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Genomforschung mit klinischem Bezug: Posterpreise beim DHGP/NGFN-Meeting am 19.11.2002 in Berlin

22.11.2002 - (idw) Verein zur Förderung der Humangenomforschung e.V.

Wie Genomforschung Ansätze zur Krankheitsbekämpfung liefert, war Thema des DHGP/NGFN-Meeting am 17.-19.11.2002 in Berlin. Exemplarisch sind die Arbeiten von A. Blumenthal und B. Fritz, die aus über 300 präsentierten Posters und Vorträgen ausgewählt und mit dem Posterpreis des Vereins zur Förderung der Humangenomforschung e.V. ausgezeichnet wurden.


Poster-Preisträger Björn Fritz (2. v. r.) Krebs und Infektionskrankheiten gehören zu den Krankheitsgebieten, die die Menschen am meisten bedrohen. Dass und wie Genomforschung Ansätze zu ihrer Bekämpfung liefert, war Thema des DHGP/NGFN-Meeting "The genetic and molecular basis of human disease" am 17.-19.11.2002 in Berlin. Exemplarisch sind die beiden der über 300 präsentierten Arbeiten, die mit dem Posterpreis des Vereins zur Förderung der Humangenomforschung e.V. ausgezeichnet wurden:

Antje Blumenthal et al. haben am Forschungszentrum Borstel für die Erforschung der Ursachen der Tuberkulose ein Testsystem etabliert, das es erlaubt, in einer mit Mycobacterium avium infizierten Makrophagen-Zelle zwischen der Expression des Wirts- und der des Bakteriengenoms zu unterscheiden. Damit fanden sie überraschenderweise heraus, dass hochvirulente Mycobacterium-Stämme Makrophagen in geringerem Ausmaß aktivieren als schwach virulente oder avirulente Stämme. Nur etwa 50 der 12.000 untersuchten Makrophagen-Gene verhalten sich nach Infektion der Zellen mit verschiedenen Mykobakterienstämmen ähnlich. Darüber hinaus gibt es eine Anzahl Gene, die spezifisch auf den jeweiligen Bakterienstamm reagieren ("private set of genes") und die mit dessen intrazellulärem Persistieren in Zusammenhang gebracht werden. Dieser Befund kann klare Konsequenzen für die rasche Diagnostik der Erreger haben. Es liegt auch auf der Hand, dass Gene, die am mehr oder weniger raschen Abklingen einer Infektion beteiligt sind, viel versprechende Ansatzpunkte für neue Therapien sind.

Björn Fritz aus der Arbeitsgruppe um Peter Lichter am Deutschen Krebsforschungszentrum hat mit einer hoch auflösenden, neuen Technik der vergleichenden genomischen Hybridisierung (comparative genomic hybridization: CGH) verschiedene Blut- und Fettzelltumore untersucht. Er fand heraus, dass die mit dieser Technik gemessenen Veränderungen in der Genomstruktur weitaus signifikanter für die Charakterisierung des Krankheitsstadiums sind als die Informationen, die man mit Transkriptanalysen erhält. Daher empfiehlt sich der Vergleich der genomischen Profile eher für die Tumor-Typisierung bei den untersuchten Tumoren als die Verwendung der Expressionsprofile. Entsprechende DNA-Chips befinden sich in der Entwicklung für prognostische Zwecke.

Über den klinischen Bezug der Arbeiten hinaus wurde bei beiden Preisträgern die gut strukturierte, klare graphische Darstellung dieser komplizierten molekularbiologischen Zusammenhänge von der Posterpreis-Jury ebenso honoriert wie die "Fitness" der beiden Autoren in der mündlichen Diskussion ihrer Ergebnisse. Der Jury gehörten an:
Prof. Dr. Karl Einhäupl (für das Lenkungsgremium des NGFN)
Prof. Dr. Trinad Chakraborty (für das Projektkomitee des NGFN)
Prof. Dr. André Reis (für das wissenschaftliche Koordinierungskomitee des DHGP)
Prof. Dr. Klaus-Peter Koller (für den Förderverein)
Dr. Josef Hermanns (für den Förderverein)
Die Juroren haben "zwei erste Preise" vergeben, die mit je Euro 1.500,- dotiert waren.

Der Förderverein hat erstmals beim DHGP-Projektleitertreffen im Jahr 2000 Posterpreise verliehen und möchte damit wissenschaftliche Leistungen der deutschen Humangenomforschung öffentlich auszeichnen, die in ihrem Konzept zugleich eine Ausrichtung auf den medizinischen Fortschritt und auf die wirtschaftliche Verwertbarkeit erkennen lassen. Die private public partnership der akademischen und der industriellen Forschung auf diesem Gebiet, die im DHGP eine äußerst fruchtbaren Informationsaustausch und einen erfolgreichen Technologie-transfer in Gang gebracht hat, ist so auch bei der Vergabe dieses Preises beim DHGP/NGFN-Meeting zum Ausdruck gekommen.

Über den Verein zur Förderung der Humangenomforschung e.V.
Im Förderverein haben sich deutsche Pharma- und Biotechnologieunternehmen zusammengeschlossen mit dem Ziel,
- die Ergebnisse der Humangenomforschung in medizinische Innovationen umzusetzen und im Dialog mit der Öffentlichkeit zu vermitteln
- die Zusammenarbeit zwischen akademischer und industrieller Forschung zu stärken
- Biotech-Arbeitsplätze und Wertschöpfung in Deutschland zu schaffen.

Ihm gehören die folgenden Unternehmen an:
Artemis Pharmaceuticals GmbH, Aventis Pharma Deutschland GmbH, Bayer AG, Boehringer Ingelheim International GmbH, BRAIN AG, DeveloGen AG, Europroteome AG, LION Bioscience AG, Merck KGaA, Morphochem AG, MorphoSys AG, Roche Diagnostics GmbH, Schering AG, Xantos Biomedicine AG.

Frankfurt, den 22. November 2002

V.i.S.d.P.:
Dr. Christina Schröder
Verein zur Förderung der Humangenomforschung e.V.
Industriepark Höchst, 65926 Frankfurt
Tel. 069/907 459 40; Fax 069/907 459 55
e-Mail: ch.schroeder@fvdhgp.de
http://www.fvdhgp.de
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