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Studiengang als PPP - Verträge für einmalige Kooperation perfekt

23.11.2004 - (idw) Fachhochschule Biberach

Ab dem Wintersemester 2006/2007 geht die Hochschule Biberach neue Wege: Mit dem Start des neuen Studienganges Pharmazeutische Biotechnologie aber wird nicht nur die Hochschule um eine Facette erweitert, sondern auch die deutsche Hochschullandschaft. Denn der Studiengang PBT basiert auf einer bundesweit einmaligen Zusammenarbeit von Bund, Land, Kommune und Unternehmen der Region, die in einer Privat-Public-Partnership gemeinsam die Finanzierung übernehmen. Den Etat in einer Gesamthöhe von 27 Millionen Euro tragen die Bundesrepublik Deutschland, das Land Baden-Württemberg, der Landkreis, die Stadt Biberach, die Kreissparkasse Biberach sowie die Unternehmen Boehringer Ingelheim (Ingelheim/Biberach) und Rentschler (Laupheim). Die vertraglichen Rahmenbedingungen werden derzeit geschaffen; die vertraglichen Regelungen direkt bezogen auf die Hochschule Biberach sind bereits perfekt: Die Kooperationsverträge zwischen Hochschule und den Pharmaherstellern Boehringer Ingelheim und Rentschler sowie der Kreissparkasse Biberach wurden am Montag, 22. November 2004, unterschrieben. Diesen Abschluss bezeichnete Rektor Prof. Dr. Thomas Vogel "als einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Neugründung des Studienganges", den die Hochschulleitung für eine Zwischenbilanz nutzt. Auch Dr. Wolfram Carius, Geschäftsführer Biopharmazeutika der Boehringer Pharma GmbH & Co. KG, sieht in diesem Projekt einen wichtigen Schritt, den Wachstumsmarkt der Biotechnologie in Baden-Württemberg weiter zu stimulieren, aber auch qualifizierte Nachwuchskräfte zu gewinnen. Alle Beteiligten, die in dieser Konstellation bundesweit einmaligen öffentlichen und privaten Partnerschaft verbunden seien, hätten diese Chance erkannt. Dass dieses einzigartige Modell Vorbildfunktion für andere Bereiche habe, wünscht sich Dr. Nikolaus F. Rentschler, Geschäftsführer der Rentschler Biotechnologie GmbH Laupheim. Denn dieses Subsidiaritätsprinzip auf regionaler Ebene sei - bei mehr Verantwortung des Einzelnen - zum Wohle der Wirtschaft, zum Wohle der Region und somit zum Wohle des einzelnen Bürger.

Projektmitarbeiterin Dr. Susanne Pauly koordiniert die Planungen
Für die öffentlich-private Partnerschaft steht eine Koordinierungsstelle, die seit 1. April 2004 mit Dr. Susanne Pauly besetzt ist. Die promovierte Zellbiologin ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Aufbau und die Einrichtung des neuen Studiengangs an der Hochschule Biberach angestellt. Die Finanzierung ihrer Stelle wird zu jeweils einem Drittel vom Land Baden-Württemberg, Boehringer Ingelheim Pharma GmbH und Co. KG und der Hochschule Biberach finanziert.

Curriculum folgt konsequent dem Bologna-Prozess
Der Studiengang wird als erster bundesweit auf die industrielle Entwicklung und Produktion von Biopharmazeutika zugeschnitten sein. Fachkräfte, die in diesem Bereich tätig sind, müssen neben einem soliden naturwissenschaftlichen Verständnis auch Kenntnisse in der Verfahrens- und Prozesstechnik besitzen und nicht zuletzt wirtschaftliche Zusammenhänge ebenso begreifen wie juristische Rahmenwerke der Arzneimittelkontrolle und Zulassung.
Mit zunächst 35 Studienplätzen wird der neue Studiengang zum Wintersemester 2006/2007 starten; die Studierenden - 200 werden es im Endausbau sein - schließen den 7-semestrigen Studiengang mit einem Bachelor of Science ab. Damit folgt die Hochschule Biberach mit dem geplanten Curriculum - wie auch in den anderen fünf Studiengängen - konsequent dem Bologna-Prozess, über den bis 2010 europaweit ein einheitlicher Hochschulraum gebildet werden soll. Über die international vergleichbaren Studienabschlüsse Bachelor und Master erhalten die Studierenden beispielsweise mehr Flexibilität im Austausch mit anderen Hochschulen, auch international. Das vorläufige Curriculum wurde in den vergangenen Monaten von Experten aus Hochschule und Industrie erarbeitet und konkretisiert. Neben der inhaltlichen Schärfung des Profils ist auch die Modularisierung und Zuordnung von Leistungspunkten praktisch abgeschlossen.

