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Schnitte ins Gehirn stellten Psychiatrie-Patienten ruhig

16.11.2004 - (idw) Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Vor der Ära der Psychopharmaka wurden allzu unruhige Patienten in der Psychiatrie mit äußerst fragwürdigen Methoden ruhiggestellt. Bisweilen bohrten die Ärzte sogar den Schädel auf und setzten ungezielte Schnitte ins Gehirn. Dieses Verfahren erhielt den wohlklingenden Namen Psychochirurgie. Vor allem der Schweizer Mediziner Gottlieb Burckhardt (1836 - 1907) und der Portugiese Egas Moniz (1874 - 1955) traten mit solchen Operationen hervor. Das hat der Medizinhistoriker Dominik Groß von der Uni Würzburg in mehreren Studien herausgearbeitet. Moniz wurde für diese Art von Eingriffen 1949 sogar mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet - eine Ehrung, die bis heute zu den umstrittensten Entscheidungen des Stockholmer Komitees gehört, wie Groß sagt.

Für seine Arbeiten über die Geschichte und Ethik der Psychochirurgie hat der Würzburger Medizinhistoriker am 4. November den mit 3.000 Euro dotierten Scultetus-Preis verliehen bekommen. Bei der Jahrestagung der Scultetus-Gesellschaft überreichte deren Vorsitzender Professor Hans-Hinrich Mehrkens die Auszeichnung im Kornhaus in Ulm.

Die 1975 gegründete Gesellschaft will die Erinnerung an den Ulmer Stadtarzt Johannes Scultetus (1595 - 1645) wach halten. Den Scultetus-Preis hat sie in diesem Jahr erstmals verliehen. Er geht auf eine Stiftung der Firma Ratiopharm zurück und soll künftig alle zwei Jahre auf dem Gebiet der medizinhistorischen Forschung oder für gerätetechnische Innovationen in der operativen Medizin vergeben werden.

Dominik Groß ist seit 1995 als Hochschullehrer am Institut für Geschichte der Medizin der Uni Würzburg tätig. Er wurde 1964 in St. Wendel im Saarland geboren und studierte Medizin, Zahnmedizin und Geschichte. In allen drei Fächern wurde er promoviert, die Habilitation für Medizingeschichte erfolgte 1998 an der Uni Würzburg.

Weitere Informationen: PD Dr. Dr. Dr. Dominik Groß, T (0931) 31-2693, Fax (0931) 31-2638, E-Mail:
dominik.gross@mail.uni-wuerzburg.de

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