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LMU-Physiker erhält Descartes-Preis der EU - Forschergruppe für Quantenkommunikation geehrt

02.12.2004 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

Der Descartes-Preis der Europäischen Union wurde in diesem Jahr an eine Gruppe von Wissenschaftlern verliehen, der auch Professor Harald Weinfurter vom Department für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) angehört. Die Preisverleihung fand heute in Prag statt. Die mit einer Million Euro dotierte Auszeichnung wird jedes Jahr für herausragende wissenschaftliche und technologische Ergebnisse verliehen, die aus einer europäischen Kooperation hervorgegangen sind. IST-QuComm heißt das Projekt, für das der Descartes-Preis verliehen wurde. Die Wissenschaftler hätten damit die Quantentechnologie aus dem Labor geholt, hieß es in der Begründung der Nominierung. Den Wissenschaftlern gelangen mehrere Durchbrüche, die wahrscheinlich die Kommunikationstechnologien der Zukunft beeinflussen werden, aber auch schon in nächster Zeit ein globales Netzwerk abhörsicherer Kommunikation ermöglichen könnten. Die Quantenkryptographie ermöglicht das abhörsichere Übertragen von Nachrichten. Dabei werden kleinste Lichtpartikel, die Photonen, versendet. Streng genommen, können diese während der Übertragung zwar gemessen und damit "abgehört" werden. Dies verändert ihre Eigenschaften aber so, dass die Störung vom legitimen Empfänger zweifelsfrei festgestellt werden kann. IST-QuComm hat nun gezeigt, dass dies auch in der Praxis funktioniert: Die erste Bankübertragung mittels quantenkryptographischer Methoden in Wien bei einem öffentlichen Demonstrationsobjekt. "Die Strecke betrug dabei etwa 1,5 Kilometer", so Weinfurter. "Der QuComm-Gruppe gelang unter anderem auch Teleportation über sechs Kilometer Glasfaser in Genf. Wir konnten die Qualität der Übertragungen und die Ausbeuten steigern, aber auch insgesamt neue Methoden der Quantenkommunikation entwickeln."

Ziel des IST-QuComm-Projektes ist neben der Ausarbeitung und Erprobung neuer Methoden der Quantenkommunikation, vor allem in der Quantenteleportation und Quantenkryptographie, deren Erweiterung auf größere Distanzen. Zudem sollen Demonstrationsversuche die Anwendbarkeit dieser Methoden besser einschätzen helfen. "IST-QuComm geht also deutlich über reine Quantenkryptographie hinaus", meint Weinfurter. "Das hat die Konsequenz, dass sehr viele Methoden erstmals demonstriert werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt ist aber noch nicht der Integrationsgrad erreicht, den wir bei der Kryptographie bereits haben." Kommerzielle Anwendungen wird es möglicherweise aber doch schon in einem früheren Stadium geben. So sollen potentielle Spin-offs der neu entwickelten Technologien identifiziert und interessierten Unternehmen angeboten werden.

Die QuComm-Gruppe bestand neben Professor Weinfurter aus Forschern aus Schweden, Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und den USA. Die Münchner Gruppe konnte viele Experimente in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching durchführen. "Wir haben beispielsweise zum Bankexperiment beigetragen und leistungsfähigere Senderquellen entwickelt", berichtet Weinfurter. "Damit konnten dann unter anderem effiziente Quantenkryptographie und Methoden zur Rauschunterdrückung demonstriert werden. Der Preis ist eine Auszeichnung für meine ganze Arbeitsgruppe. Insgesamt waren mehr als 20 Mitarbeiter beteiligt. Experimentelle Physik ist Teamarbeit."
(suwe)

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Harald Weinfurter
Department für Physik der LMU
Tel: +49 89 2190 2044
Fax: +49 89 2180 5032
E-Mail: harald.weinfurter@physik.uni-muenchen.de

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