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Die Universitätsbibliothek Augsburg erhält die Handbibliothek Heinrich Brünings

27.01.2005 - (idw) Universität Augsburg

Der rund 350 Bände umfassende Bestand mit wichtigen Quellenschriften zur deutschen und US-amerikanischen Zeitgeschichte ist eine Schenkung der Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung / Feierliche Übergabe am 9. Februar 2005 ---

Eine Bibliothek mit wichtigen Quellenschriften zur deutschen und US-amerikanischen Zeitgeschichte steht der internationalen Forschung fortan in der Universitätsbibliothek Augsburg zur Verfügung: Die Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung schenkt der Universität Augsburg die private Handbibliothek des Reichskanzlers der Weimarer Republik, Prof. Dr. Heinrich Brüning (1885-1970) im Umfang von ca. 350 Bänden. Zur feierlichen Übergabe dieses Bestandes an die Universitätsbibliothek Augsburg am 9. Februar 2005 um 18.00 Uhr sind auch die Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich in die Ausstellungshalle der Zentralbibliothek (Universitätsstraße 22) eingeladen. Bei der Feierstunde wird der Historiker Prof. em. Dr. Dr. h. c. Josef Becker, von 1983 bis 1991 Präsident der Universität Augsburg, die historische Einführung sprechen. Die Übergabe erfolgt durch Kurt F. Viermetz - Vorsitzender des Aufsichtsrates der Hypo Real Estate Holding AG, München, und seit 2003 auch Vorsitzender der Hochschulrates der Universität Augsburg - persönlich. Er war es, der die frühere Mitarbeiterin und heutige Testamentsvollstreckerin Brünings, Mrs. Claire Nix, dazu bewegen konnte, die Handbibliothek, die sich bis 2004 an Brüning letztem Wohnort in Vermont/USA befand, nach Deutschland zu geben.

ZU HEINRICH BRÜNING:

Heinrich Brüning, der einer breiteren Öffentlichkeit heute kaum mehr bekannt ist, stammt aus Münster (geb. 1885). Er studierte Geschichte und Volkswirtschaft und wurde 1915 in Bonn promoviert. Brüning war ab 1920 als Geschäftsführer des (christlichen) Deutschen Gewerkschaftsbundes tätig. Seit 1924 wirkte Brüning als Abgeordneter im Berliner Reichstag, 1929 wurde er Fraktionsvorsitzender der katholisch geprägten Deutschen Zentrumspartei. Am 28. März 1930 berief Reichspräsident Paul von Hindenburg ihn in das Amt des Reichskanzlers. Die beiden Kabinette Brüning waren zwei Jahre und zwei Monate im Amt - länger als jede andere Regierung der Weimarer Republik.

Die Regierungszeit Brünings ist bis heute umstritten. Eine Reihe von Historikern wertet sie, da Brüning seit der "Katastrophenwahl"vom September 1930 ohne stabile Mehrheit im Parlament mit Notverordnungen regierte, als Übergangsjahre, die letztlich vor allem die Machtergreifung der Nationalsozialisten von 1933 vorbereiteten. Sie werfen Brüning vor, er habe gegen den Aufstieg der NSDAP zu wenig getan. Andere Historiker hingegen verweisen auf Brünings unter dem "Versailler Vertrag" sehr enge außenpolitische und finanzielle Handlungsspielräume. Sie rechtfertigen die temporären Notstandsrechte als damals gebotenen Ausweg aus der extrem schwierigen politischen Gesamtsituation.

Außer der Nutzung präsidialer Vollmachten ist die rigorose Spar- und Deflationspolitik ("Durchhaltepolitik") umstritten, mit der Brüning Deutschland aus der Wirtschaftskrise führen und von den hohen Reparationsleistungen befreien wollte. Denn sie verstärkte die Massenarbeitslosigkeit im Gefolge der Weltwirtschaftskrise von 1929 zusätzlich.

Unter dem Einfluß ostelbischer Agrarier entließ Reichspräsident Hindenburg Brüning überraschend am 30. Mai 1932, nach dessen irriger Einschätzung "100 Meter vor dem Ziel". Seine Nachfolger öffneten Hitler die Tore.

Heinrich Brüning emigrierte 1934. Er wirkte 1937-1939 in Oxford, seit 1939 an der Harvard University als Professor für Verwaltungswissenschaften. 1951-1955 lehrte er in Köln. Die deutsche Nachkriegspolitik blieb Brüning fremd. Er kehrte 1955 in die USA zurück und verstarb 1970 vereinsamt in Norwich/Vermont. Im selben Jahr erschienen postum seine "Memoiren".

Brünings Ethos der Selbstlosigkeit und sein aufopfernder Einsatz für das Gemeinwohl wurden auch den Gegnern stets anerkannt. Er war der letzte demokratische Kanzler der Weimarer Republik, aber auch eine umstrittene Gestalt der neueren deutschen Politik.

ZUR KURT UND FELICITAS VIERMETZ STIFTUNG

Die "Kurt und Felicitas Viermetz Stiftung" haben Kurt F. Viermetz und seine Gattin im Mai 2004 in Augsburg ins Leben gerufen. Sie dient der "Förderung und Unterstützung von Wissenschaft, Kunst und Kultur in Augsburg und Bayerisch-Schwaben sowie der Förderung der deutsch-amerikanischen Völkerbeziehung und Verständigung". Die Stifter setzen hierfür Erträge aus dem siebenstelligen Stiftungskapital ein, das ihrem Privatvermögen entstammt.

Die Viermetz-Stiftung hat schon zahlreiche Einrichtungen in der Stadt Augsburg unterstützt. Zu nennen sind die Städtischen Kunstsammlungen Augsburg, das Jüdische Museum Augsburg, die Augsburger Puppenkiste, die Albert-Greiner-Musikschule und das Mozarthaus.

Für die Universität wirkte Kurt Viermetz zunächst als Mitglied des Kuratoriums. Im Jahr 2003 wurde er zum Vorsitzenden des Hochschulrates gewählt und setzt sich seitdem in vielfacher Weise für die Universität Augsburg ein, um sie zu stärken und Weichen für ihre erfolgreiche Zukunft zu stellen. Die beiden weiteren Kuratoren der Viermetz-Stiftung, Dr. Theo Waigel und Dr. Peter Menacher, sind ebenfalls Mitglieder des Kuratoriums der Universität, dessen Vorsitz Dr. Waigel 2004 übernommen hat.

ERSTMALS EINE SPEZIALSAMMLUNG ZUR WEIMARER REPUBLIK

Die Universitätsbibliothek Augsburg erhält mit der Handbibliothek Heinrich Brünings erstmals eine Spezialsammlung über die Weimarer Republik und die folgenden Jahre. Der Bestand der Universitätsbibliothek hat im Jahr 2004 die Grenze von 2 Millionen Bänden überschritten (Bücher und gebundene Zeitschriften). Mehr als eine Million Bände stehen in den Lesesälen für den direkten Zugriff der Leser bereit.

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HINWEIS:
Für eine etwaige Berichterstattung stellt die Universitätbibliothek Augsburg gerne vorab Bild- und Textmaterial zur Verfügung. Die Texte der Ansprachen, die bei der feierlichen Übergabe gehalten werden, werden bei der Veranstaltung selbst verfügbar sein.

KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:
Dr. Ulrich Hohoff, Leiter der Universitätsbibliothek Augsburg, Telefon 0821/598-5300, ulrich.hohoff@bibliothek.uni-augsburg

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