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Neue Mitglieder der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

02.03.2005 - (idw) Bayerische Akademie der Wissenschaften

Am 18. Februar 2004 nahm die Bayerische Akademie der Wissenschaften in München fünf ordentliche, d.h. in Bayern wohnhafte, Mitglieder und ein korrespondierendes Mitglied durch Zuwahl in ihre Reihen auf. Die Mitgliedschaft in einer Akademie der Wissenschaften ist eine der höchsten Anerkennungen für Gelehrte. Die begrenzte Zahl der Plätze und das Erfordernis, eine Leistung erbracht zu haben, die "sich nicht in der Übermittlung oder Anwendung bereits vorhandener Erkenntnisse erschöpft, sondern eine wesentliche Erweiterung des Wissensbestandes darstellt", gewährleisten eine strenge Auslese unter den Besten ihres Faches. Es wird erwartet, dass die ordentlichen Mitglieder durch Teilnahme an den Sitzungen, öffentliche Vorträge und Publikationen an der Arbeit der Kommissionen und dem interdisziplinären Diskurs mitwirken. Den internationalen Austausch mit Wissenschaftlern in aller Welt pflegt die Akademie durch die Aufnahme von korrespondierenden Mitgliedern.

Zu ordentlichen Mitgliedern der Philosophisch-historischen Klasse wurden gewählt:

· Prof. Dr. phil. Volker Bierbrauer, Inhaber des Lehrstuhls für Vor- und Frühgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München

· Prof. Dr. phil. Gerhard Regn, Inhaber des Lehrstuhls für Italienische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Zu ordentlichen Mitgliedern der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse wurden gewählt:

· Prof. Dr. rer. nat. Markus Riederer, Inhaber des Lehrstuhls für Botanik II an der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg

· Prof. Dr. med. Markus Schwaiger, Inhaber des Lehrstuhls für Nuklearmedizin an der Technischen Universität München

· Prof. Dr.-Ing. Robert Singer, Inhaber des Lehrstuhls für Werkstoffkunde und Technologie der Metalle an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg

Zum korrespondierenden Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse wurde gewählt:

· Prof. Martin Bennett, PhD, DSc. FRS, Research School of Chemistry, Australian National University, Canberra

Kurze Würdigung der neuen ordentlichen Mitglieder:

Volker Bierbrauer, geb. 1940, ist einer der führenden Erforscher der Geschichte der Goten und Langobarden. Im Zentrum seiner Forschungen stehen die Siedlungsarchäologie in Italien und die Probleme, die mit der Akkulturation in Folge der Völkerwanderung und der Landnahme zusammenhängen, sowie die Kontinuität städtischen Lebens in den alten Römerstädten Norditaliens und Raetiens. Seine Forschungen erstrecken sich auf die Zeitspanne vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 9. Jahrhundert n. Chr., wobei ihn der Übergang von der Spätantike zum Mittelalter besonders interessiert. Ihm ist die Erschließung und Interpretation wichtiger archäologischer Quellen im Alpenraum zu verdanken, z. B. im alten Südtiroler Bischofssitz Säben bei Brixen.

Als romanischer Philologe verfügt Gerhard Regn, geb. 1944, über eine große fachliche Breite: In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit der französischen Lyrik Mallarmés und ihrer Interpretation in der Nachkriegsphilologie, während er mit seiner Habilitationsschrift über Tassos zyklische Liebeslyrik dem traditionellen Schwerpunkt der Münchener Italianistik in der Petrarca-Forschung neue Impulse verlieh. Als Leiter des Projekts "Pluarilisierung und Autorität" im Sonderforschungsbereich 573 "Frühe Neuzeit" hat er erst kürzlich die kritische Neuedition der Akademievorträge des 16. Jahrhunderts zu Petrarcas "Canzoniere" veröffentlicht, die bislang nur in veralteten und schwer zugänglichen Ausgaben vorlagen, und damit die für ihn typische systematische Verbindung von Textedition und Textinterpretation erneut unter Beweis gestellt.

