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15.000 Euro wider die Fallsucht

19.11.2004 - (idw) Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

HALLESCHE Krankenversicherung unterstützt Forschungsprojekt zur Vorhersage und Vermeidung epileptischer Anfälle 19. November 2004 197
FRANKFURT / STUTTGART. Isaac Newton, Julius Caesar und Edgar Allan Poe waren herausragende Persönlich- keiten mit einer Gemeinsamkeit: sie litten vermutlich an Epilepsie, im Volksmund auch 'Fallsucht' genannt.

Ein von Prof. Dietrich Wolf koordiniertes Forschungsprojekt am Institut für Angewandte Physik der Universität befasst sich mit der Vorhersage und Verhinderung epileptischer Anfälle. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Prof. Ronald Tetzlaff kooperiert mit der Universitätsklinik für Epileptologie in Bonn, Direktor Prof. Christian Elger. Die HALLESCHE unterstützt das Projekt zur Entwicklung eines physikalischen Ansatzes in der Epilepsiebehandlung mit 15.000 Euro.

Ziel ist die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem bereits erste Vorboten eines epileptischen Anfalls erkannt werden sollen, was den Betroffenen Zeit verschaffen würde, sich darauf vorzubereiten. So könnten beispielsweise Verletzungen durch Stürze vermieden werden. Derzeit eingesetzte Messmethoden wie EEG (Elektroenzephalogramm), ECoG (Elektrokortikogramm) oder SEEG (Stereoelektroenzephalogramm) bilden Vorgänge im Gehirn linear ab. Das neue Verfahren, das auf Zellularen Neuronalen Netzwerken basiert, ermöglicht nichtlineare Zeitanalysen und damit eine adäquatere Darstellung von Gehirnaktivitäten. Anfälle können so früher erkannt werden.

Langfristiges Ziel des physikalischen Ansatzes ist die Entwicklung eines implantierbaren mikroelektronischen Systems, das permanent hirnelektrische Ströme registriert. Treten neuronale Zustandsänderungen auf, die einen Anfall ankündigen, werden automatisch Maßnahmen eingeleitet um die Ausbreitung des Anfalls zu verhindern. Die Umsetzung dieses physikalischen Ansatzes eröffnet neue Möglichkeiten in der Behandlung von Epilepsien.

Zurzeit leben in Deutschland ca. 800.000 Epilepsiepatienten. Jedes Jahr erkranken rund 40.000 Menschen neu; am häufigsten Kinder und ältere Menschen ab 60 Jahren.

Bei ca. 70 Prozent der Erkrankten können Anfälle durch medikamentöse Therapien kontrolliert werden. Den übrigen Patienten bleibt nur die Hoffnung auf einen chirurgischen Eingriff, wobei die anfallsauslösende Region des Kortex entfernt wird. Dieser Eingriff ist nur bei einem bestimmten Epilepsietyp möglich und mit hohen Risiken verbunden; er verhilft 70 Prozent der Operierten zu einem Leben ohne Anfälle. Rund die Hälfte der erfolgreich Operierten bleibt auch nach dem Eingriff auf Medikamente angewiesen.

Mit der Förderung der medizinischen Grundlagenforschung zur Entwicklung eines neuen Therapieansatzes kommt die HALLESCHE nicht zuletzt ihrer sozialen Verpflichtung als privater Krankenversicherer nach.

Kontakt: Prof. Dietrich Wolf; Tel: 069/798-223900; Fax: 798-28865; E-Mail: Dietrich.Wolf@iap.uni-frankfurt.de

Kerstin Sigle, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; HALLESCHE Krankenversicherung auf Gegenseitigkeit, Stuttgart; Tel. 07 11/66 03-29 27; E-Mail: presse@hallesche.de
Weitere Informationen: http://www.hallesche.de
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