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Drei-Päpste- und Drei-Kaiser-Jahre

27.01.2005 - (idw) Universität Erfurt

Personenkundliches Langzeitprojekt an der Universität Erfurt abgeschlossen In welchem Jahr standen nebeneinander drei Päpste und drei Oberpontifices an der Spitze des stadtrömischen Kultes? Wann amtierte der letzte pagane Priester? Wieviele jüdische Synagogenvorsteher kennt man aus dem alten Rom? Fragen dieser Art sind jetzt erstmals leicht zu beantworten. Mit einem Kolloquium "Fasti sacerdotum", wurde ein 1989 an der Universität Tübingen begonnenes Forschungsprojekt mit der Vorstellung des dreibändigen biographischen und chronologischen Werkes an der Universität Erfurt abgeschlossen.

Das Projekt religionsgeschichtlicher Grundlagenforschung leistete eine umfassende Historisierung und Personalisierung der Religionsgeschichte der Stadt Rom in der Antike. "Es stellt nun Daten bereit, die eine religionsgeschichtliche Aufarbeitung zentraler Probleme insbesondere der Religionsgeschichte der römischen Kaiserzeit erleichtern", so der Religionswissenschaftler Prof. Dr. Jörg Rüpke von der Universität Erfurt. Mit der Aufhebung der Trennung "traditioneller" von "orientalischen", sozial hochrangigen von niederrangigen, polytheistischen und monotheistischen Religionen wurde für die römische Religionsgeschichte Neuland betreten. Hubert Cancik (Berlin), der Initiator des Rahmenprojektes "Sozialgeschichte der römischen Religion" erläuterte auf dem Kolloquium die Entstehungsgeschichte der Fragestellung, die ebenso die sozialhistorischen Ansätze der Geschichtswissenschaft wie spezifische, in Tübingen verankerte Traditionen der Klassischen Philologie und Religionswissenschaft aufnahm.

3590 Biographien religiöser Spezialisten und weitere Viten vermeintlicher Priester fragen konsequent nach der Datierung, dem sozialen Ort und den Mustern religiöser "Karrieren". In den von Jörg Rüpke vorgelegten, unter Mitarbeit von Anne Glock erarbeiteten Bänden (Franz-Steiner-Verlag 2005), wurde - methodisch über die bisherigen Arbeiten hinausgehend - zum einen eine möglichst präzise Datierung der Dauer der religiösen Funktion gesucht. Zum anderen erscheinen Aktivitäten, die durch die religiöse Funktion motiviert scheinen. Damit werden hier knapp viertausend personenkundliche "Metaquellen" für eine Religionsgeschichte Roms, aber auch für religions-, sozial- oder kulturorientierte Geschichten vorgelegt.

Das Hauptergebnis bildet die jahrweise Rekonstruktion der gesicherten und rekonstruierbaren Mitgliederbestände aller in Rom tätigen Priesterkollegien und Einzelpriester aller Kulte. Zum ersten Mal wird ein chronologischer Zugriff auf diese zumeist lebenslänglichen Ämter gegeben. Dominanz von Familien, Verteilung über Positionen und Kulte, Personalunionen, aber auch die Strukturanalogien zwischen unterschiedlichen Gruppen zu einem bestimmten Zeitpunkt lassen sich schnell überblicken. Auf einen Blick erschließen sich die Auguren, Pontifices, Isispriester oder Diakone für jedes einzelne Jahr zwischen 300 v.Chr. und 499 n.Chr. Für weite Perioden der Kaiserzeit werden jährlich über einhundert Priester oder religiöse Hilfskräfte dokumentiert.

Das Projekt erzielte zahlreiche Einzelergebnisse, die über Biographisches hinausgehen. Das reicht von einer Neubewertung der Quellen republikanischer Geschichtsschreibung bis zu Fragen der Finanzierung von Priesterschaften und Mechanismen der Rekrutierung von Priestern. Erstaunlich waren aber vor allem die engen Parallelen und wechselseitigen Anleihen unterschiedlicher Religionen, die altrömische Praktiken in spätantiken christlichen Synodalakten und römische Verwaltungsstrukturen in orientalischen Kultvereinen umfassen. Hier hat sich die inzwischen weit verbreite Option, Religionsgeschichte raumbezogen, nicht auf eine einzelne Religion ("Christentum", "Judentum", "Paganismus") bezogen zu untersuchen, bewährt und neue Forschungsperspektive eröffnet. Das in Erfurt koordinierte DFG-Schwerpunktprogramm "Römische Reichs- und Provinzialreligion" ist eine davon.


Kontakt: joerg.ruepke@uni-erfurt.de
Weitere Informationen: http://www.uni-erfurt.de/vergleichende_religionswissenschaft http://www.uni-erfurt.de/spp1080
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