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José Carreras Pavillon für Patienten nach Knochenmarktransplantationen eröffnet

03.03.2005 - (idw) Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen

Attraktiver Glasanbau mit aufwändiger Technik fertig gestellt (ukg) Der Aufenthaltsraum für die Patienten der Station für Knochenmarkstransplantationen am Universitätsklinikum Göttingen ist fertig gestellt. Der neue Glaspavillon ist für Langzeitpatienten der Station 0123 'Holland' gedacht. Dort werden Leukämiebehandlungen und Stammzelltransplantationen durchgeführt. Während der langen Behandlungszeit sind die Patienten äußerst infektionsanfällig. Sie müssen daher isoliert werden und dürfen die Station nicht verlassen. Krankheit, lange Behandlungsdauer und Isolation führen häufig zu einer psychisch angespannten Situation. In dieser schwierigen Phase der Therapie soll der neue Pavillon den Patienten Erleichterung verschaffen.

Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. finanziert den neuen Pavillon mit Spendengeldern in Höhe von 200.000 Euro. Ina Hönninger, Projektleiterin der Carreras-Stiftung, erläutert das Engagement für das Göttinger Projekt: "José Carreras hat bei seiner eigenen Leukämieerkrankung vor vielen Jahren selbst erfahren, wie belastend die Therapie sein kann. Gerade dann benötigen die Betroffenen die Unterstützung von Angehörigen und den Austausch mit anderen Patienten. Der neue Pavillon bietet dafür einen geschützten Raum, der genau auf die Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten ist. Wir freuen uns sehr, dass wir mit Spendengeldern dazu beitragen konnten, die Situation für die Patienten hier nachhaltig zu verbessern."

Dazu kommen Spenden in Höhe von 50.000 Euro aus der Göttinger Gesellschaft zur Unterstützung der Krebsforschung und -therapie e.V. (GUK e.V.). Die Summe wurde in kurzer Zeit in der Göttinger Region zusammengetragen. "Unser Dank gilt auch diesen vielen engagierten Spendern", sagt Professor Lorenz Trümper, "das Geld wurde in vielen kleinen und größeren Benefizaktionen wie Beach-Volleyball, Preiskegeln, Musikveranstaltungen zugunsten des Projektes gesammelt. Das zeigt uns, wie wichtig für die Bevölkerung die menschliche Komponente bei der Patientenversorgung am Uniklinikum ist."

Der José Carreras Pavillon dient den Krebspatienten der Station 0123 in der Abteilung Hämatologie und Onkologie als Aufenthalts- und Kommunikationsraum. Dort können sich die Patienten in einer angenehmen Atmosphäre außerhalb ihres Krankenzimmers mit Angehörigen treffen. Durch die zweistöckige Bauweise bietet der Pavillon Raum für Ruhe und Bewegung, Kommunikation und Entspannung sowie Aktion und Rückzug. Der baulich attraktive Glasanbau ist so konzipiert, dass Patienten nicht mit der Außenluft in Berührung kommen. Es bedarf daher einer aufwändigen und kostspieligen Klimatechnik, um die besonderen Reinraumluftbedingungen herzustellen.

Das Gebäude mit einer Stahl-Glasfassade hat eine Grundfläche von 68 Quadratmetern und eine eingezogene Empore mit 12 Quadratmetern. Insgesamt umfasst die 110 Quadratmeter große Fläche der Glasfassade 360 Kubikmeter umbauten Raum und wirkt bei einer Raumhöhe von 4,50 Metern offen und luftig. Der Pavillon hat eine kleine Galerie mit Treppe, eine kleine Teeküche und eine Raumnische zum Lesen, für Meditation und mit PC-Anschluss zum Arbeiten.

Zur Therapie mit Stammzelltransplantation
In der Station 0123 (Station Holland) werden etwa 320 Patienten im Jahr behandelt; bei etwa 70 Patienten wird eine Stammzelltransplantation durchgeführt. Für 20 bis 30 Patienten im Jahr besteht die Möglichkeit, eine so genannte 'allogene' Stammzellentransplantation zu erhalten. Diese Stammzellen sind die Mutterzellen der Blutbildung. Sie werden aus dem Knochenmark oder dem Blut von Angehörigen oder passenden, nicht-verwandten Spendern gewonnen. Eine Therapie erfordert einen oft bis mehrere Wochen durchgehenden Aufenthalt in der Klinik.

Die Station erfüllt besondere technische Anforderungen: eine Reinluft-Filteranlage, spezielle Schleusen, eine eigene Desinfektionsanlage. Prof. Dr. Bertram Glaß, leitender Oberarzt der Station, erklärt das Verfahren: "Die Behandlung dauert zunächst mindestens vier bis sechs Wochen, bis sie ganz abgeschlossen ist, oft sechs Monate. Dabei wird das ganze Blutbildungs- und Immunsystem eines Menschen ausgetauscht." Das kranke System wird mit einer Chemotherapie zerstört, dann wird das System über die Transplantation gesunder Zellen neu aufgebaut. Abwehrzellen des Spenders stellen dabei eine Form der Immuntherapie gegen Leukämien und bösartige Lymphome dar. "Diese Form der Immuntherapie ist eines der erfolgversprechendsten Verfahren gegen Krebs", so Professor Lorenz Trümper, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie Bereich Humanmedizin. Hier könne man "klinische Forschung mit, für und am Patienten leisten."

Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V.
José Carreras gründete 1995 die "Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V." aus Dankbarkeit dafür, dass er selbst seine Leukämieerkrankung überwunden hatte. Durch die Großzügigkeit vieler Spender konnten bis heute mehr als 350 Projekte in ganz Deutschland gefördert werden. Dabei liegt der Förderschwerpunkt der Stiftung in folgenden Bereichen:
* Förderung von Forschung und Wissenschaft, z. B. durch die Entwicklung von neuen Behandlungsmethoden und die Vergabe von Forschungsstipendien
* Verbesserung der Therapiemöglichkeiten, z.B. durch den Aufbau von Transplantations-Einheiten und den Ausbau von Tageskliniken
* Unterstützung von Elterninitiativen und Selbsthilfegruppen

Informationen über die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. finden Sie im Internet unter www.carreras-stiftung.de

Weitere Informationen:
Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin

Prof. Dr. Lorenz Trümper
Abt. Hämatologie und Onkologie
Robert-Koch-Str. 40
37075 Göttingen
Tel.: 0551-39-8535

Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung e. V.
Gabriele Schulze
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.:089-272904-40; mobil 0172-8667336
Fax: 089-272 904-44
presse@carreras-stiftung.de

Georg-August-Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Stefan Weller
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert-Koch-Str. 42
37075 Göttingen
Tel.: 0551-39-9959
presse.medizin@med.uni-goettingen.de

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