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Künstliche Herzen statt Transplantation: "Chance auf ein neues Leben"

13.02.2005 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Patienten mit schweren Herzerkrankungen, die eine Transplantation benötigen würden, müssen häufig zu lange auf das lebensrettende Organ warten. Neue mechanische Unterstützungssysteme für den Herz-Kreislauf können nicht nur dabei helfen, die Wartezeit zu überbrücken, sondern auch die Transplantation überhaupt ersetzen, berichtete Prof. Dr. Christof Schmid bei der Jahreskonferenz der Herzchirurgen in Hamburg. Hamburg, Monatag 14. 2. 2005 - Geschätzte 1.200 bis 1.500 Menschen warten in Deutschland jährlich auf eine Herztransplantation, weil ihre fortgeschrittene Herzschwäche medikamentös oder durch andere chirurgische Eingriffe nicht mehr ausreichend behandelt werden kann. Tatsächlich verpflanzt wurden 2004 allerdings nur 376 Herzen - vor allem, weil heute - 35 Jahre nach der ersten Herztransplantation in Deutschland - Spenderorgane immer knapper werden. Rund ein Drittel der Betroffenen, schätzen Experten, erleben den Einsatz des rettenden Ersatzorgans nicht mehr und versterben während der Wartezeit. Neue Entwicklungen in der Medizintechnik können nun nicht nur helfen, die oft lebensbedrohlich lange Wartezeit zu überbrücken, sondern immer häufiger die Transplantation ganz ersetzen, berichtete Prof. Dr. Christof Schmid vom Universitätsklinikum Münster bei der 34. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie in Hamburg.

Das Herz imitieren

"Die neuen Kreislaufunterstützungssysteme imitieren die Herzfunktion und sind inzwischen durchaus auf einen dauerhaften Einsatz ausgelegt", so Prof. Schmid. Dabei kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, nämlich Systeme für das linke und das rechte Herz bzw. implantierbare und nicht implantierbare Pumpkammern. Systeme, die vollständig implantiert werden können, werden meist elektrisch betrieben, während Pumpsysteme, die außerhalb des Körpers getragen werden, in der Regel mit Druckluft arbeiten. Die Steuerkonsole und die Akkus liegen üblicherweise außerhalb des Körpers und sind über ein Kabel, das durch die Bauchdecke geführt wird, mit der Pumpe verbunden. Auch bei implantierten Systemen bleibt das kranke Herz aber erhalten. "Die Verwendung vollständiger Kunstherzen, bei denen zuvor das kranke Herz entfernt wird, ist klinisch noch im Versuchsstadium, sie kommt derzeit nur vereinzelt in Frage," stellt Prof. Schmid klar.

Kleine Pumpe im Herzbeutel

Bei mehr als 90 Prozent der Betroffenen genügt eine Unterstützung des linken Herzens. Für diese sind implantierbare Pumpkammern entwickelt worden, die zu Beginn noch recht groß und schwer waren. Heute gibt es für diesen Zweck sehr kleine Pumpsysteme, die man in den Herzbeutel legen kann. "Diese kleinen Turbinen transportieren das Blut nicht-pulsatil, das heißt, bei den Patienten kann kein Puls getastet oder Blutdruck mit einer Blutdruckmanschette gemessen werden", erläutert Prof. Schmid. "Erstaunlicher Weise toleriert der Körper diese abnorme Durchblutung seiner Organe in gleich guter Weise." Inzwischen steht eine Palette verschiedener Geräte mit unterschiedlichen Leistungsspektren zur Verfügung, die eine differenzierte Therapie nach den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen ermöglichen. Inzwischen sind sogar schon Mini-Systeme für Kinder und Säuglinge auf dem Markt.

Neue Chancen

"Trotz der bedeutenden technischen Fortschritte, die bereits erzielt wurden, sind die mechanischen Unterstützungssysteme noch nicht so perfekt wie wir sie bräuchten", gibt Prof. Schmid zu bedenken. "Doch in jedem Fall stellen die neuen Pumpsysteme für betroffene Patienten große Hoffnung und die Chance auf ein neues Leben dar."


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Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
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Roland Bettschart, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mobil: 0043-676-6356775; bettschart@bkkommunikation.at
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