Das Hauptarbeitsgebiet von Markus Riederer, geb. 1956, ist die Analyse und Funktion pflanzlicher Grenzschichten an ihren äußeren und inneren Rändern (Epidermis und Endodermis), über die sie gasförmig gelöste Substanzen, z. B. Kohlendioxyd, Wasserdampf oder Herbizide, aufnehmen. Er hat die UV-Sperre der Epidermis untersucht, Ursachenforschung über die Ameisenabwehr tropischer Pflanzen durch Wachsschichten betrieben, erstmalig eine chemische Analyse der cuticulären Wachse von Insekten durchgeführt und ihre Bedeutung für das Verhalten der Tiere beschrieben. Den älteren, weitgehend morphologisch-anatomisch beschreibenden Verfahren hat er die rigorose Anwendung modern naturstoffchemischer, biochemischer und biophysikalischer Methoden gegenübergestellt. Er wurde u. a. mit dem Heinz Maier-Leibniz-Preis (1985) ausgezeichnet und ist Sprecher des Sonderforschungsbereichs "Mechanismen der interspezifischen Interaktion von Organismen" an der Universität Würzburg.

Markus Schwaiger, geb. 1950, hat bahnbrechende Arbeiten zur Anwendung der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) geleistet, die wegen ihrer Empfindlichkeit und hohen Auflösung bisher die einzige Methode ist, zelluläre Prozesse auf molekularer Ebene zu untersuchen. Ihm ist es u. a. zu verdanken, dass die PET heute weltweit das Standardverfahren zur Indikation der Bypassoperation bei Patienten mit stark eingeschränkter Herzfunktion ist. Außerdem wurden damit neue Möglichkeiten zur Therapiekontrolle und zum frühzeitigen Monitoring von Krebserkrankten eröffnet. Sein besonderer Forschungsschwerpunkt ist die "Molekulare Bildgebung", d.h. der Einsatz von Tracer-Methoden zur Visualisierung biologischer Prozesse. Ihm ist es in vorbildlicher Weise gelungen, klinische Arbeit mit wissenschaftlicher Grundlagenforschung zu vereinen und ein Netzwerk innovativer Technologien aufzubauen. Zur Zeit ist er Dekan der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München.

Robert Singer, geb. 1950, wird das bisher in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften noch nicht vertretene Fachgebiet der Materialwissenschaften neu einbringen. Hier hat er sich insbesondere einen Namen erworben im Bereich der Leichtbauwerkstoffe (z. B. Metallschäume, Metallschwämme), der hochtemperaturfesten Werkstoffe (z. B. Kohlenstoffbauteile aus gesintertem Kohlenstoff-Mesophasenpulver, die für Kolben und in Turbinen verwendet werden können) und der verschleißarmen, ultraharten Schichten (insbesondere aus Diamant, die mit einem von ihm entwickelten Verfahren auf komplex geformten Bauteilen aufgebracht werden). Er war Sprecher des von ihm mitinitiierten DFG-Schwerpunktprogramms "Zellulare metallische Werkstoffe" und ist Leiter des Bayerischen Forschungsverbunds "Werkstoffe auf der Basis von Kohlenstoff" (FORCARBON) sowie Mitglied des Wissenschaftlich-Technischen Beirats der Bayerischen Staatsregierung.

Kurze Würdigung des neuen korrespondierenden Mitglieds:

Martin Bennett ist einer der führenden Vertreter der anorganischen und metallorganischen Chemie Australiens. Schon sehr früh bekannt wurde er durch Arbeiten zur Stabilisierung kleiner kurzlebiger organischer Moleküle in der Koordinationsphäre von Metallen, insbesondere das Dedyrobenzol, das Di(dehydro)benzol und das o-Xylylen. Diese Arbeitsgebiete berühren sich mit denen von E.O. Fischer und R. Huisgen in München. Andere Arbeiten beschäftigen sich mit der Insertion von ungesättigten organischen Verbindungen in Metall-Ligand-Bindungen, Cyclometallierungen sowie C-H-und C-C-Aktivierungen. In Deutschland hat er sich u. a. als Stipendiat und Preisträger der Humboldt-Stiftung aufgehalten.


Fotos der Genannten können angefordert werden unter presse@badw.de

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