Äußerst viel versprechende Gespräche wurden darüber hinaus über Kontakte der Industrie zu einem möglichen Master-Studiengang im Bereich der medizinisch-pharmazeutischen Biotechnologie geführt. Die Idee: verschiedene Hochschulen bieten den Master im Verbund an. Dabei würde jede Hochschule zunächst nur ein (in sich abgeschlossenes) Lehrkonzept für ein Semester entwickeln; im Rotationssystem würden die Studierenden die Studieninhalte an mehreren Hochschulen erhalten. Nach ersten Gesprächen haben vor allem die Fachhochschule Krems (Österreich), die Hochschule Wädenswil (Schweiz) und die Universität Ulm Interesse an einem solchen Modell signalisiert. Das Ministerium für Wissenschaft und Kunst (MWK) hat in einer ersten Prüfung dieses Modell positiv bewertet. Im Dezember werden weitere Gespräche mit den potentiellen Partnern stattfinden.

Berufung des Gründungsdekans fast abgeschlossen
Bereits im August 2004 erfolgte die internationale Ausschreibung der ersten Professorenstelle im Studiengang PBT. Der Stelleninhaber wird als Gründungsdekan fungieren, möglichst bereits ab März 2005. Auf die Ausschreibung mit dem Titel "Biotechnologische Produktionsverfahren" gingen insgesamt 36 Bewerbungen ein; sieben Bewerber(innen) stellten sich im Oktober in hochschulöffentlichen Probevorträgen vor, denen neben der Berufungskommission drei externe Berater beiwohnten: Prof. Matthias Hafner, Leiter des Studiengangs Biotechnologie an der FH Mannheim, Prof. Dr. Albrecht Wendel, Chair für biochemische Pharmakologie an der Universität Konstanz und Dr. Nikolaus F. Rentschler, Geschäftsführer der Rentschler Biotechnologie GmbH. Einstimmig einigte man sich auf einen Berufungsvorschlag ("Dreierliste"), der gegenwärtig vom MWK geprüft wird.

Gründung des wissenschaftlichen Beirats
Auf Empfehlung des Wissenschaftsrats haben das MWK und die Hochschule einen wissenschaftlichen Beirat gegründet, der die Einrichtung des Studiengangs durch wissenschaftliche Beratung begleiten wird. Die Mitglieder des Beirats, sechs Wissenschaftler verschiedener Hochschulen und sechs Experten aus der Industrie, erhielten bereits im April von Herrn Minister Prof. Dr. Peter Frankenberg die Ernennungsurkunde. Am 11. Oktober 2004 fand die konstituierende Sitzung im Wissenschaftsministerium in Stuttgart statt, die von
Minister Frankenberg persönlich eröffnet wurde. Der bisherige Projektverlauf erhielt aus dieser hochkarätig besetzten Runde viel Anerkennung.

Die Mitglieder sind:
Dr. Wolfram Carius, Boehringer Ingelheim Biberach
Prof. Dr. Regine Eibel, Hochschule Wädenswil
Prof. Dr. Mathias Hafner, Fachhochschule Mannheim
Prof. Dr. Georg Kresse, Roche Diagnostics
Prof. Dr. Jürgen Lehmann, Universität Bielefeld
Dr. Regine Peschka-Süss, Universität Freiburg
Dr. Nikolaus F. Rentschler, Rentschler Biotechnologie Laupheim
Prof. Dr. Klaus Schäfer, Altana Pharma Konstanz
Prof. Dr. Walter Schütt, Fachhochschule Krems
Dr. Dieter Wagner, Abbot Ludwigshafen
Prof. Dr. Olaf G. Wilhelm, Wilex AG
Prof. Dr. Gerhard Winter, Ludwig Maximilian Universität München
Prof. Dr. Thomas Vogel, Rektor Hochschule Biberach
RD Steffen Walter, MWK Stuttgart (ständiger Gast)

Neubau im Gewerbegebiet Aspach Süd genehmigt
Bereits im August hat die Stadt Biberach die Baugenehmigung für den Neubau im Gewerbegebiet Aspach Süd erteilt, nachdem das Finanzministerium Baden-Württemberg seinerseits die HU-Bau genehmigt
hatte. Außerdem hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Bauvorhaben in den 34. Rahmenplan des HBFG (Hochschulbauförderungsgesetz) aufgenommen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Mittel wie geplant fließen. Noch wurde dieser Rahmenplan nicht verabschiedet, dem baden-württembergischen MWK liegt jedoch eine entsprechende Unbedenklichkeitserklärung vor, so dass dem geplanten Baubeginn im Mai kommenden Jahres nichts im Wege steht.

Weitere Informationen: http://www.fh-biberach.de/studium/PharmBioTechnologie - detailierte Inhalte des Studienganges Pharmazeutische Biotechnologie
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