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Karriere und Partnerschaft unter einen Hut bringen

19.11.2002 - (idw) Universität Dortmund

Eine Dissertation über "Dual-career couples" hat jetzt an der Universität Dortmund untersucht, wie Partner in Lebenspartnerschaften gleichermaßen erfolgreich im Beruf sein können.

Wie schaffen es Paare, Karriere zu machen und gleichzeitig eine intakte Beziehung zu führen? "Indem die Partner ihre beruflichen und privaten Pläne aufeinander abstimmen", sagt der Sozialwissenschaftler Jürgen Schulte. In seiner Dissertation "Dual-carreer couples - Strukturuntersuchung einer Partnerschaftsform im Spiegelbild beruflicher Anforderungen", hat er erforscht, welche Schwierigkeiten hoch qualifizierte Paare am Arbeitsmarkt haben, weil sie zwei Berufskarrieren miteinander verbinden wollen.

Die Studie zeigt darüber hinaus Lösungen für beide Seiten auf - für Unternehmen, die ihre Personalentwicklung neu überdenken müssen und für Dual-career couples (Dcc), die Doppelberufstätigkeit und Partnerschaft managen wollen.

Durch Befragung von Personalleitern, Arbeitsmarktexperten und Dcc-Partnern hat der Sozialwissenschaftler drei "Paartypen" entdeckt:

Erstens: "Modernisiert-tradionelle Paare", bei denen die Frau ihre Karriere - mehr oder weniger freiwillig - zugunsten des Mannes zurückstellt, aber an ihrem Berufs- und Karrierewunsch festhält.

Zweitens: "Gleichberechtige Paare", bei denen beide Partner abwechselnd Karriereeinschränkungen hinnehmen und sich um die Familie kümmern.

Drittens: "Fragmentierte Paare", bei denen der Beruf über alles geht und die ein Scheitern der Beziehung bewusst in Kauf nehmen.

Kinder hemmen Karriere nicht

In der Studie kristallisierte sich heraus, dass es nur "gleichberechtigten Paaren" gelingt, Doppelkarriere und Familie zu vereinbaren. Ihr Erfolgsrezept: Beide Partner kooperieren und nehmen gleichzeitig externe Unterstützung im Haushalt und bei der Kinderbetreuung in Anspruch. Kinder sind bei diesen Dcc-Paaren kein Karrierehemmnis. 50 Prozent der befragten Paare haben Kinder - meist zwei oder drei.

"Allerdings wird es den Paaren nicht leicht gemacht", sagt der Autor und verweist auf die staatlichen Rahmenbedingungen. Während die schlechten Kinderbetreuungsmöglichkeiten immerhin diskutiert würden, rede über die Probleme der "Landeskinder" kaum jemand. Das sind Paare, bei denen ein Partner im Landesdienst beschäftigt ist (Lehrer, Richter etc.) und denen es fast unmöglich ist, innerhalb Deutschlands die Stelle zu wechseln.

Unternehmen müssen umdenken

Aber auch in der Privatwirtschaft gibt es Hürden zu überwinden. Personalchefs betrachteten Karrierepaare immer noch als Einzelfall, entsprechende Personalprogramme fehlten. Dabei handelt es sich bei den Dcc um einen wachsenden Trend. Auf Basis verschiedener statistischer Daten schätzt Jürgen Schulte, dass bereits 40 Prozent der jüngeren Paare als Dcc zusammenleben. Somit müsse in den Unternehmen umgedacht werden.

"Das wird auch bald passieren", prognostiziert der Sozialwissenschaftler anhand von Arbeitsmarktstudien. Trotz hoher Arbeitslosigkeit herrsche schon jetzt in einigen Branchen eine starke Nachfrage nach Fach- und Führungskräften. Aufgrund der demographischen Entwicklung werde sich dieses Problem noch verschärfen. Somit könnten Unternehmen in Zukunft nicht auf das Know-how von qualifizierten Frauen verzichten und müssten mehr auf die Wünsche ihrer hoch qualifizierten Kräfte eingehen.

Dcc - eine Zielgruppe wird entdeckt

In Amerika existiert schon länger eine eigene Forschungsdisziplin, die sich mit "Dual-career couples (Dcc)" befasst. In Buchläden findet man sogar "Survival Guides" für diese Zielgruppe. In Deutschland waren die Dcc bis jetzt kein eigener Forschungsgegenstand, sondern wurden nur in verschiedenen Disziplinen am Rande behandelt.

Diese Lücke hat Jürgen Schulte mit seiner Dissertation geschlossen, die inzwischen bei Leske + Budrich in Opladen erschienen ist. Den Doktortitel (Dr. rer. pol.) hat der Sozialwissenschaftler am Lehrstuhl von Prof. Dr. Hartmut Neuendorff von der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Dortmund erworben.

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Kontakt: Dr. Jürgen Schulte, Telefon: 0201/237435,
E-Mail: schulte-j@t-online.de
Das Buch: Jürgen Schulte: Dual-career couples - Strukturuntersuchung einer Partnerschaftsform im Spiegelbild beruflicher Anforderungen, ISBN: 3-8100-3363-4, Leske + Budrich, Opladen 2002
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