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Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Therapie unheilbarer Tumore

22.11.2004 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum Heidelberg beauftragt Siemens mit der Installation der Bestrahlungstechnik für das Heidelberg Ionenstrahl-Therapie Centrum (HIT) Für die Errichtung des Heidelberg Ionenstrahl-Therapie Centrums (HIT) ist am Montag, dem 22. November 2004, ein weiterer Meilenstein gelegt worden: Das Universitätsklinikum Heidelberg hat die Firma Siemens Medical Solutions mit der Installation wesentlicher Komponenten für die erste kombinierte Ionenstrahltherapieanlage zur Tumorbehandlung mit Kohlenstoffionen und Protonen in Europa beauftragt.

"Damit ist eine wichtige technische Voraussetzung erfüllt worden, um ab 2007 Patienten mit bislang unheilbaren Tumoren zu behandeln", erklärte die Kaufmännische Direktorin des Klinikums, Irmtraut Gürkan, bei der Vertragsunterzeichnung in Heidelberg.

Im November 2003 hat das Klinikum mit der Errichtung einer Therapieanlage zur Krebsbehandlung mit Schwerionenstrahlung begonnen. Das Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft der Radiologischen Universitätsklinik hat eine Nutzfläche von ca. 5.000 m2 und umfasst neben dem Beschleuniger drei Behandlungsplätze zur Patientenbehandlung mit Kohlenstoffionen und Protonen sowie Räumlichkeiten für ca. 80 Mitarbeiter, die in Krankenversorgung, Logistik und Forschung tätig sind. Durch den Einsatz verschiedener Ionen kann ein breiteres Spektrum von Tumoren behandelt werden, als dies mit einer reinen Protonenanlage der Fall ist.

Ab 2007 sollen 1.000 Patienten pro Jahr behandelt werden

Die Kosten des in Europa einmaligen Projektes sind auf ca. 78 Millionen Euro veranschlagt und werden zu gleichen Teilen vom Bund und vom Heidelberger Klinikum getragen. Pro Jahr sollen mindestens 1.000 Patienten mit inoperablen Schädelbasis- und Hirntumoren, Weichteilsarkomen und Prostatakarzinomen überwiegend ambulant behandelt werden. Die einmaligen Kosten für eine Behandlung liegen bei etwa 20.000 Euro und damit unter den Kosten der gegenwärtig praktizierten Standardkrebstherapie.

Uli Weber, Projektleiter für die Errichtung des Heidelberger Ionenstrahl-Therapie Centrums, erläuterte den Auftrag: "Die Firma Siemens Medical Solutions wird die vollständige medizintechnische Ausrüstung der Bestrahlungsräume sowie eine Weiterentwicklung der hochmodernen Bestrahlungstechnik, die von der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt entwickelt wurde, liefern." Dazu gehören auch innovative Lösungen zur Patientenlagerung, Bildgebung und Steuerung des Ionenstrahls. Ein wichtiger Bestandteil ist ein Informations- und Planungssystem, dass sich gut an die vorhandenen Datenverarbeitungs-Systeme im Klinikum angliedern lässt und einen optimierten Ablauf der Ionenstrahltherapie ermöglicht.

Damit ist das letzte ausstehende Teilsystem der Gesamt-Anlage beauftragt. Die anderen Gewerke und Teilsysteme der Anlage wurden bereits im letzten Jahr an deutsche und europäische Firmen vergeben. Die Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt koordiniert die technische Planung und die Integration der Gesamtanlage und liefert ebenfalls einige Komponenten.

Ionenstrahlen schädigen den Tumor irreparabel und schonen die Umgebung

Die Ionenbestrahlung ist ein äußerst präzises und biologisch hochwirksames Therapieverfahren. Die Ionen werden über eine Beschleunigeranlage auf sehr hohe Geschwindigkeit gebracht und in den Tumor geschossen, den sie irreparabel schädigen. Durch millimetergenaue Steuerung wird der Tumor punktgenau getroffen und das umgebende gesunde Gewebe geschont.

Wissenschaftliche, technische und klinische Vorarbeiten für das Heidelberger Centrum HIT wurden im Rahmen eines Gemeinschaftsprojektes der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg, der GSI und des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (DKFZ) in Kooperation mit dem Forschungszentrum Rossendorf (FZR) geleistet. Als Pilotprojekt wurde am Schwerionen-Synchrotron der GSI gemeinsam eine medizinische Bestrahlungseinheit aufgebaut, in der seit 1992 jährlich etwa 30 Patienten der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg mit sehr gutem Erfolg, etwa 70 Prozent Heilung, behandelt wurden.

Ein Eckpfeiler des Nationalen Centrums für Tumorerkankungen (NCT) Heidelberg

"Wir haben etwa 260 Patienten in der Darmstädter Anlage behandelt", berichtete Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Abteilung Radioonkologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg. Sie litten überwiegend an lokal begrenzten Tumoren, die anderen Behandlungsverfahren nicht zugänglich waren. Bei keinem Patient sei der Tumor im bestrahlten Areal wieder aufgetreten. Den Einsatz der Ionenstrahltherapie möchte Professor Debus auf andere Tumore ausdehnen, z. B. Prostatakrebs, aber auch Tumorerkrankungen bei Kindern, deren herkömmliche Behandlung von langfristig schweren Nebenwirkungen begleitet wird.

In der neuen Anlage sieht Professor Debus einen Eckpfeiler des 2004 gegründeten Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg, in dem Patienten gemeinsam von mehreren Spezialisten betreut werden: "Die Ionenstrahltherapie erweitert unser Leistungsspektrum um eine Methode, die an keinem anderen europäischen Zentrum angeboten wird."


Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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