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Wenn Bruder oder Schwester krank sind

25.01.2005 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Zehn Jahre Geschwisterbetreuung im "Kinderplanet" der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg Der Kinderplanet in der Heidelberger Universitäts-Kinderklinik feiert sein zehnjähriges Bestehen. Die spendenfinanzierte Einrichtung steht unter der Trägerschaft des Elternvereins "Aktion für Krebskranke Kinder e.V. Heidelberg" und bietet qualifizierte Betreuung für die Brüder und Schwestern schwerkranker Kinder an. Interessierte konnten sich am 25. Januar 2005 vor Ort über die Geschwisterbetreuung informieren, denn zum zehnjährigen Jubiläum öffnete der Kinderplanet seine Türen für Besucher.

Ob Krebs- oder Nierenleiden, Herzfehler oder Frühgeburt - ist ein Kind schwer oder gar lebensbedrohlich erkrankt und muss längere Zeit im Krankenhaus bleiben, braucht es die volle Unterstützung seiner Eltern. Da ist es selbstverständlich, dass diese tage- und wochenlang am Bett ihres kranken Sprösslings sitzen, um ihm ihre ganze Aufmerksamkeit zu widmen. Doch was wird aus den Geschwistern? Drehen sich Mamas und Papas Sorge vor allem um das kranke Kind, ist die Gefahr groß, dass die gesunden Brüder und Schwestern ins Hintertreffen geraten. Oft reagieren sie bereits nach kurzer Zeit mit Verhaltensauffälligkeiten.

Um dies zu verhindern, wurde im Januar 1995 in der Heidelberger Universitäts-Kinderklinik die Geschwisterbetreuung "Kinderplanet" ins Leben gerufen. Die Initiative ging dabei von verschiedenen Elternvereinen aus - insbesondere vom Verein "Aktion für Krebskranke Kinder e.V. HD". Ausschließlich durch Spenden finanziert, ist so im Erdgeschoss der Kinderklinik ein wahres Spielparadies entstanden, in dem an Wochentagen von 9 bis 18 Uhr durchschnittlich neun Kinder im Alter von 0 bis 15 Jahren qualifizierte Betreuung finden. Zwischen bunten Holzhäuschen und gemütlichen Kuschelecken sollen sich die gesunden Brüder und Schwestern so richtig wohl fühlen, während Mama und Papa sich um ihren kleinen Patienten kümmern.

Insgesamt fünf haupt- und acht ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sorgen dafür, dass es ihren Schützlingen an nichts fehlt. Die sorgfältig ausgewählten Betreuerinnen wissen meist aus eigener Erfahrung, was Familien in einer solchen Ausnahmesituation am nötigsten brauchen. "Darum rufen wir auch schon mal auf Station an, und bitten die Eltern, zu ihren gesunden Kindern zu kommen, falls diese sich von ihnen allein gelassen fühlen", erzählt Diplom-Sozialpädagogin Margit Bösen-Schieck, Leiterin des Kinderplaneten.

Neben der Betreuung und dem vielfältigen Spielangebot hat der Kinderplanet auch eine Küche und einen Speiseraum zu bieten, wo Eltern mit ihren gesunden Sprösslingen zu Mittag essen können. "Durch die Mahlzeiten im Familienkreis lässt sich trotz der Ausnahmesituation wenigstens ein bisschen gemeinsamer Alltag aufrecht erhalten," erklärt Frau Bösen-Schieck dieses Angebot.

"Eine tolle Einrichtung", findet auch Cristina Tacheci. Die 28-jährige Amerikanerin hat die Geschwisterbetreuung einen Monat lang fast täglich genutzt. Ihre jüngste Tochter Melanie kam zu früh zur Welt und musste die ersten Wochen nach der Geburt in der Kinderklinik bleiben. Frau Tacheci war den ganzen Tag anwesend, um ihren Säugling zu stillen. "Ohne den Kinderplanet hätte ich nicht gewusst, was ich mit den anderen drei Kindern machen soll - mein Mann arbeitet ja", berichtet die junge Frau. So aber zog sie jeden Morgen gemeinsam mit der sechsjährigen Sophie und den Söhnen Eric (4) und Miguel (2) in die Klinik. "Die Kinder fanden es toll, und auch ich war sehr entspannt dadurch, dass ich die drei in guten Händen wusste und zwischendurch immer wieder bei ihnen sein konnte." Tränen beim morgendlichen Abschied? Die vierfache Mutter schüttelt den Kopf und lacht: "Nein, wohl eher, wenn ich sie abends abholen wollte."

Etwa 65.000 Euro Spendengelder werden für ein Jahr benötigt, um die Kosten für den laufenden Betrieb des Kinderplaneten zu decken. Die hohe Akzeptanz und die gute Zusammenarbeit innerhalb Universität und Kinderklinik, ebenso kostenlose Räume, Wasser, Strom, Telefon und Reinigung stellen eine mustergültige Kooperation dar, die hoffentlich noch viele Jahre Bestand hat; darüber sind sich alle Betroffenen und Beteiligten einig.

Weitere Informationen und Kontaktadresse finden Sie im Internet unter:

http://www.med.uni-heidelberg.de/kinder/kinderplanet/

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/
Weitere Informationen: http://www.med.uni-heidelberg.de/kinder/kinderplanet/ http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/
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