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Nach Bypass-Operation: Patienten müssen neuen Lebensstil finden

13.11.2002 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Wenn ein Herzkranzgefäß verkalkt ist, kann dem Patienten mit einer Bypass-Operation geholfen werden. Doch die eigentliche Ursache der Erkrankung ist nach diesem Eingriff nicht beseitigt. An der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Uni Würzburg wurde darum ein besonderes Projekt gestartet: Es soll die Patienten dabei unterstützen, nach der Operation die Risikofaktoren für die Gefäßverkalkung abzubauen.


Herz-Bypass-Operation in der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Uni Würzburg. Rechts im Bild die Herz-Lungen-Maschine. Fotos (2): Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Dieses stark verfettete Herz wurde mit zwei Bypässen versorgt: Beim Pfeil schließt ein Bypass an die Hauptschlagader an. Der andere ist mit einer Vorrichtung umklammert, mit welcher der Blutdurchfluss gemessen wird. Die landläufig als Verkalkung bezeichnete Verengung oder gar totale Verstopfung der Blutgefäße entsteht aus vielerlei Gründen: Bluthochdruck, zu viel Cholesterin und Fett im Blut, Diabetes, Übergewicht, Stress. Wenn diese Risikofaktoren nach einer Bypass-Operation bestehen bleiben, schreitet die Gefäßverkalkung natürlich weiter voran. Auch der Bypass kann dadurch wieder zerstört werden, und dann ist ein erneuter Eingriff nötig.

"Damit es gar nicht erst so weit kommt, müssen sich die Patienten einen vernünftigen Lebensstil aneignen", so Klinikdirektor Prof. Dr. Olaf Elert. Pauschale Ratschläge könne es dabei nicht geben, vielmehr brauche jeder Patient eine individuelle Betreuung. Dieser Aufgabe widmet sich in der Würzburger Herz-Thoraxchirurgie, in der jährlich etwa 500 Herz-Bypass-Operationen vorgenommen werden, der Diplom-Psychologe Jens-Holger Krannich.

Er beurteilt zunächst für jeden Patienten die individuellen Risikofaktoren. Dabei helfen ihm die Laborwerte, die unter anderem die Konzentration der Blutfette und des Blutzuckers verraten, sowie ein eigens entwickelter Fragebogen. Mit diesem ermittelt er das Gesundheits- und Ernährungsverhalten. Gefragt wird zum Beispiel, ob der Patient raucht, Sport treibt, wie viel Flüssigkeit er täglich trinkt, ob er seine Cholesterinwerte kennt und was seiner Meinung nach die Krankheit verursacht hat.

Wenn Krannich sich dann ein Bild gemacht hat, sucht er das Gespräch mit dem Patienten: "Es muss ihm klar werden, dass nur er selbst es in der Hand hat, den Bypass offen zu halten." Oft ernähren sich die Betroffenen falsch, haben dadurch Übergewicht und einen zu hohen Cholesterinspiegel. In solchen Fällen reicht es dem Psychologen zufolge nicht aus, die Patienten zum Abnehmen zu ermahnen. Vielmehr müsse er detailliert vermitteln, wie sie dieses Ziel erreichen können. Zusätzlich bekommen die Patienten einfach verständliche Informationsblätter und ihre persönlichen Labordaten überreicht: Daran sehen sie, wie ihre eigenen Werte sich zu den Idealwerten verhalten.

Dieses Motivationsprogramm läuft ab, so lange sich die Bypass-Patienten noch in der Klinik aufhalten. "Derart unmittelbar einsetzende Erstmaßnahmen zur Rehabilitation gibt es in Deutschland bislang an keiner anderen Klinik. Da hat die Herz-Thoraxchirurgie in Würzburg Neuland betreten", wie Krannich sagt. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt befand das auf Initiative von Prof. Elert realisierte Projekt für förderungswürdig und unterstützte es über den Universitätsbund mit 8.000 Euro aus der IHK-Firmenspende.

Vollendet ist das Motivationsprogramm, das Krannich in Kooperation mit dem Lehrstuhl für Psychologie I und dem Lehrstuhl für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Uni Würzburg sowie der Deegenberg-Klinik in Bad Kissingen entwickelt hat, allerdings noch nicht. Es soll durch Vorträge für die Patienten erweitert werden. Geplant ist zudem eine spezielle Vorbereitung auf die Reha-Maßnahmen, die sich in Deutschland für fast alle Bypass-Operierten an den Klinik-Aufenthalt anschließen.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die wissenschaftliche Auswertung des Projekts. Damit soll herausgefunden werden, was das Motivationsprogramm letzten Endes bringt, ob es bei den Patienten tatsächlich eine zufriedenstellende Verhaltensänderung bewirkt.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Olaf Elert, T (0931) 201-33080, Fax (0931) 201-33088.

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