zu bringen.
So hat die Untersuchung ergeben, wie wichtig und sinnvoll es ist, einen Blick auf die Zielgruppe der älteren Arbeitslosen vorzunehmen, die auf dem Arbeitsmarkt mit Benachteiligungen konfrontiert wird und der mit den stattgefundenen Programmen eine Förderung angeboten wurde, die sie in der sonstigen "Förderungslandschaft" nicht erfahren. Dass dies in den Modellprojekten der "Offensive für Ältere" in verschiedenen Formen erprobt und umgesetzt werden konnte, hat nicht nur neue Erkenntnisse zur Zielgruppe hervorbringen können, sondern wurde auch von den befragten ExpertInnen als etwas Besonderes in Hinblick auf die spezifische Ausrichtung betrachtet. Den Befragten waren keine vergleichbaren Angebote bekannt, so dass der gewählte Fokus nicht nur bei den beteiligten Trägern ein Novum darzustellen scheint. Auch wenn den EntwicklungspartnerInnen im Projektverlauf vereinzelte Initiativen bekannt geworden sind, müssen der Studie zufolge spezifische Förderangebote für ältere Arbeitslose noch als Einzelfälle betrachtet werden. "Diese gilt es aber", so die Wissenschaftlerin, "sowohl vor dem Hintergrund des schon lang konstatierten und viel zitierten demografischen Wandels, als auch in Bezug auf das beschäftigungspolitische Ziel der EU auszuweiten, die Beschäftigungsquote für ältere Männer und Frauen zwischen 55 und 64 bis 2010 auf 50% zu steigern."

Darüber hinaus drängt sich im Zuge der vehement diskutierten Hartz IV- Reformen, speziell in Hinblick auf die Ein-Euro-Jobs, wonach die Arbeitslosengeld-II-EmpfängerInnen nach SGB2 alle wieder in das Erwerbsleben integriert werden sollen, umso mehr die Frage auf, ob so viele neue Arbeitsplätze überhaupt vorhanden oder geschaffen werden können.

Die 250-seitige Studie ist für alle interessierten Privatpersonen und öffentlichen Einrichtungen zugänglich. Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung (Projektleitung Prof. Dr. Ruth Enggruber, Tel: 0211-81 14666.

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