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Wuppertaler Schwebebahn wird zum Hörsaal

17.09.2004 - (idw) Universität Wuppertal

Einer der 27 Gelenkzüge der Wuppertaler Schwebebahn wird heute (Freitag, 17. September 2004) zum Hörsaal der Uni Wuppertal. Achteinhalb Stunden lang bieten Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni während des laufenden Regelfahrbetriebs Kurzvorlesungen an.

"Wissenschaft schwebt durch die Stadt" heißt das Gemeinschaftsprojekt von Bergischer Universität und Wuppertaler Stadtwerken AG im Rahmen des stadtweiten Events "Wuppertal 24 Stunden live": Der Schwebebahnzug Nr. 7, der bereits seit Sommer 2002 aus Anlass des 30jährigen Bestehens der Hochschule als Uni-Schwebebahnzug verkehrt, wird so zur Schwebebahn der Wissenschaft. Von Ost nach West und zurück durch Wuppertal schwebend bieten 13 Professoren und Wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität von Nachmittag bis kurz vor Mitternacht live Kurzvorträge an. Sie ranken sich ausschließlich rund um Wuppertaler Themen. Dabei geht es mehrmals auch um die Schwebebahn selbst, die seit 1995 mit einem Kostenaufwand von 400 Millionen Euro umgebaut wird: Sämtliche 472 Stahlbrücken und -stützen werden ausgetauscht und die Fundamente verstärkt, um kürzere Taktzeiten zu realisieren.

Im ganz normalen Regelfahrbetrieb des über 100 Jahre alten Wuppertaler Wahrzeichens schweben Wissenschaftler und ihr denkbar gemischtes Publikum an diesem Tag quer durch die Stadt von Ost nach West und zurück, 10 km über der Wupper, weitere 3,3 km über der Straße. Der erste Start ist um 14.44 Uhr ab Endbahnhof Wuppertal-Vohwinkel im Westen der Stadt. Die letzte Wissenschafts-Schwebebahn trifft um 23.07 Uhr im Endbahnhof Wuppertal-Oberbarmen im Osten der Stadt ein.

Kostproben aus dem Programm: Der Volkskundler, Märchenforscher und Germanist Prof. Dr. Heinz Rölleke hat mit Wuppertals Wahrzeichen den denkbar besten, weil typischsten Ort für eine kleine Laudatio zum 75jährigen Stadtjubiläum und macht deshalb um 14.44 Uhr ab Vohwinkel den Anfang des schwebenden Reigens. Zu einer Schwebetour durch Wuppertaler Literatur von Goethe bis Böll, von Engels bis Grass lädt die Literaturwissenschaftlerin Katja Schettler M.A. ein. Der Historiker Prof. Dr. Volkmar Wittmütz wird die Entstehungsgeschichte Wuppertals beleuchten, der Kommunikationsdesigner Prof. Hans-Günter Schmitz die Bedeutung der Schwebebahn als Wahrzeichen für Wuppertal beschreiben. Er gestaltete für die Post vor drei Jahren auch die Sondermarke zum 100jährigen Bestehen des weltweit einzigartigen Verkehrsmittels. Der Theologe Prof. Dr. Kurt Erlemann hält schwebend ein Kurzreferat über die einschlägige Berühmtheit Wuppertals als Sektenstadt. Um die Fundamente der 472 Brückenträger des Schwebebahngerüstes wird es dem Grundbauingenieur Prof. Dr.-Ing. Matthias Pulsfort gehen. Der Historiker Prof. Dr. Eckhard Freise, als erster Millionär aus Günter Jauchs RTL-Show berühmt geworden, will verraten, wer der wirklich älteste Wuppertaler ist. Um die Optik der Schwebebahn-Stadt aus der Vogelperspektive acht bis zwölf Meter über der Wupper geht es der Architektin Dr.-Ing. Juliane Pegels. Der Wasserbauingenieur Prof. Dr.-Ing. Andreas Schlenkhoff nimmt sich den Fluss vor, nach dem die Stadt benannt ist. Und wie das passt: Der Germanist Dr. Stefan Neumann, der seine Doktorarbeit vor drei Jahren über Loriot schrieb, stellt Else Lasker-Schülers gleichnamiges Drama aus dem Jahre 1909 vor, dass - wie inszeniert, aber trotzdem zufällig - zwei Tage später im Wuppertaler Schauspielhaus Premiere hat. Zuvor hat der Chemiker Prof. Dr. Peter Wiesen die Luft über der Wupper und ihrer Stadt ins analytische Auge gefasst. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Volker Ronge, ehemals Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts INFRATEST, seit 1999 Rektor der Universität Wuppertal, wird als letzter Referent im schwebenden Showdown zu fast mitternächtlicher Stunde eine Woche vor den NRW-Kommunalwahlen eine Wahlprognose wagen.

Wuppertal total, das gilt auch für Themen der Präsentationen auf zwei zentralen Schwebebahnhöfen. So werden auf einem Bahnhof in Elberfeld futuristische Modelle der Schwebebahn aus der Design-Schmiede der Uni Wuppertal sowie eine Mini-Schwebebahn aus den Labors der Physiker gezeigt, die dank Supraleitung keinen Strom mehr benötigt, auf einem Barmer Bahnhof ist eine Ausstellung von Wuppertaler Architekturstudenten über ein Schwebebahnmuseum zu sehen.

Die Uni Wuppertal hatte aus Anlass ihres 30jährigen Bestehens einen der 27 Schwebebahnzüge gestalten lassen, der seit dem 26. August 2002 im Regelverkehr fährt. Die Designer Prof. Tönis Käo und Dipl.-Des. Stephan Pegels hatten das markante Design des Schwebebahnzugs übernommen. Erstmals verkehrt seither einer der 27 Schwebebahnzüge in silber-metallic, der bekanntlich auch beliebtesten Autofarbe. In wagenhohen Lettern steht "Universität" auf den Seitenwänden des Zugs, außerdem die Internet-Adresse der Hochschule. Die Schwebebahnstadt Wuppertal und die Universitätsstadt Wuppertal gingen so eine augenfällige Symbiose ein.

Der Zug Nummer 7, hergestellt bei MAN, ist nur ein Jahr jünger als die Universität Wuppertal. Er wurde am 1973 in Dienst gestellt, hat inzwischen rund zwei Millionen Kilometer zurückgelegt und fast 20 Millionen Menschen befördert. Er war bereits einmal werblich gestaltet (für "Aspirin" von BAYER) und erlangte zweifelhafte Berühmtheit durch einen spektakulären Unfall, als er im März 1997 in der Endstation Oberbarmen auf den voll besetzten historischen "Kaiserwagen" auffuhr, den liebevoll gepflegten einzigen erhaltenen Zug aus der Gründerzeit. 14 Fahrgäste im "Kaiserwagen" wurden verletzt, an beiden Fahrzeugen entstand erheblicher Sachschaden. Der Gestalter des Schwebebahnzuges, Prof. Käo (64), war übrigens Chef-Designer bei SIEMENS, bevor er 1991 als Industrial Designer an die Uni Wuppertal berufen wurde.

Kontakt:

Gemanagt wird "Wissenschaft schwebt durch die Stadt"
im Rahmen von "Wuppertal 24 Stunden live"
von der Universitätspressestelle
Telefon 0202/439-2221, -2405, Fax -2899
Idee und Gesamtleitung Michael Kroemer (Uni, 0171/83 73 467), Michael Malicke (WSW AG, 0172/888 38 91)
e-mail presse@uni-wuppertal.de
michael.malicke@wsw-online.de
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