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Aids - Heilung nicht möglich, Vorbeugung schon

30.11.2004 - (idw) Klinikum rechts der Isar und Fakultät für Medizin der Technischen Universität München

Am 1. Dezember ist Welt-AIDS-Tag. Für die HIV-Infizierten und die behandelnden Ärzte in der Infektions-Ambulanz im Münchner Klinikum rechts der Isar ist jeder Tag "Aids-Tag". Schock mit Gesprächen auffangen

Das Virus holt all jene besonders schnell ein, die den Gedanken daran verdrängen. So müssen Patienten, die wegen einer Lungenentzündung oder einer anderen Erkrankung ins Krankenhaus kommen, manchmal überraschend erfahren, dass Sie HIV-positiv sind. Zuvor hatten sie aus Angst oder Sorglosigkeit einen Aidstest vermieden.
An der Münchner Aids-Ambulanz im Klinikum rechts der Isar versuchen die Ärzte die Schock-Diagnose abzufedern. "Wir nehmen uns viel Zeit und führen ausführliche Gespräche mit den Patienten", berichtet Dr. Gabriele Birkenfeld, Leiterin der Infektions-Ambulanz. Es kann Monate dauern, bis die Patienten die Diagnose verkraftet haben.

Therapie schenkt zehn Lebensjahre

Außer den Patienten, die über das Klinikum zu ihr kommen, betreut Dr. Birkenfeld auch weitere HIV-Infizierte aus dem Großraum München. Insgesamt kümmert sich das Ambulanz-Team um 120 Betroffene, um manche schon über 12 Jahre lang.
Inzwischen stehen eine Reihe von Therapien zur Verfügung, mit denen sich das Virus in Schach halten lässt.
"Heilung ist damit jedoch nicht möglich", warnt Dr. Birkenfeld vor Missverständnissen, "aber eine Lebenszeitverlängerung von circa 10 bis 15 Jahren". Wer beispielsweise im Alter von 20 Jahren die HIV-Diagnose erfährt, kann damit rechnen, mit circa 30 die ersten Symptome zu entwickeln und dann - mithilfe des Medikamenten-Cocktails - noch mindestens 10 bis 15 Jahre zu überleben. Kein Grund zur Sorglosigkeit. Doch die, so befürchtet Dr. Gabriele Birkenfeld, verbreitet sich immer mehr.

Immer mehr Frauen betroffen

Nach wie vor infizieren sich in Deutschland jährlich 2000 Menschen mit HIV. "Diese hohe Zahl an Neuinfektionen ist für mich auch ein Zeichen mangelnder Eigenverantwortung. Die Menschen denken zuweilen, es wird schon nichts passieren und kümmern sich nicht um sichere HIV-Verhütung." Zwar ist die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Jahren nicht weiter gestiegen, doch infizieren sich immer mehr Frauen mit HIV - sie stellen in Deutschland bereits 15% aller Betroffenen. Erstaunlich selten HIV-positiv sind hierzulande Prostituierte. "Sie sind einfach sehr vorsichtig, das zahlt sich aus", erklärt Dr. Gabriele Birkenfeld. Daher rät sie jedem, der eine neue Beziehung eingeht - so unromantisch das ist - , einen HIV-Test zu machen.

Cocktail mit Nebenwirkungen

In einer Großstadt wie München sind überproportional viele Menschen infiziert, einer aus 1000 ist betroffen. Die Behandlung erfordert von den Patienten große Disziplin. So müssen bis zu zehn Tabletten täglich eingenommen werden. Eine Mixtur, die teilweise schwere Nebenwirkungen mit sich bringt wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Veränderungen der Körperformen, beispielsweise ein eingefallenes Gesicht. Erfolgt die Einnahme der Medikamente nicht regelmäßig, drohen Resistenzen. Denn Krankheitserreger, die nicht ständig bekämpft werden, finden Zeit, Mutationen zu entwickeln und werden so unempfindlich gegen die Medikamente.


Für viele ist der jährlich rund 15.000 Euro teure Anti-Aids-Cocktail inzwischen selbstverständlich. Jedoch nicht für die Millionen HIV-Infizierten in den ärmeren Ländern der Welt. Letztes Jahr verbrachte Dr. Gabriele Birkenfeld als Mitarbeiterin von "Ärzte für die dritte Welt" sechs Wochen in Bangladesch. Im Januar nimmt sie ihren Jahresurlaub, um Kranken in Nairobi zu helfen. "Hier in Deutschland sehe ich vielleicht zehn HIV-Infizierte pro Tag, in den Slumgebieten der dritten Welt sind es täglich über 300."

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