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Insekten auf den richtigen Ast im Stammbaum setzen

07.10.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Evolutionsbiologe lehnt Ruf nach Hamburg ab, um weiter an der Universität Jena zu forschen. Neues Projekt zur Stammesgeschichte der holometabolen Insekten.


Prof. Beutel bei Bestimmungsarbeiten am Mikroskop (Foto: Günther/FSU-Fotozentrum) Jena (07.10.04) Prof. Dr. Rolf Beutel bleibt der Jenaer Universität erhalten. Der Insektenforscher und Evolutionsbiologe hat unlängst den ehrenvollen Ruf auf einen Lehrstuhl an der Universität Hamburg abgelehnt und bekleidet nun stattdessen die Professur für Spezielle Zoologie (Entomologie) an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. "Die Möglichkeiten für meine Forschungsarbeiten sind hier einfach optimal," begründet Prof. Beutel den Schritt. Nach der Renovierung des zweiten Stocks im Phyletischen Museum sind nun auch moderne Arbeitsräume für ihn und die fünf Mitglieder seiner Arbeitsgruppe vorhanden. Beutel und sein Team klären stammesgeschichtliche Verwandtschaftsbeziehungen von Insekten auf. Bildlich gesprochen untersuchen die systematisch arbeitenden Evolutionsbiologen, ob jede Art auf dem richtigen Ast des Stammbaums sitzt.

Die Insekten sind mit etwa 1.000.000 erfassten Arten die mit Abstand größte Gruppe im Tierreich - zu den Wirbeltieren zählen etwa "nur" 50.000 Arten. "Schon der extreme Artenreichtum liefert eine brisante evolutionsbiologische Fragestellung und die enorme ökologische Bedeutung der Insekten ist allgemein anerkannt", erläutert Beutel. Auch für den Menschen sind sie in vielfacher Hinsicht von direkter oder indirekter Bedeutung, etwa als Pflanzenbestäuber, als Lieferanten von Honig und Seide, als Produzenten interessanter pharmazeutischer Wirkstoffe, aber auch als Pflanzenschädlinge und extrem wichtige Krankheitsüberträger.

"Gerade weil die Insekten eine extrem vielfältige und umfangreiche Gruppe sind, gibt es nach wie vor sehr viele ungelöste Probleme", so Beutel. In seinem nächsten Forschungsprojekt arbeitet er daran mit, die Stammesgeschichte der holometabolen Insekten, dazu gehören u. a. Fliegen, Mücken, Bienen, Wespen, Käfer und Schmetterlinge, zu rekonstruieren. "Die Systematik ist das Rückgrat aller biologischen Forschungsarbeit", verdeutlicht Beutel die Relevanz seiner Arbeiten. "Sie gibt das Bezugssystem vor, mit dem alle arbeiten. Es werden sonst in verschiedenen Bereichen - etwa in der Physiologie - Befunde produziert, deren sinnvolle Einordnung ebenso schwierig ist wie die Einordnung einer Neuerscheinung in eine ungeordnete Bibliothek.

Systematische Ordnung schaffen, genau dies tut der Jenaer Entomologe und schaut dabei längst nicht mehr nur auf äußere Merkmale (Morphologie), sondern überprüft seine Hypothesen auch mit modernen molekularbiologischen Methoden. Manches Insekt, das rein äußerlich betrachtet in der Vergangenheit einer bestimmten Gruppe zugeschlagen wurde, könnte nach der Analyse seiner genetischen Daten auf einem anderen Zweig des evolutionsbiologischen Stammbaums landen.

Kontakt:
Prof. Dr. Rolf Beutel
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie mit Phyletischem Museum der Universität Jena
Erbertstr. 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949153
E-Mail: rolf.beutel@uni-jena.de
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