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Warum Kontrolle nicht alles im Leben ist

21.12.2004 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Klaus Rothermund zum neuen Professor für Allgemeine Psychologie der Universität Jena ernannt Jena (21.12.04) Eine Neigung des Menschen, sein Leben unter Kontrolle haben zu wollen, ist unleugbar. Nicht umsonst spricht man davon, dass jemand die Dinge im Griff hat oder sie ihm umgekehrt entgleiten. Ein klassischer Vorgang, den man nicht unter Kontrolle hat, ist das Altern. Doch trotz körperlicher, sozialer oder finanzieller Einschränkungen, sind die Senioren alles andere als unzufrieden mit ihrer Lebenssituation. Dieses so genannte Zufriedenheitsparadox ist durch entwicklungspsychologische Studien belegt. Ähnliche Phänomene zeigen sich auch in anderen Zusammenhängen, wenn Lebenskrisen und Misserfolge verarbeitet werden. "In solchen Situationen, die außerhalb unserer Kontrolle stehen, passen die Meisten ihre persönlichen Ziele den Gegebenheiten an und bleiben zufrieden", erklärt Prof. Dr. Klaus Rothermund. Der frühere Entwicklungspsychologe, der jetzt zum Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Jena ernannt wurde, untersucht u. a. Phänomene, wie das Nachlassen der Kontrolle und unsere Anpassungsfähigkeit.

Entscheidend ist, dass es sich dabei nicht um bewusste Vorgänge handelt, die wir steuern, sondern um Mechanismen, die im Unterbewusstsein ablaufen. Das bedeutet für Psychologen wie Rothermund, dass sie entsprechend subtile Methoden anwenden müssen. "Denn wir sind nicht daran interessiert zu erfahren, was die Leute glauben, was mit ihnen passiert, sondern wir wollen es experimentell erfassen", bringt es der neue Professor auf den Punkt. Er greift dazu vor allem auf Methoden aus der Gedächtnis- und Kognitionsforschung zurück. Der Computer erweist sich als wichtiges Werkzeug, um ins Unterbewusstsein vorzudringen. Mit seiner Hilfe werden z. B. Krisen simuliert, indem man Probanden vor kniffelige Aufgaben (Rechenaufgaben, Anagramme) stellt und sie beim Lösen gezielt stört.

"So lässt sich gut beobachten, wie ein Problem fokussiert wird und irrelevante Reize zunächst ausgeblendet werden", erklärt Rothermund. Nach einer bestimmten Zeit vergeblichen Mühens lösen sich die Probanden jedoch vom selbstgesetzten Ziel und ihre Aufmerksamkeit für andere Reize steigt wieder.

Diese Aufeinanderfolge von Persistenz und Neuorientierung war Gegenstand von Rothermunds Promotionsarbeit, die er 1998 an der Universität Trier abgeschlossen hat. In seiner Habilitation (2003) arbeitete er über Anpassungen. In Wuppertal geboren, wuchs Klaus Rothermund in Solingen auf. Nach dem Zivildienst im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich entschied er sich für ein Psychologiestudium, das er 1991 an der Universität Trier abschloss. Eine Vertretungsprofessur führte ihn 2003 an die Universität des Saarlandes, bevor er den Ruf an die Universität Jena annahm.

Als einer von zwei Lehrbeauftragten für Allgemeine Psychologie sieht es Rothermund als eine wichtige Aufgabe an, die Studierenden für das experimentelle Arbeiten fit zu machen. In kleinen Lerngruppen will er mit ihnen daran arbeiten, grundlegende Computertests wie die beschriebenen selbst zu konzipieren. "Denn auch in der Persönlichkeits- und Sozialpsychologie geht der Trend weg von Fragebögen und Selbstauskünften, hin zu experimentellen Methoden", so Rothermund. Er will sich u. a. in die laufenden Forschungen am Institut zu den Determinanten sozialer Diskriminierung mit einem Projekt zur automatischen Stereotypaktivierung einbringen, also untersuchen, welche Prozesse ablaufen, wenn wir jemanden als Skinhead oder Ausländer klassifizieren.


Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Rothermund
Institut für Psychologie der Universität Jena
Am Steiger 3, Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945121

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