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Resümee eines Pioniers der Kinder-Herzchirurgie: Von 50 Prozent Sterblichkeit auf weniger als 5 Prozent

15.02.2005 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Beeindruckende Fortschritte verzeichnet die moderne Herzchirurgie auch bei den jüngsten Patienten. Pro Jahr werden heute in Deutschland rund 1800 Operationen angeborener Herzfehler bereits im ersten Lebensjahr durchgeführt. Kaum eine Fehlbildung im Kindesalter kann heute nicht zumindest teilweise korrigiert werden. Verstarb noch vor wenigen Jahrzehnten jedes zweite Kind, sind es heute weniger als 5 Prozent. Hamburg, Dienstag 15. Februar 2005 - "Im Vorjahr wurden in Deutschland knapp 1800 Operationen angeborener Herzfehler bei Kindern im ersten Lebensjahr durchgeführt, in den meisten Fällen mit Herz-Lungen-Maschine", resümiert Prof. Dr. Arno Krian, nächster Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, auf deren 34. Jahreskongress in Hamburg. "Heute können in Deutschland fast alle angeborenen Herzfehler bereits im ersten Lebensjahr korrigiert werden - das stellt einen enormen Fortschritt dar."
Tatsächlich gibt es heute kaum noch eine Fehlbildung, die nicht zumindest teilweise korrigiert werden könnte, wobei das letzte Mittel der Herztransplantation bei Kleinstkindern möglichst selten eingesetzt werden soll. Auf dem Hamburger Kongress wurden von unterschiedlichen Kinderherz-chirurgischen Zentren Operations-Modifikationen präsentiert mit entsprechenden guten Ergebnissen bei Kindern mit hypoplastischen großen Gefäßen, also zum Beispiel zu klein angelegten Hauptschlagadern, oder bei nicht vorhandenen Herzklappen ("Klappenaträsie").

Meilensteine einer Erfolgsgeschichte

Kinderherzchirurgie-Pionier Prof. Hans Meisner aus München stellte auf dem Hamburger Kongress in seinem Ehrenvortrag "Tour de Force" die Meilensteine der Entwicklung zur Frühkorrektur dar - also dem operativen Bemühen um möglichst frühzeitige und komplette Angleichung an die normale Funktion des Herzens eines Kindes. "Es waren mehrere große Schritte, die die heutigen Leistungen ermöglichen", führte Prof. Meisner aus. Zunächst in den Jahren 1950 bis 1958 die Entwicklung der offenen Herzchirurgie: Allerdings betrug die Sterblichkeit der damals operierten Kinder mit angeborener Blausucht ("Fallot") auf der Grundlage mehrerer komplexer Missbildungen im Herzen einer internationalen Statistik zufolge 39 Prozent.
Deswegen wurden als Zwischenschritt mehr palliative, den Krankheitsverlauf verzögernde Eingriffe ("Bändelung") zum Schutz der Lungenzirkulation durchgeführt, um dann die endgültige Korrektur bei etwas größeren Kindern durchzuführen. Die Sterblichkeit lag damals allerdings immer noch bei ca. 20 Prozent.
"Noch 1967 starb bei der Korrektur eines anderen Herzfehlers, des Herzkammerscheidewand-Defektes, fast jedes dritte Kind", führte Prof. Meisner aus, "gleichzeitig hatte die gewonnene Erfahrung die Korrekturergebnisse bei Fallot in der Münchner Arbeitsgruppe von 27 Prozent auf 12 Prozent gesenkt."
In den 70er Jahren kamen neue Operationsmethoden wie die Vorhofumkehr oder die "Switch"-Operation hinzu, also die Korrektur der falsch abgehenden großen Gefäße aus dem Herzen. Gleichzeitig reduzierte sich die Sterblichkeit durch neue Verfahren des Herzschutzes während der Operation: Kühlung und spezielle Flüssigkeiten ("Kardioplegie") ermöglichten bessere Ergebnisse, und auch die Anwendung schwieriger Korrekturverfahren.
In den 80ern begann deswegen die Ära der Frühkorrektur mit dem großen Ziel, mit dem Kind mitwachsende Langzeitergebnisse zu erreichen, die eine normale Entwicklung ermöglichen.

1987 waren 28 Prozent der operierten Kinder jünger als ein Jahr, 1978 nur 7 Prozent

Die Qualitätsstatistik, die der Hamburger Herzchirurg Prof. Dr. Georg Rodewald damals initiiert hatte, wies 1987 rund 28 Prozent der operierten Kinder unter einem Jahr aus, 1978 waren es nur 7 Prozent gewesen. Bei der Transposition der großen Gefäße - die großen Blutgefäße sind dabei an die falschen Kreisläufe angeschlossen - lag der Anteil der Kinder unter einem Jahr ursprünglich bei 27 Prozent, 1990 bereits bei 90 Prozent. Gleichzeitig fiel die Frühsterblichkeit bei solchen Korrekturen auf unter 5 Prozent.
"Die selbst gesetzte Null-Fehler-Toleranz des Chirurgen kann durch die Angst vor Fehlern irritiert werden", sagt Prof. Meisner, "aber der Überblick über ein halbes Jahrhundert Herzchirurgie hat gezeigt, wie eindrucksvoll die Erfolge sind, auch wenn sie aus einzelnen Niederlagen zu großen Fortschritten entwickelt werden müssen."


Kontakt:
Prof. Dr. Eckart Fleck, Berlin (Pressesprecher der DGK)
Christiane Limberg, Düsseldorf (Pressereferentin der DGK), D-40237 Düsseldorf, Achenbachstr. 43, Tel.: 0211 / 600 692 - 61; Fax: 0211 / 600 692 - 67 ; Mail: limberg@dgk.org
Roland Bettschart, Bettschart & Kofler Medien- und Kommunikationsberatung GmbH; Mobil: 0043-13194378-18; bettschart@bkkommunikation.at
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