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Weiterbildungsteilnehmer/innen deutscher und ausländischer Herkunft: Welche Qualifikationen brauchen ihre Trainer/innen?

25.11.2004 - (idw) Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Trainerinnen und Trainer, die in der beruflichen Weiterbildung Teilnehmer/innen deutscher und anderer Herkunft gemeinsam unterrichten, sind auf spezielle Anforderungen gemischter Lerngruppen oft nicht vorbereitet. Ob und in welcher Art und Weise sie auf spezifische Schwierigkeiten ihrer Klientel eingehen, hängt daher ab von ihrer persönlichen Fähigkeit und individuellen Bereitschaft, auftretenden Problemen auf den Grund gehen zu können und in der Lage zu sein, sich trotz Zeitmangel bei zugleich umfangreichen Kursinhalten angemessen dazu zu verhalten. Weil für die Qualität und den Erfolg beruflicher Weiterbildungsmaßnahmen jedoch die Qualifikation des Lehrpersonals eine zentrale Voraussetzung ist, untersucht das Bundesinstitut für Berufbildung (BIBB) in dem Forschungsprojekt "Anforderungen an Trainerinnen/Trainer in der beruflichen Weiterbildung von Lerngruppen mit Teilnehmenden deutscher und ausländischer Herkunft" daher mögliche Besonderheiten des gemeinsamen Lernens von Einheimischen und Zuwanderern in öffentlich geförderten Lehrgängen der beruflichen Weiterbildung. Ermittelt werden soll, ob und wenn ja welche speziellen Anforderungen an Trainer/innen gestellt werden, wenn ihre Lerngruppen national gemischt sind und welche Fähigkeiten sie benötigen, um damit angemessen umgehen zu können.

Ausländische Arbeitnehmer/innen sind in besonderem Maße auf berufliche Weiterbildung angewiesen, wenn sie ihre Arbeitsmarktchancen verbessern wollen: Die Arbeitslosenquote liegt bei diesem Personenkreis konstant bei rund 20%. Vergleichsweise gering ist dennoch der Prozentsatz derjenigen, die sich beruflich weiter qualifizieren: Im Jahr 2000 beteiligten sich lediglich rund 12% an Weiterbildungsmaßnahmen (Deutsche: 30%). Auf eben diese ausländischen Weiterbildungsteilnehmer/innen wirkt sich die deutliche Verkürzung der Kurs-zeiten - bei gleichbleibendem Lernstoff - als Folge der Hartz-Reformen besonders stark aus: Da Deutsch nicht ihre Muttersprache ist, müssen sie den Lernstoff nun in gesteigertem Unterrichtstempo in der Zweitsprache aufnehmen und verarbeiten, ohne didaktische Unterstützung dazu an die Hand zu bekommen.

Erste Ergebnisse der Untersuchung im BIBB-Forschungsprojekt zeigen:

Ø Kursteilnehmer/innen gehen nicht offensiv mit diesen Schwierigkeiten um. Statt beim Lehrpersonal unmittelbare Hilfe einzufordern, neigen sie eher dazu, den Kurs nicht durch Nachfragen aufzuhalten, lernen statt dessen vermehrt alleine zu Hause oder schließen sich an Kursteilnehmer/innen der selben Herkunft an, die für sie Dolmetscherdienste überneh-men.

Ø Trainer/innen in der beruflichen Weiterbildung, die auf den verschiedensten Wegen zu dieser Tätigkeit gelangen (z.B. als ehemalige Grundschul- oder Gymnasiallehrer oder als Selfmade-IT-Spezialisten ohne pädagogische Vorbildung), sind in dieser Situation auf ihre individuellen Vorkenntnisse angewiesen: Es bleibt einzig ihrer persönlichen Intuition und ihrem Geschick überlassen, Rückzugstendenzen bei Teilnehmern/innen zu identifizieren, "Einzelkämpfer" in den Unterricht zu integrieren und die Entstehung arbeitsfähiger Lerngruppen zu fördern.

Mit den im Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnisse sollen Grundlagen gelegt werden zur Erarbeitung einer Zusatzqualifikation für das Lehrpersonal in der beruflichen Weiterbildung gemischter Lerngruppen.


Auskunft zum Forschungsprojekt "Anforderungen an Trainerinnen/Trainer in der beruflichen Weiterbildung von Lerngruppen mit Teilnehmenden deutscher und ausländischer Herkunft" erteilt im BIBB Monika Bethscheider, Tel.: 0228/1071229, E-Mail: Bethscheider@bibb.de

Weitere Hinweise zum Thema im Internet auf der Wissenslandkarte des BIBB unter nachfolgend aufgeführtem Link.
Weitere Informationen: http://www.bibb.de/de/wlk8579.htm
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