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Botanischer Garten der Johannes Gutenberg-Universität beginnt mit der Umgestaltung des Freilandgeländes

17.01.2005 - (idw) Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Neuanlage rückt den Schutz der botanischen Vielfalt und die Wissensvermittlung an eine breite Öffentlichkeit stärker in den Mittelpunkt. Das Freilandgelände des Botanischen Gartens der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird in den nächsten zwei Jahren im Kernbereich grundlegend umgestaltet. "Dies ist die größte konzeptionelle Veränderung seit Gründung des Mainzer Botanischen Gartens im Jahre 1946", erklärt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität, Univ.-Prof. Dr. med. Jörg Michaelis, "die Umgestaltung trägt den inzwischen stark gewandelten Anforderungen an Botanische Gärten Rechnung, indem sie den Schutz der botanischen Vielfalt und die Wissensvermittlung an eine breite Öffentlichkeit stärker in den Mittelpunkt rückt. Durch die Neuanlage des Systems und neue gestalterische Aspekte wird sich die Attraktivität des Gartens in den kommenden Jahren deutlich erhöhen." Für den Gartenumbau stellen das Land und die Universität 300 000 Euro zur Verfügung. Einen wesentlichen Teil der Arbeiten erbringen die Mitarbeiter des Gartens in Eigenleistung.

Die Systematische Abteilung, die bisher vier große Teilareale umfasst, wird auf zwei dieser Areale reduziert und neu konzipiert. Auf die dadurch frei werdenden Flächen werden die Nachbildung des "Mainzer Sandes", der Steppenwald und die Ackerwildkräuter verlagert, die bisher auf dem Erweiterungsgelände jenseits des Arboretums untergebracht sind. Neu hinzukommen werden eine Streuobstwiese, die die Sortenvielfalt von Kulturpflanzen thematisiert, und ein Hügel als gestalterisches Element. Durch die Verlagerung des "Mainzer Sandes" und die damit verbundenen Umgestaltungen erhält der Garten im Zentrum einen neuen Themenschwerpunkt: "Natur- und Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz".

Zeitpunkt für Neuordnung der Systematischen Abteilung ist günstig
Den Kernbereich des Botanischen Gartens dominiert bisher die Systematische Abteilung, die in vier große Teilareale mit insgesamt rund 3600 Pflanzstellen untergliedert ist. Ziel dieser Anlage ist es, einen Überblick über die verwandtschaftliche Gliederung der Blütenpflanzen zu geben. Entsprechend ihrer Entstehungszeit um 1950 folgt die Anordnung der Pflanzen aber in weiten Teilen noch dem Wissensstand der 1940er Jahre. Seither haben sich die Vorstellungen von der Verwandtschaft und Evolution der Blütenpflanzen in vielen Bereichen stark verändert. Durch den Einsatz von DNA-Sequenzuntersuchungen konnten in den letzten fünfzehn Jahren die Hauptverzweigungen des Stammbaumes der Pflanzen weitgehend rekonstruiert werden. "Daher ist der Zeitpunkt für eine Neuordnung der Systematischen Abteilung jetzt günstig", erklärt der Leiter des Instituts für Spezielle Botanik und Botanischer Garten, Univ.-Prof. Dr. Joachim W. Kadereit. Zudem reduziert sich die sehr pflegeintensive Systematische Abteilung durch den Umbau um die Hälfte ihrer Fläche und wird zugleich durch einige neue Beete gestalterisch und inhaltlich aufgewertet. "Der Mainzer Botanische Garten wird dann einer der ersten Gärten sein, der das veränderte Bild von der Stammesgeschichte der Blütenpflanzen in einer großflächigen Anlage darstellt", so Professor Kadereit, "Studierenden und Besuchern wird damit die Möglichkeit gegeben, die Großgruppen der Blütenpflanzen unmittelbar kennen zu lernen."

Neuer Schwerpunkt: Natur- und Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz
Mit der Verlagerung der Nachbildung des "Mainzer Sandes" erhält der Garten im Zentrum den neuen Themenschwerpunkt "Natur- und Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz". "Damit will der Mainzer Botanische Garten, der die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz ist", so Kadereit, "seine regionalen Bezüge stärken und dem Erhalt bedrohter heimischer Pflanzen und Lebensräume mehr Aufmerksamkeit widmen." Direkt neben dem "Mainzer Sand" mit seinen seltenen, nacheiszeitlichen Steppenrelikten wird als Abschluss zum Bentzelweg der südosteuropäische Steppenwald neu angepflanzt. Zudem wird eine Streuobstwiese angelegt, die auf den ökologischen Wert alter Kulturlandschaften hinweisen und als Demonstration für die Sortenvielfalt von Kulturpflanzen dienen soll. Ein Weinberg und Ackerkulturen mit charakteristischen Begleitunkräutern runden den Themenschwerpunkt ab. Im Zuge dieser Umgestaltung wird das seit 1986 zum Garten gehörende Erweiterungsgelände, auf dem sich u.a. die Nachbildung des "Mainzer Sandes" befindet, aufgegeben. "Dieses Gelände ist durch einen öffentlichen Fußweg und durch Wirtschaftsbereiche vom restlichen Gartengelände so stark abgeschnitten, dass es von Besuchern sowieso kaum wahrgenommen wurde", erklärt Professor Kadereit.

Umgestaltung dauert zwei Jahre
Einen wesentlichen Teil der Arbeiten erbringen die Mitarbeiter des Gartens in Eigenleistung, um die Kosten, aber auch den Verlust an wertvollen Pflanzen so gering wie möglich zu halten. Dadurch erstrecken sich die Arbeiten auch über einen längeren Zeitraum. Die Verlagerung des "Mainzer Sandes" in den Bereich der jetzigen Systemanlage wird im Winter 2005/2006 erfolgen. Erste Vorbereitungen für die Umpflanzung und Neugestaltung der Systemanlage haben bereits in diesem Winter begonnen. Im Dezember 2004 wurden zwei Pappeln am zentralen Pavillon gefällt und die Hecken zwischen den Teilarealen des zukünftigen Systems gerodet, da in diesen Bereichen weitere Beete für die Systemanlage vorgesehen sind. Die Um- und Neubepflanzung der Systemanlage wird im September 2005 beginnen. Kurz danach beginnen dann auch die Erdarbeiten für die Verlagerung des "Mainzer Sandes". "Während dieser Zeit bitten wir bereits jetzt die Besucher um Verständnis für vorübergehende Beeinträchtigungen", so Kadereit.


Weitere Informationen:
Petra Giegerich, Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 06131 / 39-22369, Fax 06131 / 39-24139, E-Mail: presse@verwaltung.uni-mainz.de
Weitere Informationen: http://www.botgarten.uni-mainz.de/
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