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RUB-Tagung zum neuen Zuwanderungsgesetz

19.11.2004 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Migranten sind häufig auch lange Zeit nach der Zuwanderung noch in Beziehungsnetzwerke in ihren Herkunftsregionen eingebunden. Sie haben in Deutschland häufig stark auf ihre ethnische Gruppe konzentrierte Beziehungen, und die meisten wünschen sich mehr Kontakt zur deutschen Mehrheitsgesellschaft. Diese Erkenntnisse präsentierte Prof. Ludger Pries (Lehrstuhl für Organisationssoziologie und Mitbestimmungsforschung der RUB), bei der Tagung "Zuwanderungsgesetz und nun? Voraussetzungen, Formen und Funktionen der politischen und sozialen Partizipation von Migranten", die am 16. November im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets stattfand. Bochum, 19.11.2004
Nr. 350

Migranten wünschen mehr Kontakt mit deutscher Gesellschaft
Bedeutung der Sprache bei der Integration nicht unterschätzen
Experten diskutierten das neue Zuwanderungsgesetz

Migranten sind häufig auch lange Zeit nach der Zuwanderung noch in Beziehungsnetzwerke in ihren Herkunftsregionen eingebunden. Sie haben in Deutschland häufig stark auf ihre ethnische Gruppe konzentrierte Beziehungen, und die meisten wünschen sich mehr Kontakt zur deutschen Mehrheitsgesellschaft. Diese Erkenntnisse präsentierte Prof. Ludger Pries (Lehrstuhl für Organisationssoziologie und Mitbestimmungsforschung der RUB), bei der Tagung "Zuwanderungsgesetz und nun? Voraussetzungen, Formen und Funktionen der politischen und sozialen Partizipation von Migranten", die am 16. November im Haus der Geschichte des Ruhrgebiets stattfand. 70 Mitarbeiter von Sozial- und Betroffenenorganisationen, kommunalen und anderen öffentlichen Verwaltungen, Studierende und Wissenschaftler diskutierten das neue Zuwanderungsgesetz und die Integrationspolitiken, die sich daraus ergeben.

Kontakt in die Heimat

Kontakte in die Heimat pflegen Migranten z.B. durch Geldrücküberweisungen, die für viele Länder weit über die Gesamtsumme aller empfangenen öffentlichen Entwicklungshilfe hinausgeht. Eine gute Integrationspolitik, so Prof. Pries, müsse diesen verschiedenen Bezügen von Migranten gerecht werden: "Sie sollte eine angemessene Mischung aus Assimilation im Sinne von Anpassung an bestimmte Basisnormen, von Integration im Sinne der Ermöglichung von Chancengleichheit und von Inkorporation im Sinne des Zulassens auch dauerhafter grenzüberschreitender Identitäten und Loyalitäten sein."

Integrationspolitik in Deutschland besser als ihr Ruf

Die wichtigsten Elemente des neuen Zuwanderungsgesetzes erläuterte Prof. Dr. Michael Bommes (Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien IMIS der Universität Osnabrück). Er würdigte das neue Gesetz vor dem Hintergrund, dass es nun endlich anerkenne, dass Deutschland ein Einwanderungsland sei. Auch gebe es Verbesserungen wie die Vereinfachung der verschiedenen Aufenthaltstitel und bessere Einwanderungsmöglichkeiten für Hochqualifizierte und Studenten. Gleichzeitig warnte er aber davor zu glauben, dass sich mit den Sprach- und Integrationskursen wesentliche Probleme wie etwa die hohen Arbeitslosenquoten von Migranten beseitigen ließen. "Insgesamt ist aber in vielen Bereichen die Praxis der Integrationspolitik in Deutschland besser als ihr Ruf", so der Forscher.

Kontroverse Diskussion des neuen Zuwanderungsgesetzes

In einer anschließenden Podiumsdiskussion kommentierten Politiker, Wissenschaftler und Vertreter des DGB-Bildungswerkes sowie der Landeszentrale für politische Bildung über die Bedeutung und Problematik das Zuwanderungsgesetz. Dabei wurde z.B. die vom Zuwanderungsrat genannte Zahl von maximal 25.000 Menschen, die wegen Knappheit in ganz bestimmten Arbeitsmarktsegmenten im nächsten Jahr akzeptiert werden sollten und könnten, sehr kontrovers diskutiert.

Bedeutung der Sprache

Darüber hinaus diskutierten die Forscher über die Bedeutung der Muttersprache der Migranten für das Erlernen einer weiteren Sprache. "Mit Sprache sind noch weitere Aspekte verbunden, vor allem Fragen der sozialen Identität: Wer bin ich? Wo fühle ich mich zugehörig? Welchen Sinn gebe ich meiner Migrationsbiographie?", erläutert Prof. Pries. Diese Fragen lassen sehr verschiedene Antworten zu, die zum Teil auch von den Haltungen und Angeboten der Aufnahmegesellschaft abhängen. Die Experten stellten strukturelle Mängel im deutschen Schulsystem fest, das in seiner gesamten Tradition zu wenig Platz für die Vielfalt der Schüler und ihrer Leistungen lasse und grundsätzlich auf Homogenität orientiert sei (Dreigliedrigkeit, Sitzenbleiben, Sprache, Religionsunterricht). Positiv werteten die Wissenschaftler das Modellprojekt zur islamischen Religionsunterweisung in deutscher Sprache, welches von der Ruhr-Universität Bochum (Prof. Reichmuth) wissenschaftlich begleitet wird.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Ludger Pries, Lehrstuhl für Organisationssoziologie und Mitbestimmungsforschung der Ruhr-Universität Bochum, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-28429, E-Mail: ludger.pries@rub.de

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