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Frühstudium als Förderangebot für besonders begabte Schüler

16.11.2004 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Als erste Hochschule in Bayern nimmt die Uni Würzburg seit diesem Wintersemester besonders begabte und leistungsbereite Schüler auf. Die "Frühstudierenden" sollten mindestens die 11. Klasse erreicht haben. Sie können an regulären Lehrveranstaltungen teilnehmen und die entsprechenden Leistungsnachweise bis hin zu Vordiplomprüfungen erwerben. Diese Leistungen werden nach dem Erwerb der Hochschulreife und der Einschreibung im entsprechenden Fach anerkannt, was die Studienzeit beschleunigt. Informationen über das Frühstudium gibt es bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung am Freitag, 19. November, von 16.00 bis 17.30 Uhr im Zuse-Hörsaal des Informatikgebäudes auf dem Hubland-Campus. Die Vorstellung beinhaltet auch einen Erfahrungsbericht des Fachkoordinators an der Universität zu Köln, wo ein derartiges Projekt nun schon seit vier Jahren läuft.

Bislang wurden an der Uni Würzburg vier Frühstudierende aufgenommen. Sie sind zwischen 14 und 16 Jahre alt, zwei besuchen Vorlesungen in Mathematik, die beiden anderen in Informatik und Physik. Ermöglicht wurde dieses in Bayern einzigartige Pilotprojekt durch das von der Hochschulleitung unterstützte Engagement des Entwicklungspsychologen Professor Wolfgang Schneider, der den Weg beim Wissenschafts- und Kultusministerium geebnet hat. Für die fachliche Koordination ist Dr. Richard Greiner vom Institut für Mathematik zuständig.

Rückenwind bekam die Initiative von der Kultusministerkonferenz. Die sprach sich im Juni dafür aus, "Schülern, die nach dem einvernehmlichen Urteil von Schule und Hochschule besondere Begabungen aufweisen, ohne förmliche Zulassung als Studierende den Erwerb von Studien- und Prüfungsleistungen zu ermöglichen". Die beiden zuständigen Ministerien in Bayern diskutierten die Würzburger Pläne und gaben kurz vor Beginn der Vorlesungszeit grünes Licht.

Die Hürden vor der Einschreibung zum Frühstudium sind hoch: "Wer Frühstudent werden möchte, muss auf jeden Fall von seiner Schule vorgeschlagen werden und in der neu gegründeten Begabungsberatungsstelle der Universität an einer eignungspsychologischen Untersuchung teilnehmen", erklärt Schneider. Ebenfalls zum Bewerbungsverfahren gehört ein Gespräch mit dem Fachmentor des gewählten Studienfachs. Unabdingbar ist zudem eine "einvernehmlich positive Grundhaltung" von Schule und Erziehungsberechtigten.

Für Fachkoordinator Greiner ist eine verantwortungsvolle Begleitung der Frühstudierenden wichtig. Sie sollen einerseits Abitur machen, andererseits schon während der Schulzeit den Einstieg in ein reguläres Studium finden. Darum wird jeder Schüler von einem Fachmentor begleitet, der die Lehrveranstaltungen auswählt und in Kontakt zu einem Fachlehrer an der jeweiligen Schule steht. Für neu aufgenommene Frühstudierende findet jeweils kurz vor Semesterbeginn eine Einführungsveranstaltung statt, in der die "technischen Kleinigkeiten" des Studienalltags erklärt werden. Richard Greiner: "Wir haben hier eine hervorragende Möglichkeit, Institute mit einer lebendigen Forschungs- und Arbeitsatmosphäre für hochmotivierte junge Menschen zu öffnen. Solch stimulierende Umgebungen sollten wir gezielt schaffen, sie sind die wahren Keimzellen für innovative Wissenschaft."

Dass ohne solche Rahmenbedingungen viel Potenzial verloren geht, weiß Professor Schneider zu berichten: "Hochbegabte Schüler haben oft das Problem, dass sie sich im Unterricht langweilen, weil ihnen die Herausforderung fehlt. Das führt zu einer sinkenden Arbeitsbereitschaft und in der Folge zu schlechten Noten." Wolfgang Schneider kennt die Schwierigkeiten, mit denen hochbegabte Schüler im Alltag zu kämpfen haben: Seit mehreren Jahren begleiten seine Mitarbeiter und er spezielle Hochbegabten-Klassen am Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg wissenschaftlich.

Der Leiter dieses Gymnasiums, Armin Hackl, steht auch als Ansprechpartner für Schulfragen zur Verfügung. Das Frühstudium greift nämlich erheblich in den Unterrichtsalltag ein: Frühstudierende werden für die Teilnahme an den Universitätsveranstaltungen vom Unterricht an ihrer Schule befreit. In welchem Umfang Unterricht ausfallen darf, entscheidet allerdings die Schulleitung, die auch - beispielsweise bei einem Leistungsabfall in anderen Schulfächern - ihr Einverständnis zur Teilnahme am Frühstudium zurückziehen darf. Den ausgefallenen Unterricht müssen die Frühstudierenden selbstständig nacharbeiten.

Ein vielversprechendes Förderangebot also, das wenige finanzielle Mittel, aber viel Motivation von Seiten der Teilnehmer, verständnisvolle Eltern und Schulen erfordert und das die Universität für hochinteressierte und aufgeschlossene junge Menschen öffnet. Das ist nicht verborgen geblieben: Die Deutsche-Telekom-Stiftung wird das Frühstudium an der Uni Würzburg unterstützen, die Begabtenberatungsstelle wird von der Karg-Stiftung für Hochbegabte und dem Verlag Hogrefe gefördert.


Die Bewerbungsfrist für ein im Sommersemester beginnendes Frühstudium endet am 4. Februar. Für alle Neueinsteiger wird am 5. April eine gemeinsame Einführungsveranstaltung stattfinden. Das Fächerangebot, die Bewerbungsunterlagen und weitere Informationen zum Frühstudium finden sich im Internet hier:
http://www.mathematik.uni-wuerzburg.de/fruehstudium
http://www.begabungsberatungsstelle.uni-wuerzburg.de

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