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Universitätsklinikum Halle nimmt Ganzkörper-PET-Scanner in Betrieb

22.11.2004 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Schnellstes Gerät in Sachsen-Anhalt verbessert Diagnose in der Onkologie, Kardiologie und Neurologie

Am Donnerstag, dem 25. November 2004, führt das Klinikum der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) in das diagnostische Spektrum der Universität ein. Die Anwendungsbereiche der Positronen-Emissions-Tomographie für Patienten liegen in der Onkologie, Kardiologie und Neurologie. Dabei werden Stoffwechselvorgänge mit Hilfe von Positronenstrahlen sichtbar gemacht. Die Universitätsklinik und Poliklinik für Nuklearmedizin nimmt einen Ganzkörper-Vollring-PET-Scanner in Betrieb, der für einen Untersuchungsgang nur knapp 30 Minuten benötigt. Das ist nicht nur einmalig für Sachsen-Anhalt, es kann sich auch im internationalen Wettbewerb sehen lassen, denn so schnelle Geräte gibt es nur sieben Mal in ganz Europa. Rund 1,6 Millionen Euro haben das Land Sachsen Anhalt und der Bund investiert, damit die Universitätsklinik und Poliklinik für Nuklearmedizin in der Voßstrasse nun das neue PET-Gerät in Betrieb nehmen kann. Jetzt können mit innovativen Untersuchungsverfahren Krebstumore bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt werden und so vielleicht Menschenleben gerettet werden. Die spezielle Art der Bildgebung bei der PET ist eine sichere und schmerzlose Methode, um die Therapie für Patienten genauer und effizienter zu planen.

Bei der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) kommen sogenannte Positronenstrahler zum Einsatz, das sind radioaktiv markierte Substanzen, deren Verteilung im menschlichen Körper mit dem PET-Gerät registriert und anatomischen Strukturen zugeordnet werden können. Der Patient erhält beispielsweise eine Glukose-Substanz, die mit Fluor18 markiert ist. Diese wird von den Krebszellen ähnlich wie normaler Traubenzucker (Glukose) verstoffwechselt, das heißt, die Substanz wird als Energielieferant eingesetzt. Da die "entarteten" Tumorzellen gegenüber gesunden Zellen einen gesteigerten Glukoseverbrauch haben, hebt sich der Krebs ebenso wie seine Tochtergeschwülste (Metastasen) im PET-Bild vom gesunden Gewebe ab und kann so erkannt und teilweise quantifiziert werden.

"Da mit Diagnoseverfahren wie Röntgen, Ultraschall, Computer- und Kernspintomographie raumfordernde Prozesse erst nach einer nachweisbaren Strukturveränderung des Gewebes als krankhaft erkannt werden können, besteht ein Bedarf an Methoden, die bereits bei geringer Tumorgröße bezüglich Gut- oder Bösartigkeit eine Aussagekraft besitzen", erläutert Professor Dr. Traute Mende, Direktorin der Klinik für Nuklearmedizin. "Weil die PET nicht nur die Größe einer Gewebsveränderung misst, sondern deren Stoffwechselaktivität, bietet sich hier eine Ergänzung und unter Umständen auch eine Alternative zur Frühdiagnose und zum Ausbreitungsverhalten mancher Krebsarten an", so die Medizinerin.
Viele neue Erkenntnisse brachte die PET bereits in der Hirnforschung. Erkrankungen wie der "Morbus Alzheimer", die "Parkinsonsche Krankheit", die "Chorea Huntington", die Epilepsie oder auch Hirntumore können mit der PET in ihrem von der Norm abweichenden Stoffwechselverhalten untersucht werden.

