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Humanist zwischen Utopien und Wirklichkeit

25.11.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Collegium Europaeum Jenense an der Friedrich-Schiller-Universität Jena widmet Friedrich Schorlemmer Band 31 seiner "Dialog-Schriften" Jena (25.11.04) Die Festtagsreden der Politiker zur Würdigung der "gewaltlosen Revolution", zu der sich vor 15 Jahren die Menschen in Leipzig, Berlin, Dresden und Wittenberg erhoben, sind gerade verklungen. Doch auch sie haben viele Hoffnungen der damaligen Akteure nicht erfüllt. "Die Mauer ist weg; der Traum bleibt", so gibt Friedrich Schorlemmer, Pfarrer mit politischem Engagement und überzeugter Pazifist aus Wittenberg, diesem Gefühl Ausdruck.

Streitbare Gedanken Schorlemmers über alte und neue Gräben zwischen den Menschen in Ost- und Westdeutschland, aber auch über die Schwierigkeit des toleranten Miteinanders auf der Welt insgesamt gibt das Collegium Europaeum Jenense an der Friedrich-Schiller-Universität (CEJ) in Jena den Lesern mit einer aktuellen Publikation aus der Dialog-Reihe in die Hand. Unter dem Titel "Einander achten - aufeinander achten" hat der inzwischen verstorbene Herausgeber Ulrich Zwiener Vorträge, Reden, Reflexionen und Aufsätze Schorlemmers über die drängenden Probleme unserer Zeit, über Intoleranz, Feindbilder, Grenzziehungen und Gewalt zusammengefasst.

Ob es Gedanken zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels sind, ein Abriss über den christlichen Pazifismus in der DDR oder der drängende Aufruf, sich die Utopie von einer friedlichen und gerechten Welt zu erhalten, immer zeigt Schorlemmer auf, welche Konsequenzen das Handeln Einzelner für die Gesellschaft hat und umgekehrt. Seine Reflexionen über den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium münden ebenso wie seine Überlegungen zu Staats-, Kultur-, Religions-, Denk- oder Schmerzgrenzen in ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Toleranz, Offenheit und Respekt dem Anderen und Fremden gegenüber.

Die ausgewählten Texte sind einerseits eindrucksvolle "Selbstzeugnisse" des Humanisten Schorlemmer. Sie zeichnen jedoch auch kaleidoskopisch ein Bild der Einstellungen und Überzeugungen, die das Collegium Europaeum Jenense als Beförderer des europäischen Dialogs und der Begegnung vor allem mit den östlichen Nachbarn vertritt. Schorlemmer ist wie Heiner Geißler, Martin Walser, Carl Friedrich von Weizsäcker, Tadeus Mazowiecki, Bogdan Bogdanovic und andere namhafte Persönlichkeiten korrespondierendes Mitglied der 1991 in Jena gegründeten außergewöhnlichen Vereinigung.

Für den Herausgeber ist Schorlemmer ein "streitbarer Mann des Wortes, aber auch der Tat", dessen "dauernde Auseinandersetzung mit einer nach Veränderung geradezu schreienden gesellschaftlichen Wirklichkeit" Respekt und Anerkennung verdient. Zwiener formulierte diese in einem kurzen biografischen Abriss "Friedrich Schorlemmer - Ein Lebensweg in Selbstzeugnissen" am Ende des 110 Seiten starken Buches. Band 31 der Dialog-Schriftenreihe des CEJ ist das letzte Buch Ulrich Zwieners. Der Gründer und Spiritus Rector der Gelehrten-Vereinigung, die seit 13 Jahren unermüdlich Brücken baut zwischen Jena und den Menschen, Völkern und Ländern Europas und der ganzen Welt, verstarb in diesem Jahr.

Über seine Nachfolge als Leitender Kurator des CEJ wird während der morgigen (26.11.) Jahresversammlung entschieden, bei der um 18.00 Uhr Prof. Dr. Peter Gülke den öffentlichen Festvortrag in der Aula der Universität (Fürstengraben 1) "Über den Gleichklang von Musik und Architektur" hält.


Bibliografische Angaben:
Ulrich Zwiener (Hrsg.): "Friedrich Schorlemmer. Einander achten - aufeinander achten. Zur Toleranz und Zukunft der Utopie". Schriftenreihe des Collegium Europaeum Jenense, Band Nr. 31. Glaux Verlag Christine Jäger KG. Jena 2004. 110 Seiten. Preis: 8,60 Euro. ISBN 3-931743-71-3.

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