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Entspannte Rückstandssituation beim Fleisch

21.11.2004 - (idw) Senat der Bundesforschungsanstalten im Geschäftsbereich des BMVEL

Umweltkontaminanten im Fleisch sind deutlich zurückgegangen Nachdem kürzlich in den Niederlanden wieder einmal dioxinhaltige Futtermittel aufgetaucht sind, stellen sich viele Verbraucher die Frage, wie belastet das Lebensmittel Fleisch eigentlich generell durch Umweltkontaminanten ist. Auch wenn in dem aktuellen Fall keine Gefährdung der Konsumenten gegeben war, so ist doch bekannt, dass Schadstoffe wie Dioxin, Schwermetalle oder organische Kontaminanten aus dem Futter in das Fleisch, die Milch und die Eier von Nutztieren gelangen, sich dort anreichern und auf diesem Wege auf unsere Teller kommen können. Die Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel (Standort Kulmbach) hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, in der sie die aktuelle Situation darstellt. Danach ist die Belastung des Lebensmittels Fleisch mit Umweltschadstoffen klar rückläufig.

Schwermetallgehalte stark zurückgegangen
Die Bleigehalte in Fleisch - wie auch in anderen Lebensmitteln - sind in den letzten 20 Jahren infolge gesetzlicher Regelungen wie dem Verbot von verbleitem Kraftstoff stark zurückgegangen. In Schweineleber sind zum Beispiel nur noch rund 0,04 mg/kg Frischmasse zu finden, im Muskelfleisch 0,01 mg/kg. Damit werden die gültigen EU-Höchstwerte für Blei weit unterschritten. Auch die Cadmium- und Quecksilberkonzentrationen im Fleisch haben deutlich abgenommen - Folge des rückläufigen Eintrags dieser Schwermetalle in die Umwelt. Das Quecksilber zum Beispiel stammte fast ausschließlich aus dem Einsatz von Saatbeizmitteln, die in der Bundesrepublik Deutschland in den 80er Jahren verboten wurden.

PCB und Dioxin
Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind eine äußerst vielfältige chemische Gruppe mit zahlreichen technischen Verwendungsmöglichkeiten. Sie wurden in den USA bis 1977, in Deutschland bis 1983 großtechnisch hergestellt. Die Gehalte der für das Lebensmittel Fleisch wichtigsten PCB-Indikatoren zeigten nach 1984 eine klar zu erkennende Abnahme und lagen vor 10 Jahren um mehr als eine Zehnerpotenz unter den zulässigen Höchstwerten. Hinsichtlich Dioxin ergab eine repräsentative Untersuchung der Bundesforschungsanstalten aus den Jahren 1996-98, dass ein Bundesbürger durch den Konsum von Lebensmitteln nur etwa die Hälfte des in Deutschland angestrebten Zielwertes von 1 pg TEQ/kg Körpergewicht und Tag aufnimmt; davon entfallen rund 13 % auf Fleisch und Fleischprodukte.

Tschernobyl wirkt nach
Als Folge des Reaktorunfalls in Tschernobyl 1986 sind noch heute in einigen deutschen Waldgebieten, vor allem in bestimmten Regionen Bayerns, erhöhte Mengen des Cäsium-Isotops 137 nachweisbar. Demzufolge kann Rehwild und vor allem Schwarzwild in den betroffenen Gebieten jahreszeitlich schwankend erhöhte Radiocäsiumkontamination aufweisen. Das Radiocäsium verbleibt im Waldökosystem und verringert sich praktisch nur mit der physikalischen Halbwertszeit von 30 Jahren. Damit aus den kritischen gebieten keine Tiere mit mehr als 600 Bq/kg Frischmasse in den Handel gelangen, müssen die Tiere dort noch viele Jahre lang kontrolliert werden.

Gesetzliche Regelungen greifen
Aus den Untersuchungen geht hervor, dass die Gehalte an Schwermetallrückständen und Chlorkohlenwasserstoffen in Fleisch und Fleischprodukten in den letzten 25 Jahren klar zurückgegangen sind. Das Lebensmittel Fleisch ist heute so gering mit Umweltkontaminanten belastet wie nie zuvor. Dieses erfreuliche Ergebnis ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Gesetzgeber auf die von der Wissenschaft erkannten Probleme reagiert hat und die erlassenen Gesetze und Verordnungen gegriffen haben. Da aber jederzeit neue unerwünschte Stoffe in die Umwelt und damit in die Nahrungskette gelangen können, müssen die Anstrengungen von Wissenschaft und Politik weitergehen, mögliche Risiken frühzeitig zu erkennen und zu minimieren.


Nähere Informationen finden Sie in dem Artikel "Umweltkontaminanten im Lebensmittel Fleisch: Wie viel und woher?" von Dr. K.-H. Schwind (Mitteilungsblatt BAFF Nr. 163, 2004, S. 39-50).

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