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Von fremdbestimmter Fürsorge zu individuell unterstützender Jugendhilfe

03.02.2005 - (idw) Technische Universität Berlin

Festveranstaltung zum 65. Geburtstag von TU-Professor Manfred Kappeler "Von der Jugendfürsorge der Nachkriegszeit zur Kinder- und Jugendhilfe der Nach-Wende-Zeit" - dieser Titel der Festveranstaltung des Instituts für Sozialpädagogik am 11. Februar 2005 zum 65. Geburtstag und zur Verabschiedung von Professor Dr. Manfred Kappeler spannt den Bogen über seine berufliche Biografie in der Jugend- und Sozialarbeit in Praxis und Theorie. Die Ausbildung an einer Fachschule für Sozialarbeit, kaum 15 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus, war noch stark bestimmt vom klassifizierenden eugenischen Denken der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch in der Praxis der Jugendfürsorge, vor allem in den großen Erziehungsanstalten, herrschte ein post-faschistischer Geist im Denken und Handeln. In diesen Anstalten mussten jährlich ca. 150.000 jugendliche Jungen und Mädchen gegen ihren Willen unter extrem fremdbestimmten Bedingungen leben.

In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre kam es im Kontext der Studentenbewegung zu einer Kritik der psychiatrischen Anstalten, Strafanstalten und Fürsorgeerziehungsanstalten. An dieser Kritik war Professor Kappeler praktisch und theoretisch aktiv beteiligt. Die Erfahrungen dieser radikalen, auf weit reichende Veränderungen zielenden Kritikbewegung flossen ein in den langwierigen Prozess der Reform des Jugendhilferechts, die mit dem Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes 1990/91 im wiedervereinten Deutschland vorläufig zum Abschluss kam. In diesem neuen Gesetz ist die staatliche Eingriffsmentalität weit zurückgedrängt, zugunsten einer an Unterstützung, Hilfe, Förderung und Beteiligung ausgerichteten Kinder- und Jugendhilfe. Im Rückblick kann man feststellen, dass seither ein Paradigmen-wechsel im Selbstverständnis großer Bereiche von Sozialpädagogik und Sozialarbeit stattgefunden hat, an dem die Praxis, die Forschung und die Lehre von Professor Kappeler ihren Anteil hat.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag nach der "Wende" in der Initiierung und Aufrechterhaltung des Diskurses zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe und anderer Bereiche der sozialen Arbeit aus den alten und neuen Bundesländern. Besonders wichtig in Lehre, Forschung, Fort- und Weiterbildung waren in den vergangenen 15 Jahren die außerschulische Jugendarbeit, das komplexe Thema "Jugend und Drogen" und die Geschichte der sozialen Arbeit in Deutschland unter herrschaftskritischen Gesichtspunkten.

Manfred Kappeler, Jahrgang 1940, Bäcker, Sozialarbeiter und Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche, studierte Erziehungswissenschaften und ist seit 1989 Professor für Erziehungswissenschaft/Sozialpädagogik an der TU Berlin.
Die Festveranstaltung findet am 11. Februar 2005, um 14.00 Uhr, im Hauptgebäude der TU Berlin, Raum 3005, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, statt.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Andrea Schmidt, Institut für Sozialpädagogik, Tel.: 030/314-73275 oder -73443, E-Mail: andrea.schmidt@tu-berlin.de
Weitere Informationen: http://www.tu-berlin.de/presse/pi/2005/pi26.htm
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