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Wie wirken Medikamente bei Aufmerksamkeitsdefizit-Störung?

03.03.2005 - (idw) Universität Leipzig

PD Dr. med. Ulrich Müller, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, wurde mit einem MRC Pathfinder Award in Höhe von 235.000 Britischen Pfund (~350.000 EUR) ausgezeichnet. Mit dem Preisgeld wird eine Studie finanziert, mit der die Wirkungen von Medikamenten zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Störung (ADS) geklärt werden sollen. Der von einem hochkarätig besetzten Expertengremium nach strenger Begutachtung vergebene Preis - von 326 eingereichten Projektvorschlägen werden nur 15 gefördert - wird vom britischen Medical Research Council (MRC) und dem Department of Health (DH) vergeben. Die in Cambridge/Großbritannien durchgeführte Studie soll mit verschiedenen Methoden zunächst klären, warum und wie ein Medikament namens Methylphenidat oder Ritalin bei ADS wirkt.

ADS bzw. ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-(und Hyperaktivitäts-) Störung. Kinder und Erwachsene, die an dieser Störung leiden, haben Probleme ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren, sind leicht ablenkbar und ermüdbar, oft impulsiv und häufig motorisch unruhig (hyperaktiv). Das führt auch bei intelligenten Patienten zu Minderleistungen in Schule, Ausbildung und Beruf sowie häufig zu Problemen in Familie und Partnerschaft. Neben Beratung und psychotherapeutischen Interventionen spielt die medikamentöse Behandlung mit Methylphenidat (Ritalin) eine auch in Europa zunehmend wichtige Rolle.

"Wir wollen unter anderem der Hypothese nachgehen, dass die motorische Hyperaktivität eine Art Selbstbehandlung der Aufmerksamkeitsstörung darstellt.", erklärt Dr. Müller. Dazu werden erwachsene Patienten mit ADS zunächst mit speziellen neuropsychologischen Verfahren sowie mit einem am Handgelenk tragbaren Aktimeter zur Aufzeichnung der motorischen Aktivität untersucht. "Um die Ausschüttung von Dopamin (des Botenstoffes, der u.a. für den harmonischen Ablauf unserer Bewegungen und zur Optimierung bestimmter Denkvorgänge verantwortlich ist) im Gehirn zu messen, führen wir anschließend ein nuklearmedizinisches Bildgebungs-Verfahren durch, die sogenannte Positronen-Emissions-Tomographie (PET). 16 Patienten werden zweimal im PET-Scanner untersucht, jeweils nach Methylphenidat und nach einem Scheinmedikament (Placebo).", so Müller.

Ergänzend werden in Kooperation mit Prof. Klaus-Peter Lesch von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, auch eine Reihe genetischer Marker untersucht, die ihrerseits den Dopamin-Stoffwechsel beeinflussen.

Dr. Müller will zunächst seine Forschungen an der University of Cambridge fortsetzen, wo er als Humboldt Stipendiat und Honorary Consultant Psychiatrist in den Abteilungen für Experimentelle Psychologie und Psychiatrie arbeitet, bevor er nach Leipzig zurückkehrt.


weitere Informationen:
PD Dr. Ulrich Müller
Telefon: 0044 1223-3-33535
E-Mail: um207@cam.ac.uk
Weitere Informationen: http://info.psychol.cam.ac.uk/~bcnc
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