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Promovendin der Universität Kassel mit Lise-Meitner-Preis ausgezeichnet

14.11.2002 - (idw) Universität Kassel

Den Lise-Meitner-Preis 2002 für hervorragende wissenschaftliche Leistungen aus dem Bereich der Natur- und Technikwissenschaften erhielt Dr. Regina Hannemann am 8. November für ihre im Fachgebiet Theoretische Elektrotechnik der Universität Kassel angefertigte Dissertation. Im Rahmen ihrer jetzt ausgezeichneten Dissertation beschäftigte sie sich mit der Erarbeitung eines Computer-Programms, das Kernkraftwerke sicherer macht.

Kassel/ Wiesbaden. Drei junge Forscherinnen aus Hessen sind für ihre hervorragenden Arbeiten von Wissenschaftsministerin Ruth Wagner am 8. November im Rahmen einer Feierstunde in Wiesbaden mit dem Lise-Meitner-Preis geehrt worden (s. PM 145/2002 HMWK). Die 1993 ins Leben gerufene Auszeichnung erinnert an die berühmte Physikerin und Kollegin Otto Hahns und ist mit insgesamt 10 000 Euro dotiert. Von der Gesamtsumme gehen in diesem Jahr 5 000 Euro an Dr. Pia Dreiseitel, TU Darmstadt. Je 2 500 Euro erhalten Dr. Regina Hannemann, die an der Universität Kassel und Dr. Ilka Teschauer, die an der TU Darmstadt promovierte. Der Preis wird alle zwei bis drei Jahre für hervorragende Leistungen von Frauen im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften in Hessen vergeben.

Wissenschaftsministerin Ruth Wagner wies darauf hin, dass der Preis diesmal jungen Forscherinnen auf dem Gebiet der Ingenieurwissenschaften und der Informatik gewidmet sei. Auf diesen wissenschaftlichen Feldern sei der Frauenanteil nach wie vor besonders niedrig. Auch nach fast zwei Jahrzehnten Förderpolitik im Hochschulbereich, so die Ministerin weiter, sei es eine dringende Aufgabe, den Anteil von Professorinnen zu erhöhen. In Hessen sei dieser von rund 9,8 Prozent im Jahr 2000 auf 11 Prozent in diesem Jahr gestiegen und liege damit im Bundesdurchschnitt. Zugleich sei aber im ganzen Bundesgebiet der Anteil der Frauen, die sich neu habilitiert hätten, im genannten Zeitraum von 18,4 auf 17,2 Prozent gesunken.

Den Lise-Meitner-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen aus dem Bereich der Natur- und Technikwissenschaften erhielt Dr. Regina Hannemann für ihre im Fachgebiet Theoretische Elektrotechnik der Universität Kassel angefertigte Dissertation. Die Doktorarbeit mit Titel "Modeling and Imaging of Elastodynamic Wave Fields in Inhomogeneous Anisotropic Media: An "Object-Oriented Approach" wurde von Prof. Dr. Karl-Jörg Langenberg, Fachgebiet Theoretische Elektrotechnik des Fachbereichs Elektrotechnik/Informatik, betreut und mit der Note "magna cum laude" bewertet.

Dr. Regina Hannemann studierte zwischen 1989 und 1996 Elektrotechnik in Bochum und promovierte anschließend an der Universität Kassel. Danach war sie, ebenfalls in Kassel, Post-Doktorandin, bevor sie im Herbst dieses Jahres als Post-Doctoral Fellow an die amerikanische University of Kentucky in Lexington wechselte. Im Rahmen ihrer jetzt ausgezeichneten Dissertation beschäftigte sie sich mit der Erarbeitung eines Computer-Programms, das Kernkraftwerke sicherer macht. Am PC simulierte sie, wie man Rohr-Schweißnähte aus rostfreiem Stahl im Primärkreislauf von Kernkraftwerken zerstörungsfrei auf Risse überprüfen kann. Regina Hannemann war in Hochschulgremien tätig, in der Studienberatung aktiv und engagierte sich in Projekten, die Schülerinnen für Ingenieurwissenschaften interessieren wollen.

Das Fachgebiet Theoretische Elektrotechnik, in dem Hannemann bei Prof. Langenberg promovierte, beschäftigt sich vorzugsweise mit der Ausbreitung von akustischen, elektromagnetischen und elastischen Wellen mit Anwendung in der zerstörungsfreien Materialprüfung; es wird eine
enge Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren in Saarbrücken gepflegt. Die Mittel für einschlägige Forschungsvorhaben kommen von der
Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und aus Europäischen Rahmenprogrammen. Im 5. Rahmenprogramm wurde unter Leitung von Mitsui-Babcock/ Glasgow eine Fragestellung ins Visier genommen, die bei der inzwischen üblichen Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken von essentieller Bedeutung ist. Im Primärkreislauf von Kernkraftwerken existieren Rohrschweißnähte aus austenitischem (rostfreien) Stahl, die eine sehr körnige und teilweise gerichtete Kristallstruktur aufweisen. Fehlstellen (Risse) in Schweißnähten werden üblicherweise mit Ultraschall (elastischen Wellen) zerstörungsfrei geprüft, austenitische Schweißnähte weisen die Besonderheit einer "Schwerprüfbarkeit" auf, weil die Ausbreitung von elastischen Wellen in derartigen inhomogenen und anisotropen (wegen der Vorzugsrichtung) Materialien weitgehend unverstanden ist. Frau Hannemann
hat mit ihrer Dissertation zur Klärung einschlägiger Phänomene und zur Verbesserung der Ultraschallprüfbarkeit einen wesentlichen Beitrag geleistet. Sie löste die Grundgleichungen der elastischen

Wellenausbreitung mit einem Simulationsverfahren, dessen Output die Wellenausbreitung als Film sichtbar macht; dadurch konnten die bisherigen Probleme der Ultraschallprüfung von austenitischen Schweißnähten quantitativ erkannt werden; es folgte die problemangepasste Entwicklung eines Fehlerabbildungsverfahrens (Ultraschall-Radar) für derartige Schweißnähte, das nunmehr in ein Sofwarepaket des Comissariat à l'Energie Atomique integriert wird und damit dem Anwender als neues Prüfmodul zur Verfügung steht.
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Infos zum Thema
Prof. Dr. rer. nat. Karl-Jörg Langenberg
Universität Kassel
t 0561 804 6368/6425
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