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Italienischer Forscher baut Nachwuchsgruppe am Institut für Bioinformatik auf

22.11.2004 - (idw) Universität Bielefeld

700 000 Euro von der Humboldtstiftung für Ferdinando Cicalese -
Preisverleihung am 25. November in Berlin

Die für internationale Wissenschaftskontakte zuständige Alexander von Humboldt-Stiftung hat im Jahr 2004 in der Forschung bereits erfolgreiche Spitzennachwuchswissenschaftler aus dem Ausland mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gestifteten Sofja Kovalevskaja-Preis ausgezeichnet.

Mit dem nach einer bedeutenden russischen Mathematikerin benannten Preis sollen sich die Preisträger auf ihre hochrangigen und innovativen Forschungen eigener Wahl in Deutschland konzentrieren können und damit die Internationalisierung der Forschung in Deutschland stärken. Er dient dem Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe an einer deutschen universitären oder außeruniversitären Forschungsinstitution.

Zu den Preisträgern, die am 25. November in Berlin geehrt werden, zählt auch der Informatiker Dr. Fernando Cicalese, der sich entschlossen hat, mit seinem Preisgeld in Höhe von 700 000 Euro als Gastwissenschaftler ab dem 1. Dezember für drei Jahre eine Arbeitsgruppe an der Technischen Fakultät der Universität Bielefeld in der Arbeitsgruppe Genominformatik von Professor Jens Stoye und am Centrum für Biotechnologie aufzubauen. Cicalese studierte an der Universität von Salerno (Italien) Informatik, wo er 1995 mit einer Arbeit über Algebraische Semantiken für die Fuzzy-Logik sein Diplom machte. Unterstützt durch das italienische Consiglio Nazionale delle Ricerche verbrachte er anschließend acht Monate an der Middlesex University in London. 1997 wurde er in ein Doktorandenprogramm für Informatiker an der Universität von Salerno aufgenommen. Er beendete die Promotion im Jahre 2001, und für seine Arbeit mit dem Titel "Reliable Computation with Unreliable Information" erhielt er den Preis für die beste Doktorarbeit Italiens des Jahres im Bereich der Theoretischen Informatik.

Cicalese ist einer der führenden Experten im Bereich der kombinatorischen Suchalgorithmen. Eines seiner wichtigsten Forschungsgebiete ist die Untersuchung der Auswirkungen, die Fehler auf die Repräsentation und Verbreitung von Information haben. Dies ist ein wichtiges Problem in vielen praktischen Anwendungen, denn selbst präzise theoretische Ergebnisse müssen in der realen Welt repräsentiert werden und sind somit automatisch vielen verschiedenen Arten von Fehlern ausgesetzt. Eines der wichtigsten Forschungsergebnisse ist die Charakterisierung von optimalen Suchstrategien, wenn der Informationsfluss unzuverlässig, das heißt fehlerbehaftet ist. Diese Ergebnisse finden Anwendung in einer weiten Reihe von Forschungsgebieten, sowohl im theoretischen als auch im praktischen Bereich, von nicht-klassischer Logik über die Theorie der Informationsübertragung bis hin zur automatischen Lerntheorie.

In seiner aktuellen Forschung untersucht Cicalese die Anwendbarkeit von Techniken und Ergebnissen der Informationstheorie und der kombinatorischen Suchtheorie auf bioinformatische Fragestellungen. Verschiedene Verbindungen zwischen diesen beiden Disziplinen sind erkennbar, aber eine explizite Erforschung des Zusammenhangs in der notwendigen Tiefe ist bislang ausgeblieben. Ein großer Teil des Preises und der Zeit, die Cicalese in Bielefeld verbringen wird, soll der Untersuchung dieser Verbindung gewidmet werden. Dabei geht es unter anderem um die Anwendung von mächtigen Paradigmen der Suchtheorie auf fundamentale Probleme der Bioinformatik wie das Auffinden von Genen in neu sequenzierten Genomen oder die Identifikation von Proteinen. Die auf diese Weise ermittelten Informationen werden zur Interpretation von experimentellen Ergebnissen verwendet, die natürlich mit Messfehlern behaftet sind, was bei der Auswertung berücksichtigt werden muss. Weiter plant er, Ergebnisse der Theorie von fehlerkorrigierenden Codes und Datenkompression in Kombination mit seiner Expertise im Design von fehlertoleranten Algorithmen einzusetzen. Hier bieten sich mehrere klassische und als schwierig bekannte Bioinformatikprobleme an, wie beispielsweise die Notwendigkeit eines extrem schnellen Zugriffs auf Daten in ständig aktualisierten Sequenzdatenbanken.


Kontakt: Prof. Dr. Jens Stoye, Technische Fakultät der Universität Bielefeld, Telefon: 0521/106 3852.

Das Foto ist abrufbar unter: www.uni-bielefeld.de | Aktuelles | Aktuelle Pressemitteilungen | Pressemitteilung Nr. 202/2004

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