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Stoffe, die uns nicht nur zu Mann und Frau machen

18.11.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Hormonforscher zum neuen Professor für Humangenetik an die Universität Jena berufen Jena (18.11.04) Serotonin macht glücklich, bei Stress macht Adrenalin unseren Puls rasend und ohne Testosteron und Östrogene wüssten wir nicht, ob wir Männlein oder Weiblein sind. Die Rede ist von Hormonen. Diese Stoffe sind bereits in kleinsten Mengen wirksam und wirken nur auf bestimmte Zielorgane, deren Zellen so genannte Rezeptoren, also Reaktionspartner, für sie aufweisen. Das Spezialgebiet von Prof. Dr. Aria Baniahmad sind Hormone, deren Rezeptor-Partner sich im Zellkern befindet. Der Biologe, der zum Wintersemester zum Professor für Humangenetik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen worden ist, erforscht, wie Hormone mit kernständigen Rezeptoren Prozesse auf zellulärer Ebene steuern.

Das Hauptaugenmerk des gebürtigen Stuttgarters liegt auf den Wirkungsweisen der Androgene (männliche Sexualhormone), des Hormons der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) sowie den Mechanismen der Zellalterung. Die Androgene, die im Hoden produziert werden, können u. a. das Wachstum von Prostatakrebs ungünstig beeinflussen, da sie die Zellteilung vorantreiben. Mit einer Therapie, bei der Anti-Hormone zum Einsatz kommen, wird der Krebs derzeit zurückgedrängt. "Leider tritt nach einer gewissen Behandlungszeit eine Therapieresistenz auf", berichtet Baniahmad. Er will klären, warum die Resistenz auftritt und wie man ihr entgegenwirken kann. Außerdem sucht der neue Genetik-Professor der Uni Jena nach den Schaltersubstanzen, die einer Zelle klarmachen, dass sie nun zu alt ist, um sich noch weiter zu teilen.

"Hormone sind über ihre speziellen Rezeptoren in der Lage, wichtige Gene in Zellen an- aber auch auszuschalten", erklärt Prof. Baniahmad das Grundprinzip. Letzteres ist übrigens noch nicht so lange bekannt. Der 44-Jährige zählt zu den Ersten, die nachweisen konnten, dass Gene bei Säugern nicht nur aktiviert, sondern auch in einem aktiven Prozess gehemmt werden können. "Das war ein echtes Novum", erklärt der Wissenschaftler, der in seiner Doktorarbeit am Max-Planck-Institut (MPI) für Biochemie in Martinsried (1990) beim Thyroidhormon-Rezeptor diesen Mechanismus beschrieben hat. Der Thyroidhormon-Rezeptor gilt als Paradebeispiel für die doppelte Regulatortätigkeit der Genexpression. Der Rezeptor und sein Hormonpartner aus der Schilddrüse sind essenziell für eine normale Entwicklung des Nervensystems.

Erste Bekanntschaft mit dem Thyroidhormon schloss der gebürtige Stuttgarter nach dem Biologiestudium an den Universitäten Würzburg und Hohenheim, als er für die Doktorarbeit 1986 an das Gen-Zentrum des MPI in Martinsried wechselte. Mit Stipendien des Boehringer Ingelheim Fonds und der Fritz Thyssen Stiftung ausgestattet, vertiefte er danach seine Arbeiten und forschte auch an Steroidhormon-Rezeptoren. Als Postdoctoral Fellow war er 1991-1993 am Baylor College of Medicine in Houston, Texas, USA tätig. Zurück in Deutschland leitete er die Arbeitsgruppe "Tumor und Endokrinum" eines Sonderforschungsbereiches am Marburger Institut für Molekularbiologie und Tumorforschung. Auch in seiner Habilitation (1999) an der Justus-Liebig-Universität Gießen blieb er den Hormonen treu. Am Genetischen Institut leitete er ab 1995 entsprechende Arbeitsgruppen in zwei Sonderforschungsbereichen.

Kontakt:
Prof. Dr. Aria Baniahmad
Institut für Humangenetik und Anthropologie der Universität Jena
Kollegiengasse 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 935501
E-Mail: aban@mti.uni-jena.de

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