Nicht nur bei der Tumorerkennung, die durch die Erfassung von Metastasen erheblich genauer wird, setzt man die PET-Technik ein. Auch in der Kardiologie kann man durch die sogenannte Myokardszintigraphie (Myokard = Herzmuskel, Szintigraphie = bildgebendes Verfahren) die Durchblutungs- und Stoffwechselverhältnisse des Herzmuskelgewebes diagnostizieren. "Mit diesen Untersuchungen unterstützen wir den Kardiologen bei seinen Überlegungen, welche Therapien sinnvoll sind und welche eine unnötige Belastung für den Patienten wären", erläutert die Professorin. "Wir können Durchblutungsstörungen des Herzmuskels und Narben im Herzmuskelgewebe, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt bildlich darstellen und in ihrem Ausmaß bewerten. Eine Operation ist beispielsweise nur dann sinnvoll, wenn das Gewebe nicht tot ist. Und genau das können wir nun sehen. Das Leistungsspektrum unserer nuklearmedizinischen Diagnostik ist durch das neue Gerät wirklich sehr erweitert worden".
Im neuen PET-Scanner werden branchenführende, auf Lutetiumoxyorthosilikat (LSO) beruhende PET-Detektoren eingesetzt. LSO-Detektorkristalle zeichnen sich durch eine hohe Lichtausbeute und eine sehr schnelle Lichtabklingzeit aus. Die Folge: die Bildqualität verbessert sich erheblich und das System wird schneller.

Die Universitätsklinik und Poliklinik für Nuklearmedizin bietet als wichtiger Bestandteil des Zentrums für Radiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg in der Voßstrasse eine Vielzahl von Diagnoseverfahren, wie die Schilddrüsendiagnostik, die Skelettdiagnostik, die Untersuchungen von Knochenmark, Nieren, Lungen, Milz und Leber, Lymphknoten, um nur einige zu nennen. Daneben werden auch einige Krankheiten direkt mit nuklearmedizinischen Verfahren ambulant oder stationär behandelt. Beispielsweise wird seit der Eröffnung der nuklearmedizinischen Therapiestation im Februar 1999 die Radiojodbehandlung bei Patienten mit Schilddrüsenfunktionsstörungen durchgeführt. Schwerpunkt der Therapie ist die Schilddrüsenkarzinomtherapie nach einer Operation und die Schilddrüsenmetastasentherapie.

"Im Gegensatz zu den Fachrichtungen der diagnostischen Radiologie und Strahlentherapie, bei denen Strahlung für diagnostische oder therapeutische Zwecke von außen auf den Patienten trifft, werden in der Nuklearmedizin dem Patienten offene radioaktive Stoffe verabreicht", erläutert die Kliniksdirektorin. Diese offenen radioaktiven Stoffe, auch "Radiopharmaka" genannt, werden wie andere Pharmaka in bestimmte Organe oder Gewebsanteile des menschlichen Körpers transportiert. Nutzt man diese Anreicherung in bestimmten (dem Arzt bekannten Organen) für diagnostische Zwecke, so gelingt mit Hilfe von Kameras die Darstellung der Organe oder Gewebeanteile. Auf diese Weise kann man gesundes und krankhaftes Stoffwechselverhalten erkennen und bildlich darstellen. Nutzt man diese Radiopharmaka für therapeutische Zwecke, so wird das betreffende Gewebe, z.B. Tumorgewebe, in seiner Funktion durch die Strahlenwirkung spezifisch gehemmt oder sogar zerstört, so dass für die Patienten die gewünschte Heilung möglich wird.

Die Universitätsklinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg verfügt über eine langjährige Erfahrung in ihrem Fach und begeht in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Es ist für alle Mitarbeiter eine besondere Freude, dass nach dem Ausbau einer sehr komplexen Diagnostik und nach dem Aufbau einer effizienten Therapiestation nun mit Hilfe des Ganzkörper-Vollring-PET-Scanners der Schritt zur Darstellung molekularer Stoffwechselprozesse, die allen Krankheiten zu Grunde liegen, gelungen ist.


Ansprechpartner:
KLINIKUM DER MEDIZINISCHEN FAKULTÄT
MARTIN-LUTHER-UNIVERSITÄT HALLE-WITTENBERG
06097 Halle (Saale)
Verwaltungsdirektion, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0345 55-75748
Fax: 0345 55-75749
E-Mail: theresia.wermelskirchen@medizin.uni-halle.de

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