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Deutsche Krebsgesellschaft e.V. zum: "Der Spiegel" vom 4. Okober 2004, "Giftkur ohne Nutzen"

13.10.2004 - (idw) Deutsche Krebsgesellschaft e. V.

Die Deutsche Krebsgesellschaft warnt vor pauschalen Schlussfolgerungen

Frankfurt/M. Ein Studie aus München, über die der "Spiegel" am 4. 10. 2004 berichtete, dämpft die Hoffnungen schwer krebskranker Menschen. In dem Artikel ist von einer "Giftkur ohne Nutzen" die Rede und dass es seit 25 Jahren bei der Behandlung von metastasierten Karzinomen in Darm, Brust, Lunge und Prostata keinerlei Fortschritt gegeben hätte. Der Autor Jörg Blech beruft sich dabei auf bislang unveröffentlichte Daten des Münchner Epidemologen Dieter Hölzel, die er im Raum München gesammelt hat. Die Deutsche Krebsgesellschaft möchte im Folgenden dazu Stellung nehmen:

"Die Verunsicherung unter den Betroffenen ist groß, doch ich warne vor pauschalen Schlussfolgerungen, was die Wirksamkeit der Chemotherapie betrifft", erklärt Prof. Michael Bamberg, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. "Die Wirksamkeit der Zytostatika - das bestreitet auch der Spiegel-Artikel nicht - gilt bei Lymph- und Blutkrebs ebenso wie bei Geschwülsten des Bindegewebes (Sarkome) oder Hodenkrebs als gesichert, so dass diese Krankheiten längst kein Todesurteil mehr bedeuten", ergänzt Bamberg. Dass nun Angst vor diesen Medikamenten geschürt und das Vertrauen zwischen Arzt und Patient gestört wird, beunruhigt ihn: "Die USA und Europa verfügen jeweils über hocheffiziente behördliche Verfahren zur Zulassung von Arzneimitteln, einerseits der Food and Drug Administration (FDA) und andererseits der European Agency for the Evaluation of Medicinal Products (EMEA). Diese beiden pharmaunabhängigen Institute gewährleisten, dass keine Medikamente zum klinischen Einsatz gebracht werden, deren Wirksamkeit und Sicherheit nicht bewiesen ist", so der Tübinger Klinikdirektor.

Zudem sorgen interdisziplinäre Fachgesellschaften, wie die Deutsche Krebsgesellschaft, mit der Erarbeitung so genannter Leitlinien auf Grundlage aktuellster Forschungsergebnisse für die Sicherstellung einer optimalen Behandlung der Betroffenen. "Für uns Kliniker ist das einzige wissenschaftliche Instrument, das geeignet ist, die Wirksamkeit einer Maßnahme, wie etwa den Einsatz eines Medikamentes, sauber zu beurteilen, die kontrollierte, randomiserte Studie. Auf diesen Studienergebnisse beruht die Erarbeitung der Behandlungsleitlinien", erklärt Bamberg. "Epidemologische Beobachtungen, auf denen die Aussagen des Spiegel-Artikels fußen, erfüllen die hohen Anforderungen, an die etwa eine Zulassung geknüpft ist, nicht", führt er fort. So existieren diverse Phase III-Studien, die die Wirksamkeit der Chemotherapie bei metastasierten, fortgeschrittenen Organkarzinomen belegen. Diese Studien sind in den letzten Jahren im "Journal of Clinical Oncology" publiziert wurden und können jederzeit bei der Deutschen Krebsgesellschaft abgefragt werden.


In diesen Studien ist ebenso nachgewiesen, dass vor allem adjuvante und neoadjuvante Behandlungen, also mit dem Einsatz von Zytostatika kombinierte Therapien, Leben retten. Leider wurde in dem Spiegel-Artikel nur in einem Nebensatz darauf hingewiesen, dass die gemachten Aussagen nicht für diese Therapieoptionen gelten.

"Es ist wichtiger denn je, dass der behandelnde Arzt nach umfangreicher Information gemeinsam mit seinen Patienten die Therapieentscheidung trifft. Nur so können Ängste abgebaut und ein Therapieerfolg gesichert werden", erklärt der Tübinger Radioonkologe. Aus diesem Grund lädt die Deutsche Krebsgesellschaft am 26. und 27. Februar 2005 zur 1. Offenen Krebskonferenz nach Berlin. Dort erhalten Patienten ein gemeinsames Forum mit den Klinikern, um über aktuelle Behandlungsstrategien zu informieren und zu diskutieren.


Pressestelle der Deutschen Krebsgesellschaft e.V.
Herr André Franck
AVISO medien.arbeit
Liebknechtstraße 17-21
99423 Weimar
Tel. (03643) 82 82 84 * Fax (03643) 82 82 85
EMail: presse@krebsgesellschaft.de
Internet: http://www.krebsgesellschaft.de
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