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Forschungsvorhaben zur russischen Orthodoxie

06.10.2004 - (idw) Universität Rostock

Forschungsvorhaben zur russischen Orthodoxie an der Theologischen Fakultät


Zum Wintersemester 2004/05 wird an der Theologischen Fakultät die Arbeit an einem neuen Projekt zur Erforschung der russischen Gegenwartsorthodoxie aufgenommen. Die Untersuchung richtet sich auf Person und Werk des vor wenigen Jahren tragisch verstorbenen russisch-orthodoxen Priesters und Theologen Alexander Men'. Das Forschungsvorhaben legt den Akzent auf die Analyse der Texte, die Men' über den politischen Totalitarismus im Horizont seiner persönlichen Erfahrungen im sowjetischen Staat geschrieben hat. Die wichtigsten dieser Texte sollen übersetzt und publiziert werden.

Dieses Vorhaben, das den Blick auf gegenwärtige Entwicklungen innerhalb der russischen Orthodoxie richtet, entspricht dem neuen wissenschaftlichen Profil der Theologie in Rostock. Die theologische Analyse soll in diesem Fall zusätzliche Erkenntnisse zur modernen Totalitarismusforschung beisteuern, die gegenwärtig im zunehmenden Maße in das Zentrum der Aufmerksamkeit verschiedener Wissenschaftszweige rückt.

Alexander Men' hat umfangreiches Schrifttum hinterlassen, seine Werke wurden in russischer Originalfassung als Buch oder im Internet veröffentlicht. Es gibt einige wenige Übersetzungen seiner Texte ins Englische; dem deutschen Leser ist Alexander Men' weitgehend unbekannt. Die Bedeutung dieses Theologen erwächst nicht nur aus der pastoralen und theologischen Rolle, die er im Leben für viele Menschen in Russland spielte, sondern, wissenschaftlich gesehen, vor allem aus dem nachhaltigen Einfluss seines Gedankengutes auf das geistige Klima im Land. Schon während der Sowjetzeit hat Men' auf eine Reihe russischer Intellektueller prägend eingewirkt, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nahm er einen großen Einfluss auf das öffentliche Denken durch zahlreiche Vorträge und Auftritte in den russischen Medien. Sein Gedankengut ist in reichlichem Maße in die Formulierungen der im Jahre 2000 verabschiedeten Sozialkonzeption der Russisch-Orthodoxen Kirche eingeflossen, der die Forscher zu Recht eine große Bedeutung als Orientierungsmaßstab für die kommende Zeit bescheinigten. Es ist daher aus guten Gründen anzunehmen, dass die Ansichten von Alexander Men' über den Totalitarismus für die politische Meinungsbildung in Russland bedeutsam sein werden.

Das Rostocker Forschungsprojekt wird mit studentischer Beteiligung am Lehrstuhl für Kirchen- und Dogmengeschichte von Dr. theol. Igor Pochoshajew bearbeitet. Die Untersuchungsergebnisse werden voraussichtlich in zwei Jahren in einer Monographie veröffentlicht. Neben dem wissenschaftlichen Ertrag ist mit der Arbeit am Forschungsvorhaben die Absicht verbunden, dem deutsprachigen Leser einen Einblick in das Gedankengut dieses maßgebenden russischen Gegenwartsdenkers zu ermöglichen. Das Projekt wird vom Deutschen Nationalkomitee des Lutherischen Weltbundes finanziell unterstützt. Die Theologische Fakultät freut sich über die Kooperation bei diesem wichtigen Forschungsvorhaben.

Prof. Heinrich Holze
Tel.: (381) 4 98 8415
E-mail: heinrich.holze@theologie.uni-rostock.de
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