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Barry Smith, Aristoteles und Medizininformatik ...

09.12.2004 - (idw) Universität des Saarlandes

Der führende Repräsentant zeitgenössischer Ontologie ist mit seinem Institut für Formale Ontologie und Medizinische Informatikwissenschaften an die Universität des Saarlandes gewechselt. Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms im Jahr 2000 hat die Sicht auf unsere Wirklichkeit verändert. Innerhalb der gigantischen Datenmenge, die mit diesem Durchbruch verfügbar wurde, die richtigen Zuordnungen vorzunehmen, ist die Herausforderung von Gegenwart und Zukunft. Zusätzlich zu den erkenntnistheoretischen Dimensionen philosophischer Art hat dies praktische Bedeutung für die Diagnose und Therapie von Krankheiten, die nun gewissermaßen an der Wurzel, nämlich auf der molekularen Ebene, fassbar werden. Die weitreichenden Hoffnungen, die sich mit der gerade erst begonnenen Klassifizierung der neuen Datenwelt verbinden, unterstreichen die Bedeutung zweier nur scheinbar weit auseinander liegender Wissenschaftsrichtungen: zum einen die der Medizinischen Informationswissenschaften, zum anderen die der Ontologie. Denn die großen Datenmengen, womit sich die heutige Biomedizin beschäftigen muss, kommen aus den verschiedensten Quellen und werden in den verschiedensten Daten strukturiert formuliert. Um hier für Ordnung zu sorgen, braucht die Biomedizin gemeinsame, verlässliche Kategorien der Phänomene des Lebens, von Molekülen bis hin zu Epidemien. Die Ontologie ist eine Disziplin der Philosophie, wie sie letztlich auf Aristoteles zurückgeht und sich seit der Antike mit der Frage von guten und schlechten Kategorien beschäftigt hat. In den letzten Jahren haben Philosophen zunehmend mit Informatikern gearbeitet, um Kategoriensysteme für verschiedene praktische Anwendungen zu entwickeln, vor allem, aber nicht nur in der Biomedizin.

Der führender Experte auf diesem Gebiet ist Prof. Dr. Barry Smith, der mit seinem Institut für Formale Ontologie und Medizinische Informatikwissenschaften (IFOMIS) an die Universität des Saarlandes gewechselt ist. In einer Reihe von bahnbrechenden Arbeiten hat der englisch-amerikanische Wissenschaftler aufgezeigt, wie Methoden und Theorien der philosophischen Disziplin der Ontologie für die Entwicklung allgemein verbindlicher Klassifizierungssysteme von Information genutzt werden kann. Als Anwendungsgebiet hat sich Professor Smith dabei insbesondere auf das Gebiet der Biomedizin spezialisiert, mit der sich bekanntlich ja große Hoffnungen für unser aller Zukunft verbinden. Vor diesem Hintergrund ergeben sich an der Universität des Saarlandes enge Anknüpfungspunkte zur renommierten Saarbrücker Informatik, dabei insbesondere der Bioinformatik, aber auch zur Rechtsinformatik wie auch zum Fach Philosophie.

Barry Smith ist gebürtiger Engländer, Absolvent der Oxford University und derzeit u.a. Philosophie-Professor der State University at Buffalo. In Deutschland hat er 2002 das Institut für Formale Ontologie und Medizinische Informatikwissenschaften (IFOMIS) aufgebaut. Ermöglicht wurde dies mit einer Förderung von zwei Millionen Euro des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gestifteten Wolfgang Paul-Preises. In 2003 wurde das Institut, das aus einer interdisziplinären Forschergruppe von Philosophen, Medizinern und Wissenschaftlern der biomedizinischen Informatik besteht, in das europäische Exzellenz-Netzwerk im Bereich Medical Informatics and Semantic Data Mining (abrufbar unter http://www.semanticmining.org) aufgenommen. Diese ehrenvolle Aufnahme erfolgte auf der Grundlage des 6. Rahmenprogramms für Forschung und technologische Entwicklung (FP6) der Europäischen Union, was mit einer Förderung von 400 000 Euro verbunden war. Eine weitere Förderung von über 900 000 Euro wurde Professor Smith in diesem Jahr von der Volkswagenstiftung für das Projekt "Formen des Lebens. Philosophische Dimensionen der aktuellen medizinischen Forschung" bewilligt (http://www.ifomis.uni-saarland.de/News/VWStiftung_2004_Presseinformation.pdf).


Eingeführt hatte sich Professor Smith an der Universität des Saarlandes bereits im Sommersemester mit einem Vortrag über "Perspektiven der Ontologie: Von Aristoteles zum Humangenom-Projekt". Ursprünglich war IFOMIS an der Universität Leipzig angesiedelt.
Weitere Informationen: http://www.ifomis.uni-saarland.de
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