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Für den Organempfänger und den Schutz des medizinischen Personals wird alles getan

17.02.2005 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Patient mit Spenderleber hat keine Symptome / Tollwut-Infektion ist bislang nicht bewiesen / Experten des Universitätsklinikums und der Deutschen Stiftung Organtransplantation informierten bei einer Pressekonferenz Am Universitätsklinikum Heidelberg wird derzeit ein Patient behandelt, der möglicherweise durch eine Anfang 2005 in Heidelberg transplantierte Spenderleber mit dem Tollwut-Virus infiziert worden ist. Der Organempfänger hat keine Beschwerden; er wurde nach Bekanntwerden des Verdachts Mitte Februar umgehend geimpft und wird nun vorsorglich mit Medikamenten behandelt. Endgültige Testergebnisse, die eine Infektion des Empfängers und der Organspenderin bestätigen oder ausschließen, werden frühestens morgen erwartet.

"Wir bedauern sehr, dass einer unserer Patienten möglicherweise gefährdet wurde", erklärte der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Dr. Eike Martin, bei einer Pressekonferenz am 16. Februar 2005. Es werde alles unternommen, um den Ausbruch der Infektion zu verhindern.

Der geschäftsführende Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, Professor Dr. Dr. h.c. Markus Büchler, berichtete, dass es vor der Transplantation Anfang 2005 keinerlei Anhaltspunkte dafür gegeben habe, dass das Organ mit Tollwut infiziert war. Da die Infektion sehr selten sei, würden Organspender weltweit nicht auf Tollwut-Viren untersucht. Außerdem sei die Diagnostik bisher zu langwierig, um den engen Zeitrahmen für eine Organentnahme und Transplantation einzuhalten.

Bei mehreren 100.000 Transplantationen weltweit ist nur einmal - im Sommer 2004 in den USA - eine Übertragung des Tollwut-Virus auf drei Organempfänger vorgekommen. "Patienten, die auf ein Organ warten, können davon ausgehen, dass das Risiko sehr gering ist", sagte Professor Büchler. Dennoch müsse man daran arbeiten, auch dieses minimale Risiko künftig ausschließen zu können.

Hinweise dafür, dass die Organspenderin an einer unbemerkten Tollwut-Infektion gelitten haben könnte, hätte es erst mehrere Wochen nach der Transplantation gegeben, erklärte Professor Dr. Werner Lauchart, Deutsche Stiftung Organtransplantation, Baden-Württemberg. Untersuchungen des Gehirngewebes der Spenderin sprechen für eine Tollwut-Infektion. Nachträglich ist zudem bekannt geworden, dass sie sich im Oktober 2004 in Indien aufgehalten habe, wo Tollwut sehr viel stärker verbreitet ist als in Europa. Drei der sechs Organempfänger hätten zudem Tollwut-verdächtige Symptome entwickelt und würden deswegen nun auf der Intensivstation behandelt, sagte Professor Lauchart.

Der Spenderin waren am Klinikum der Universität Mainz mehrere Organe entnommen worden, die von der Stiftung Eurotransplant an sechs Patienten in vier verschiedenen Transplantationszentren in Deutschland vermittelt wurden: Niere/Bauchspeicheldrüse (Marburg), Niere (Hannoversch-Münden), Lunge (Hannover), Leber (Heidelberg). Die Hornhäute wurden in der Universitäts-Augenklinik Mainz verpflanzt. Beschwerdefrei sind nur die Empfänger von Leber und Hornhäuten.

Im Universitätsklinikum Heidelberg sind umgehend alle erforderlichen Maßnahmen getroffen worden, das medizinische Personal, das als riskant eingestuften Kontakt mit dem Patienten hatte, durch Impfungen zu schützen. Auch der Schutz der näheren Umgebung des Patienten wurde eingeleitet. Das Risiko einer Übertragung des Tollwut-Virus wird allerdings als sehr gering eingeschätzt. "Es wird ausschließlich durch Kontakt von verletzter Haut mit dem Speichel eines Infizierten übertragen", erklärte Professor Dr. Heiko Geiss, Leitender Oberarzt im Heidelberger Hygiene-Institut. Bislang ist kein Fall einer Übertragung von Tollwut im Krankenhaus bekannt.


Bei Rückfragen:
Professor Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler,
Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik:
Telefon: 06221 / 56 62 01 (Sekretariat)

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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