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Mediziner warnen: "Herzchirurgen geht der Nachwuchs aus"

11.02.2005 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Seit 1991 verringerte sich der chirurgische Nachwuchs in Deutschland um 40 Prozent, ab 2008 wird sich der Chirurgen-Mangel negativ auf den Klinikbetrieb und die Patientenversorgung auswirken, Deutschlands Herzchirurgen schlagen Alarm. Bei einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) zeigten sich 45,6 Prozent der befragten herzchirurgischen Assistenten mit den bestehenden Weiterbildungs-Möglichkeiten "unzufrieden" oder bezeichneten diese als "nicht akzeptabel". Es zeigte sich ein Attraktivitätsverlust der Herzchirurgie durch Belastung mit nicht-medizinischen Tätigkeiten, den Mangel an Zukunftsperspektiven und die insgesamt hohe Arbeitsbelastung. Eine spezielle Nachwuchskommission der DGTHG will diesen bedenklichen Entwicklungen gegensteuern. Hamburg, Freitag 11. Februar 2005 - "Ab 2008 wird ein Mangel an Chirurgen mit Auswirkungen auf den Klinikbetrieb und die Patientenversorgung prognostiziert", warnte Prof. Dr. Uwe Mehlhorn, Klinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Klinikum der Universität zu Köln, auf der Auftakt-Pressekonferenz der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. "Seit 1991 ist ein Rückgang der jungen Chirurgen um 40 Prozent zu verzeichnen."

Umfrage: Assistenten kritisieren Weiterbildungs-Defizit und Attraktivitätsverlust der Herzchirurgie

Das Problem des Nachwuchsmangels betreffe nicht nur die Herzchirurgie, sondern ganz allgemein die Chirurgie. Um dieser dramatischen Entwicklung seitens der Herzchirurgie Rechnung zu tragen, hat die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) eine "Kommission zur Förderung des herzchirurgischen Nachwuchses" eingerichtet. Eine von dieser Kommission in Auftrag gegebene aktuelle Umfrage, die von 432 Assistenten - etwa 40-50 Prozent aller herzchirurgischen Assistenten in Deutschland - beantwortet wurde, ergab ein problematisches Bild. Prof. Mehlhorn: "Zentrale Ergebnisse der Assistentenumfrage waren die hohe Unzufriedenheit mit bestehenden Weiterbildungskonzepten und damit verbunden die Forderung nach einem strukturierten 'Weiterbildungscurriculum Herzchirurgie'" Im Detail: 45,6 Prozent der Befragten waren mit den bestehenden Weiterbildungs-Möglichkeiten "unzufrieden" oder bezeichneten diese als "nicht akzeptabel". Nur 27,6 Prozent der Befragten waren mit dem Angebot "zufrieden", 24,8 Prozent "teilweise zufrieden".
Prof. Mehlhorn: "Es zeigte sich auch ein Attraktivitätsverlust der Herzchirurgie insbesondere durch Belastung mit nicht-medizinischen Tätigkeiten wie der Dokumentation, sowie durch den Mangel an Zukunftsperspektiven und die insgesamt hohe Arbeitsbelastung." Es müsse unbedingt verhindert werden, so Prof. Melhorn, dass diese Probleme zu Engpässen und Qualitätseinbussen in der Patientenversorgung führen.

Neues Weiterbildungs-Curriculum und systematische Image-Verbesserung

Die Nachwuchskommission hat bereits auf diese problematische Entwicklung reagiert und ein strukturiertes, modular aufgebautes Weiterbildungs-Curriculum Herzchirurgie erarbeitet, sowie ein Konzept zur gezielten Akquisition des studentischen Nachwuchses für die Herzchirurgie. Prof. Mehlhorn: "Schwerpunkte sind hier insbesondere die Motivation von Studenten für die herzchirurgische Forschung und die klinische Weiterbildung zum Herzchirurgen sowie die Optimierung der Darstellung der Herzchirurgie in der Öffentlichkeit."

Politik gefordert: Bessere berufliche Perspektiven und angemessene Bezahlung

Die Nachwuchskommission weist allerdings darauf hin, dass durch die DGTHG direkt zu beeinflussende Faktoren alleine nicht ausreichen, um das Nachwuchsproblem in der Herzchirurgie langfristig und effektiv anzugehen. Prof. Mehlhorn: "Hier sind auch Politik und Gesellschaft gefordert, Maßnahmen zur Förderung des Nachwuchses umzusetzen. Dazu zählen vor allem auch eine Verbesserung der beruflichen Perspektiven, die Schaffung adäquater Einkommensmöglichkeiten, das Herstellen von Arbeitsbedingungen mit einem sozial verträglichem Maß an Überstunden und Diensten, die Bezahlung tatsächlich geleisteter Arbeit, die Änderung der Tarifstruktur sowie die Entlastung von nicht-medizinischen Tätigkeiten wie der Dokumentation."


Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK), D-40237 Düsseldorf, Achenbachstr. 43, Tel.: 0211 / 600 692 - 61; limberg@dgk.org
Roland Bettschart, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mobil: 0043-676-6356775; bettschart@bkkommunikation.at
Weitere Informationen: http://www.gstcvs.org
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