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Dr.-Ing. Thomas Turek zum Professor für Chemische Verfahrenstechnik ernannt

09.11.2004 - (idw) Technische Universität Clausthal

Dr.-Ing. Thomas Turek von der Bayer Technology Services GmbH in Leverkusen wurde vom Präsidenten der TU Clausthal, Prof. Dr. Edmund Brandt, zum Professor für Chemische Verfahrenstechnik (W3) am 21. Oktober 2004 ernannt. Professor Turek tritt sein Amt zum 1. Dezember 2004 an. Geboren 1961 in Herten in Westfalen, studierte Professor Turek Chemietechnik an der Universität Dortmund (1980 bis 1982) und Chemieingenieurwesen an der Universität Karlsruhe (TH) (1982 bis 1986 ).

In seiner Promotion 1992 am Institut für Chemische Verfahrenstechnik der Universität Karlsruhe stellte Professor Turek eine verfahrenstechnische Alternative zur selektiven katalytischen Reduktion von Stickoxiden von Rauchgasen aus Kraftwerken vor. Stickoxide verursachen zusammen mit Schwefeldioxid den so genannten "sauren" Regen und tragen zur Bildung von umweltschädigenden Photooxidantien bei. Die Minderung der Stickoxidemissionen aus Verbrennungsprozessen verlangte daher der Gesetzgeber seit 1988 mit immer strengeren Auflagen.

Mit SCR bezeichnet man die Technik der selektiven katalytischen Reduktion (selective catalytic reduction) von Stickoxiden in Abgasen von Verbrennungsprozessen. Die chemische Reaktion der Reduktion ist selektiv, das heißt, das verwendete Reduktionsmittel Ammoniak wird gezielt nur mit den Stickoxiden (NO, NO2) zu Wasser und Stickstoff umgesetzt. Die SCR-Reaktoren werden üblicherweise direkt hinter den Brennerkessel oder hinter die Rauchgasentschwefelungsanlage und den Elektrofilter zur Staubabtrennung geschaltet. In der Arbeit von Professorn Turek wurde untersucht, ob sich der in Kraftwerken vorhandene rotierende Luftvorwärmer durch Beschichtung der Wärmeübertragerbleche mit Katalysatoren als SCR-Reaktor nutzen lässt. Die Untersuchungen zeigten, dass das Verfahren für bestimmte Feuerungsarten auch im technischen Maßstab eine sinnvolle Alternative zu den herkömmlichen SCR-Reaktoren darstellt.

In den Jahren 1992 bis 2000 befasste sich Professor Turek im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes an der University of New South Wales in Sydney und in seiner an der Universität Karlsruhe angefertigten Habilitationsarbeit mit unterschiedlichen heterogen katalysierten Verfahren. Dazu gehörten Oxidationsreaktionen, Hydrierungen und weiterhin die Entfernung von Stickoxiden. Ein Schwerpunkt der Arbeiten lag bei der katalytischen Entfernung von Distickstoffmonoxid (Lachgas) aus industriellen Abgasen. N2O besitzt eine etwa 300 Mal höhere klimaschädliche Wirkung als Kohlendioxid und trägt, bedingt durch seine hohe Verweilzeit in der Atmosphäre von rund 120 Jahre, auch zur Zerstörung der stratosphärischen Ozonschicht bei.

Professor Turek untersuchte grundlegende Prozesse der katalytischen Reaktion von N2O an zeolithischen Katalysatoren, so insbesondere die Gründe für die periodisch schwankende Reaktionsgeschwindigkeit der Umsetzung von N2O, und befasste sich mit der praktischen Durchführung der katalytischen Entfernung von N2O aus industriellen Abgasen. Schließlich konnten auch hier Verfahrenskonzepte vorgeschlagen werden, die entweder in einer katalytischen Zersetzung des N2O oder in einer Reduktion mit Kohlenwasserstoffen bestehen und zum Beispiel für die Reinigung von Abgasen aus Salpetersäureanlagen eingesetzt werden können.

Im November 1999 erhielt Professor Turek einen Ruf auf die C3-Professur für Technische Chemie der TU Braunschweig, zog es aber vor, in die Entwicklungsabteilung der Bayer AG zu gehen; ebenso lehnte er den - ein halbes Jahr später eintreffenden - Ruf auf die C4-Professur für Chemische Verfahrenstechnik der Universität Bayreuth ab. Professor Turek leitete das Fachgebiet Reaktionstechnik in der Technischen Entwicklung der Bayer AG in den Jahren 2001 und 2002 und konnte in den Folgejahren eine eigene Katalyse-Gruppe in der Bayer Technology Services GmbH aufbauen, die sich insbesondere mit Fragestellungen der Auswahl und Entwicklung von heterogenen Katalysatoren für unterschiedliche chemische Synthesen beschäftigt. Die Bayer Technology Services GmbH projektiert weltweit Produktionsanlagen in einem interdisziplinären Team aus Verfahrensingenieuren, Chemikern, Mathematikern bis hin zu Biologen und Physikern.

Professor Turek erhielt im Jahr 1991 den 1. Preis für Umweltforschung an der Universität Karlsruhe (TH), in den Jahren 1992 - 1993 ein Feodor-Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung, gewann den Hochschullehrer-Nachwuchspreis der DECHEMA für Technische Chemie (1997) und wurde mit der Arnold-Eucken-Preis der VDI-Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (2000) ausgezeichnet.


Professor Turek veröffentlichte 33 Publikationen und hielt von 1994 bis 2003 Vorlesungen an der Universität Karlsruhe sowie, in englischer Sprache, in Straßburg an der dortigen europäischen Hochschule für die Chemie der Polymere.

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